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FIFA-Skandal: Blatter-Rücktritt hinterlässt viele Fragen

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Nach Blatter-Rücktritt  

Viele Fragen, noch wenig Antworten bei der FIFA

03.06.2015, 16:58 Uhr | sid, dpa

FIFA-Skandal: Blatter-Rücktritt hinterlässt viele Fragen. Es bleiben viele Fragen: Nach Sepp Blatters Rücktritt bedarf es bei der FIFA einer Neuordnung. (Quelle: AP/dpa)

Es bleiben viele Fragen: Nach Sepp Blatters Rücktritt bedarf es bei der FIFA einer Neuordnung. (Quelle: AP/dpa)

Das Ende der Ära Joseph Blatter wirft Fragen nach der Zukunft des Fußball-Weltverbandes (FIFA) auf. Doch der Rücktritt des Schweizers bietet plötzlich die Chance zu einer gravierenden Neuordnung. Der Weg dorthin dürfte allerdings schwierig sein. Vor allem, weil noch viele Antworten ausstehen.

Alles fängt mit dem Punkt an, warum Blatter doch plötzlich seinen Rückzug angekündigt hat. Die Motive des FIFA-Dauerregenten sind unklar. der 79-Jährige selbst spricht von der "Liebe zur FIFA". Seine Tochter Corinne meint, ihr Vater wolle die Familie vor weiteren Angriffen schützen.

Doch über allem schweben weiter die Berichte aus den USA, das FBI sei auch gegen Blatter aktiv gewesen. Solche Ermittlungen der US-Behörde wären ein harter Schlag für den Schweizer. Sein Plan, die FIFA noch bis zum Sonderkongress zu führen, könnten hinfällig werden.

Könnte eng für Blatter werden

"Offensichtlich gibt es eine 'smoking gun' (einen eindeutigen Beweis, d. Red.) oder Ähnliches", vermutete der englische Verbandsboss Greg Dyke. Offiziell wird Blatter zwar noch auf keiner Liste von Verdächtigen der US-Bundesbehörden geführt, die seit Monaten wegen des Verdachts auf Geldwäsche und der Bildung kriminellerer Vereinigungen ermitteln. Laut US-Medien wird sich das aber bald ändern - weil zu viele seiner ehemaligen engsten Vertrauten schon ins Netz gegangen sind.

In der Schweiz sitzen die ehemaligen FIFA-Vizepräsidenten Jeffrey Webb (Kaimaninseln) und Eugenio Figueredo (Uruguay) in Auslieferungshaft, Interpol lässt nach dem Ex-Vize Jack Warner (Trinidad und Tobago), und Ex-Exko-Mitglied Nicolás Leoz (Paraguay) fahnden.

Dazu kommt der gesundheitlich angeschlagene "Whistleblower" Chuck Blazer, früher auch Mitglied im Exekutivkomitee. Sitzen diese bald alle in den Verhörzimmern des FBI und der US-Staatsanwaltschaft, könnte es extrem eng werden für Blatter.

"Rennen, wer zuerst auspackt"

"Jetzt, wo die Leute sich selbst retten wollen, gibt es möglicherweise ein Rennen, wer zuerst gegen Blatter auspackt", zitierte der US-Fernsehsender ABC News eine Quelle aus Ermittler-Kreisen. In seinen 40 Jahren bei der FIFA war Blatter, der am Dienstag gut 100 Stunden nach seiner Wiederwahl in einer knappen Erklärung seinen Rücktritt angekündigt hatte, allerdings noch nie belangt worden. Nie konnte ihm eine direkte Verbindung zu all den Skandalen nachgewiesen werden.

Im einem zweiten Ermittlungsverfahren, dem der Schweizer Justiz zur WM-Vergaben 2018 und 2022, laufen offenbar die Auswertungen der Zeugenbefragungen der Wahlmänner. Ergebnis offen. Doch eine Neuvergabe der Turniere, von vielen Seiten gefordert, hat aktuell keine rechtliche Grundlage.

Ändern könnte sich die Situation, wenn die Schweizer Justiz belastendes Material findet. Gegen Blatter. Gegen seinen Generalsekretär Jérome Valcke oder einen Wahlmann von 2010. Zumindest untersucht auch das FBI einem Insider zufolge auch die WM-Vergabe an Russland und Katar. Die Nachforschungen gingen über das Korruptionsverfahren hinaus.

Wie geht es bei der FIFA weiter?

Mehr denn je stellt sich die Frage, wie es bei der FIFA weitergeht. So will Blatter bis zu seinem Abschied noch manche Reform anstoßen, die er bislang nicht forcierte - inklusive einer Amtszeitbeschränkung für seinen Nachfolger und einer Neuordnung des Exekutivkomitees. Böse Zungen könnten meinen: Er konnte das Spiel nicht gewinnen, aber seinen Nachfolgern symbolisch den Rasen kaputt treten.

Bis zum außerordentlichen Wahlkongress wird noch einige Zeit vergehen, auch wenn sich Wolfgang Niersbach ("Ich würde ganz klar dafür eintreten, diesen Prozess zu beschleunigen") einen früheren Termin wünscht. Das Exekutivkomitee - mit dem DFB-Chef - tagt offiziell erst wieder am 24. und 25. September. Das Gremium muss den Sonderkongress einberufen. Dann sind laut FIFA-Statuten noch vier Monate zur Vorbereitung notwendig. Spätestens im März 2016 wird der außerordentliche Wahl-Kongress also dann angesetzt werden.

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Mehrere Kandidaten

Doch wer könnte Nachfolger von Blatter werden? Die Spekulationen laufen jedenfalls längst. Der am vergangenen Freitag geschlagene Prinz Ali bin al-Hussein will es auch nochmal versuchen, kann dann aber wohl nicht mehr mit europäischer Wahlhilfe rechnen.

Heißer Kandidat ist der Multifunktionär Scheich Ahmad al Fahad al Sabah aus Kuwait - ein gewiefter Machtmensch. UEFA-Präsident Michel Platini will sich wieder einmal nicht frühzeitig festlegen.

Mehr oder weniger ernstzunehmende Bewerbungen kommen zudem aus allen Ecken der Welt. Etwa von Ex-Star Zico bis zum Südkoreaner Chung Mong Joon (Manager bei Sponsor Hyundai), der allerdings an der WM-Wahl 2010 beteiligt war. In Venezuela wünscht sich der Staatschef seinen Kumpel Diego Maradona als kommenden FIFA-Herrscher.

Nachfolger hat viel Arbeit vor sich

Niersbach traut Michael van Praag unterdessen die Blatter-Nachfolge zu. Der niederländische Verbandschef könne das Amt angesichts "seiner beruflichen Erfahrung und seiner Seriosität" übernehmen, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Berlin. Van Praag hält sich eine Kandidatur zumindest offen.

Der DFB-Präsident selbst erklärte, nicht als möglicher FIFA-Chef zur Verfügung zu stehen: "Meine Priorität ist ganz klar, da brauche ich die Position nicht zu ändern, der deutsche Fußball", sagte Niersbach.

Wer es am Ende auch wird, Blatters Nachfolger hat einen Berg Arbeit vor sich. "Wir mussten feststellen, dass die FIFA bis in die höchsten Ebenen korrupt ist", sagte US-Justizministerin Loretta Lynch, die in den vergangen Jahren als Oberstaatsanwältin im New Yorker Ost-Distrikt tief im FIFA-Schmutz gegraben hat, der "FAZ": "Jedes Mal, wenn die FIFA nach internen Untersuchungen korrupte Funktionäre abgesetzt hat, wurden sie durch andere ersetzt, die genau in derselben Art und Weise weitermachten." Dies künftig zu verhindern, muss der erste Ansatz sein.

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Der gerade erst im Amt bestätigte FIFA-Präsident war am Dienstag überraschend zurückgetreten. Video

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