Startseite
Sie sind hier: Home > Sport > Fussball >

Jetzt spricht der Kreisliga-Ball

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Gespräch mit einem unverzichtbaren Protagonisten  

Kreisliga-Ball: "Das war ein absolut irrer Flug"

24.06.2015, 10:55 Uhr | t-online.de

Jetzt spricht der Kreisliga-Ball . Ohne ihn kein Spiel: der Ball.   (Quelle: imago/Claus Bergmann )

Ohne ihn kein Spiel: der Ball. (Quelle: Claus Bergmann /imago)

Ohne ihn geht gar nichts. Weder in der Bundes- noch in der Kreisliga. Er muss einfach dabei sein: der Ball! Wir haben uns auf seine Spur begeben und mit einem Vertreter dieser wichtigen, aber sonst eher verschwiegenen Spezies "gesprochen", einem Kreisliga-Ball. Im Interview spricht er – leicht widerwillig – über sein Gewicht, nennt seine Lieblingsplätze auf dem Sportgelände und erinnert sich an den schönsten Moment der Saison.

t-online.de: Es ist Sommerpause. Ist es momentan etwas ruhiger bei Ihnen?
Ball: Meine Kollegen aus der Bundesliga haben die Saison ja schon lange ausrollen lassen. Bei mir in den unteren Ligen waren bis vor kurzem noch Relegationsspiele.

Und Sie waren im Einsatz?
Selbstredend. In der Relegation, wenn sich eine ganze Saison in 90 Minuten entscheidet, werden nur die erfahrensten Bälle aufs Feld gelassen.

Ohne Sie und Ihre Kollegen geht generell nichts.
Die Herren Eckfahnen hören das nicht gern, aber es stimmt: Wir sind unverzichtbar, im WM-Finale genau wie in der Kreisliga C. Nicht ohne Grund tauchen wir beim DFB schon unter "Regel 2" auf. Auf vieles andere kann man zur Not verzichten

Wobei ein Spiel ohne Tore auch nicht so toll wäre.
Ja, das ist korrekt. Ich male mir lieber nicht aus, wo ich hinfliegen würde, wenn es keine Tore, vor allem keine Netze, geben würde.

Erzählen Sie etwas über sich. Wo ist Ihr Einsatzgebiet?
Ich bin in der Kreisliga aktiv. Schon seit vielen Jahren.

Wo genau?
Das spielt keine Rolle. Wir nehmen uns nicht so wichtig. Wir sind immer am Fuß, verrichten unseren Dienst – und damit ist auch gut.

Sie sind also ein Vertreter der alten Ballschule?
Genau. Ich bin eher der traditionelle Typ Ball. Nicht so quietschbunt wie die jungen Kollegen heute. 

Wie viel wiegen Sie eigentlich?
Junger Mann, jetzt werden Sie mal nicht unverschämt.

Wir tippen auf irgendwas zwischen 410 und 450 Gramm.
Sehr witzig. Natürlich liegt mein Gewicht in diesem Rahmen. Sonst wäre ich ja nicht zugelassen. Das gilt auch in den unteren Klassen. Es möchte niemand mit einer Art Medizinball oder einem Luftballon spielen.

Ist Ihnen Ihr Aussehen wichtig?
Halbwegs vorzeigbar will ich schon sein. Ich lege wie gesagt keinen Wert auf Leuchtfarben, aber mein Äußeres sollte in Ordnung sein, nicht mit Dreck oder Gras bedeckt. Zum Glück pflegt mich unser Teambetreuer Manni mit viel Hingabe, ich kann mich wirklich nicht beklagen.

Wie sieht diese Pflege aus?
In erster Linie muss ich nach dem Einsatz gut abgewaschen und danach getrocknet werden. Es gibt nichts Schlimmeres als kalt und nass im Regal zu liegen. Von Zeit zu Zeit tut mir auch neue Luft ganz gut.

Sind Sie schon mal irgendwo gelandet, wo es Ihnen gar nicht behagt hat?
Mal? Ich bin ein Kreisliga-Ball. Hier sind keine Ronaldos aktiv, die auf 70 Meter Entfernung einen Bierdeckel treffen, hier wird ehrlicher Fußball gearbeitet.  Ich lag schon im Feld, in Vorgärten, im angrenzenden Bach, auf der Bundesstraße…

Bundesstraße klingt gefährlich.
Ja, das war nicht ohne. Zum Glück spielen wir immer sonntags, wenn die Straße kaum befahren ist. Ganz gut gefällt es mir auf dem Dach des Vereinsheims. Da hat man einen netten Überblick und kann sich erholen. Denn auch bei mir ist ab und zu die Luft raus.

Werden Sie manchmal vergessen?
Einmal. Da musste ich auf dem Dach übernachten. Manni hatte frei und sein Vertreter hat nicht an mich gedacht. Ist eh ein bisschen balla-balla, der Typ. War aber Sommer, also nicht so schlimm. Ansonsten achtet Manni  darauf, dass wir alle nach dem Training und den Spielen wieder eingesammelt werden.  Wir gehören ja nun wirklich zum Inventar. Und ich will nicht mit meinen Verwandten tauschen. Nehmen Sie zum Beispiel Volleyball. Da legen es die Spieler drauf an, den Ball volle Lotte auf den Boden zu donnern. Immer und immer wieder. Na vielen Dank auch, das wäre nichts für mich.

Sie werden aber auch nicht immer gestreichelt.
Manchmal habe ich mehr Angst um denjenigen, der mich führt als um mich selbst. Ich will ja nicht schuld sein, wenn jemand über mich stolpert oder sich verletzt, weil er in den Rasen tritt statt mich zu treffen. Einige meiner Kumpels sind in der Bundesliga oder im Europapokal tätig. Ist natürlich eine feinere Klinge. Ich sage denen immer: Jungs, schön und gut, wenn ihr von 70.000 Leuten gesehen werdet, aber bei mir ist es auch nett. So persönlich. Ich trage zum Beispiel die Aufschrift „1. M.“ – das steht für „Erste Männer“.  Und wir haben auch ein paar Spieler, die sehr gut mit mir umgehen können.

Nennen sie doch mal Ihre schönste Erinnerung an die Saison.
Wir lagen gegen den Tabellenführer 2:3 zurück. Kurz vor Schluss gab es Freistoß. Da hat mich unser Mittelfeldregisseur aus 25 Metern links oben in den Winkel gezirkelt. Ein grandioses Gefühl, ein absolut irrer Flug. Ich habe gleich gemerkt, dass ich im Tor lande. Zum Torwart habe ich noch gemeint: "Du kriegst mich nicht, mein Lieber."

Das ist aber nicht fair.
War ja nur ganz leise. Nach dem Tor hat mich unser Stürmer übrigens vor Freude 30 Meter  in die Luft geschossen. Leider bin ich auf einem Baum gelandet. Ziemlich weit oben. Aber egal, wir hatten den einen Punkt gerettet. Und Manni hat mich dann runtergeschüttelt.

Das Interview führte Sebastian Schlichting

 

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Die besten Videos des Jahres 2016 
Passant entlarvt angeblichen Beinamputierten

Misstrauisch werden die vermeintlichen Beinstümpfe befühlt. Video

Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de
Sport von A bis Z

Anzeige
shopping-portal