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WM-Affäre: Wolfgang Niersbach sorgt für neue Fragezeichen

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"Kronzeuge" Beckenbauer  

Nach PK: Niersbachs Auftritt sorgt für neue Fragezeichen

22.10.2015, 18:01 Uhr | sid

WM-Affäre: Wolfgang Niersbach sorgt für neue Fragezeichen. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach schildert seine Sicht zur WM-Affäre.  (Quelle: dpa)

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach schildert seine Sicht zur WM-Affäre. (Quelle: dpa)

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat in der WM-Affäre mit einer sonderbaren Erklärung für die ominöse Millionen-Zahlung die Flucht nach vorne angetreten. Laut den Angaben des angeschlagen wirkenden DFB-Bosses waren die 2005 an den Weltverband FIFA gezahlten 6,7 Millionen Euro lediglich eine Rückzahlung eines Darlehens des früheren Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus.

Dieses Darlehen habe der inzwischen verstorbene Franzose den Machern der WM 2006 in Deutschland bereits 2003 gewährt. Es sollte als Absicherung eines späteren Zuschusses der FIFA zu den Organisationskosten dienen.

Den Betrag habe Louis-Dreyfus selbst damals direkt nach Zürich überwiesen. Korrupte Vorgänge um die WM-Vergabe schloss Niersbach erneut aus. 

DFB-Boss lässt viele Fragen offen

"Es ergeben sich Fragezeichen, die sehe ich auch", sagte Niersbach. Kategorisch schloss der 64-Jährige jedoch nochmals jegliche Korruption "in der Operation WM 2006" aus.

WM-Affäre 
DFB-Präsident Niersbach stellt sich der Presse

In der DFB Zentrale in Frankfurt versuchte er, die dubiosen Zahlungen an die Fifa zu erklären. Video

Auf der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz blieb Niersbach Antworten auf nunmehr noch drängender erscheinende Fragen häufig schuldig. "Ich weiß es nicht", sagte er während der für ihn quälenden 42 Minuten in der Verbandszentrale in Frankfurt/Main immer wieder, "da bin ich überfragt" oder "darauf habe ich keine Antwort".

Niersbach: Beckenbauer spielt zentrale Rolle

Seine wenigen konkreten Aussagen stützte der 64-Jährige ausschließlich auf ein Gespräch mit dem damaligen WM-Bewerbungs- und Organisationschef Franz Beckenbauer. Der Kaiser soll Niersbach bei einem Besuch des DFB-Chefs am vergangenen Dienstag in Salzburg über die Hintergründe der zumindest ungewöhnlich anmutenden Vorgänge "erst vor kurzem" informiert haben.

Nur in einer Sache war der 64-Jährige nach wie vor absolut sicher: Die WM 2006, sie soll trotz aller Unklarheiten sauber gewesen sein. "Wir haben die WM mit lauteren Mitteln bekommen! Die WM war nicht gekauft, das Sommermärchen bleibt ein Sommermärchen!", beteuerte Niersbach erneut - und das mehrmals. Dies sei die "Kernbotschaft", die unangetastet bleibe. Niersbach warf jedoch weitaus mehr Fragen auf, als er beantworten konnte. Der Druck stieg minütlich, aber über mögliche persönliche Konsequenzen sprach er nicht.

Wirre Erklärung im Fall Dreyfus

Laut Niersbach ist die Deklarierung der an die FIFA gezahlten 6,7 Millionen Euro als Zuschuss für das FIFA-Kulturprogramm demnach eine Legende gewesen.

Angeblich sollte vielmehr Dreyfus auf diesem Weg jenes Geld zurückerhalten, mit dem er den 2002 vermeintlich klammen WM-Machern zur Erfüllung einer dubiosen FIFA-Bedingung für den späteren Zuschuss des Weltverbandes von 170 Millionen Euro unter die Arme gegriffen hatte.

"War in Finanzfragen nur bedingt eingebunden"

Niersbach führte aus, dass das Darlehen stets in den Bilanzen geführt worden sei, konnte in diesem Zusammenhang jedoch nicht erklären, warum zur Rückzahlung des Kredites eine finanzielle Harakiri-Aktion notwendig gewesen sein soll. "In Finanzfragen war ich nur sehr bedingt eingebunden", sagte der damalige Vizepräsident des WM-Organisationskomitees.

Beckenbauer soll Deal eingefädelt haben

Fragwürdig bleibt die angebliche FIFA-Forderung nach einer Vorauszahlung für einen späteren Zuschuss. Diese soll Beckenbauer in einem Vier-Augen-Gespräch mit FIFA-Chef Sepp Blatter ausgehandelt haben.

Zwar hätte der Kaiser seinen Mitstreitern im offenbar noch nicht mit Eigenmitteln ausgestatteten WM-OK angeboten, die deutsche Vorleistung aus seinem Privatvermögen zu leihen, doch Beckenbauers mittlerweile ebenfalls verstorbener Berater Robert Schwan habe sein Veto eingelegt. Daraufhin habe Beckenbauer seine Kontakte zu Louis-Dreyfus genutzt.

WM-Affäre bleibt weiter ein Rätsel

"Franz Beckenbauer kann sich aber nur an sein Gespräch mit Blatter als Ausgangspunkt der Vorgänge erinnern", sagte Niersbach und fügte hinzu: "Ich habe von der Bedingung der FIFA nichts gewusst. Von der Überweisung der 6,7 Millionen Euro an die FIFA in 2005 habe ich im vergangenen Sommer auf merkwürdigen Umwegen erfahren."

Eines ist sicher: Durch Niersbachs Ausführungen ist die WM-Affäre noch nicht aufgeklärt. Weiter nicht einleuchtend ist die Notwendigkeit des Überweisungs-Tricks, ebenso der Verzicht der WM-Macher auf Unterstützungsfragen bei Banken oder gar der Bundesregierung.

Welche Rolle spielt Zwanziger?

Warum Niersbachs Vorgänger Theo Zwanziger als damaliger Finanzchef des WM-OK inzwischen laut nach Aufklärung ruft und seinerzeit bei der "Legenden"-Überweisung mitgeholfen haben soll, ist offen.

Den aufgetretenen Eindruck einer doppelten Buchführung beim WM-OK nannte der DFB-Chef zutreffend "einen zentralen Punkt". Auch die Gründe für seine nicht transparente Behandlung des gesamten Vorgangs ließ Niersbach offen.

Zur Verwendung der Louis-Dreyfus-Millionen durch die FIFA konnte Niersbach keine Aussagen machen. Der Verbandsboss schloss für den DFB und das WM-OK korrupte Vorgänge weiter kategorisch aus. Die WM 2006 bleibe ein Sommermärchen, es seinen keine Stimmen gekauft worden. 

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