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Auswirkungen des FIFA-Bebens: Für Sepp Blatter wird die Luft dünn

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Die Auswirkungen des FIFA-Bebens  

Für Präsident Blatter wird es immer enger

27.05.2015, 16:26 Uhr | sid, dpa

Auswirkungen des FIFA-Bebens: Für Sepp Blatter wird die Luft dünn. Die FIFA versinkt im Chaos - und Präsident Joseph Blatter geht zur Tagesordnung über. (Quelle: Reuters)

Die FIFA versinkt im Chaos - und Präsident Joseph Blatter geht zur Tagesordnung über. (Quelle: Reuters)

Am schwärzesten Tage in der FIFA-Historie haben Festnahmen und Ermittlungen von Justizbehörden aus den USA und der Schweiz den Fußball-Weltverband erschüttert. Offiziell verkauft die FIFA das Geschehen als "positives Ereignis" zur Schaffung juristischer Klarheit. Doch der Imageschaden kurz vor dem Kongress ist fatal. Joseph Blatter will dennoch für eine fünfte Amtszeit kandidieren.

Ob der FIFA-Präsident am Freitag in seinem Amt bestätigt wird, ist noch nicht abzusehen. Fakt ist: Der Kongress und die Wahl sollen wie geplant stattfinden. Allein weil zwei Vizepräsidenten aber nicht auf ihrem Platz sitzen werden, kann die Veranstaltung kaum mehr als zu einer gewaltigen Farce werden. Die Wiederwahl eines Präsidenten, aus dessen Führungsriege Personen verhaftet wurden und auf ihre Auslieferung in die USA warten, ist nur sehr, sehr schwer vorstellbar. Aber bei der FIFA ist alles möglich. Blatter hat schon viele Krisen überstanden.

Die Vorwürfe:

Gleich zwei juristisch separate Fälle wurden am Mittwoch von den Sicherheitsbehörden verfolgt. Im Auftrag der US-Justiz wurde Anklage gegen 14 Personen erhoben. Sieben FIFA-Funktionäre wurden in einem Hotel in Zürich festgenommen. Sie sollen seit 1991 Bestechungsgelder von 100 Millionen Dollar für die Veräußerung von Vermarktungsrechten für Turniere in Süd- und Nordamerika kassiert haben. Ihre Konten bei Geldinstituten in der Schweiz wurden gesperrt.

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Zeitgleich rückte die Schweizer Staatsanwaltschaft in das FIFA-Hauptquartier ein und beschlagnahmte Unterlagen zur skandalträchtigen WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022. In diesem Zusammenhang hatte die FIFA im November 2014 Strafanzeige gestellt und Ermittlungen damit bewirkt. Auch hier geht es um den Verdacht der Veruntreuung und Bestechung.

Die Beschuldigten:

Gleich zwei FIFA-Vizepräsidenten, Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo, gehören zu den Beschuldigten der US-Justiz. Insgesamt vier bei der FIFA-Präsidentschaftswahl am Freitag stimmberechtigte Funktionäre sind unter Verdacht. Zudem taucht in Jack Warner ein weiterer ehemaliger FIFA-Vize, der bereits in andere Korruptionsfälle verwickelt war, auf der Liste des US-Justizministeriums auf.

Die WM-Ermittlungen der Schweizer Staatsanwaltschaft richtet sich noch nicht gegen bestimmte Personen. Zumindest als Zeugen sollten alle an der WM-Vergabe beteiligten Exekutivkomitee-Mitglieder infrage kommen. Zu diesen gehört auch Franz Beckenbauer.

Die Rolle Blatters:

Joseph Blatter gehört nicht zu den Beschuldigten. Gegen ihn wird nicht ermittelt. Damit gleichen die Fälle allen anderen Skandalen unter der Regentschaft des FIFA-Chefs. Und wieder schlüpft der Schweizer in die Opferrolle. "Die FIFA ist die Geschädigte", lautete das offizielle Statement. Unbeirrt will sich Blatter am Freitag zur Wahl stellen und eine fünfte Amtszeit antreten.

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Ist Sepp Blatter als FIFA-Präsident überhaupt noch tragbar?

Im Aussitzen von Skandalen ist Blatter ein Weltmeister. Dennoch bleibt wieder die Frage, warum der 79-Jährige offensichtlich schwerwiegende kriminelle Vergehen in seiner Organisation nicht registrierte oder - wie in jedem anderen Weltunternehmen - dafür geradesteht.

Die Konsequenzen:

Der Ruf nach einer grundlegenden Erneuerung des Weltverbandes wird wieder laut erschallen. Aber: Der Kongress findet statt. Die Präsidentschaftswahl findet statt. Die FIFA will ihr Programm einfach durchziehen. Sogar die mit Spannung erwartete Verteilung der WM-Startplätze für 2018 und 2022 am Samstag durch das neue Exekutivkomitee soll wie geplant vorgenommen werden, obwohl in Webb und Figueredo zwei Konföderationspräsidenten entweder fehlen werden oder deren Ruf zumindest massiv beschädigt ist. Die Frage ist, ob sich innerhalb des Weltverbandes nun eine Opposition bilden kann, die an Blatters Thron wirklich rütteln kann und vor allem will.

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Die Reaktionen:

Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger sieht die Ursachen für den FIFA-Skandal im Aufbau des Weltverbandes. "Das ist ein großer Sumpf", sagte der aktuell noch im FIFA-Exekutivkomitee sitzende Zwanziger der "Rheinischen Post": "Das Problem ist nicht damit erledigt, dass man Joseph Blatter als Präsident verhindert. Der Fehler liegt im System der FIFA. Es können sich zu viele bedienen."

Dennoch sei er aber "froh, dass endlich etwas passiert", betonte der Jurist weiter. Im Fall der umstrittenen Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar fordert Zwanziger weitreichende Ermittlungen: "Auch diesbezüglich muss es intensive Untersuchungen geben. Es darf nichts unter den Teppich gekehrt werden."

Kurz vor Blatter-Wahl 
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Die Mitglieder des Weltverbandes müssen sich wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit verantworten. Video

Wolfgang Niersbach reagierte bestürzt auf den Skandal. "Es ist schockierend und schädlich für den gesamten Fußball, was sich in Zürich abspielt", sagte der DFB-Präsident: "Es wäre erschütternd, wenn sich die im Raum stehenden, schweren Vorwürfe gegen Mitglieder der FIFA als richtig herausstellen. In der UEFA werden wir angesichts dieser Vorkommnisse beraten, wie wir uns auf dem bevorstehenden FIFA-Kongress verhalten."

Auch Joseph Blatters Herausforderer meldete sich zu Wort. "Es ist ein trauriger Tag für den Fußball", zitierten verschiedene Medien Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien, dem bei der FIFA-Präsidentschaftswahl praktisch keine Siegchancen eingeräumt wurden. Nach dem Beben sieht die Welt ganz anders aus. Weitere Reaktionen finden Sie hier.

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