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Wolfgang Niersbach "will keinen Märtyrer spielen"

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Abschied aus der DFB-Zentrale  

Niersbach: "Ich will keinen Märtyrer spielen"

11.11.2015, 17:36 Uhr | sid

Wolfgang Niersbach "will keinen Märtyrer spielen". Wolfgang Niersbach fällt der Abscheid vom DFB schwer. (Quelle: imago/Hübner)

Wolfgang Niersbach fällt der Abscheid vom DFB schwer. (Quelle: Hübner/imago)

Der Abschied aus der DFB-Zentrale fiel Wolfgang Niersbach schwer. "Es war hochemotional und bei mir auch mit großer Wehmut", erklärte der zurückgetretene Präsident im Interview mit Sky Sport News HD.

"Ich bin jetzt 27 Jahre hier in die Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt gefahren und habe alle verschiedenen Stationen mitgemacht als Pressechef, Generalsekretär, OK der WM 2006 und zuletzt dreieinhalb Jahre als Präsident. Eine Menge Ereignisse, tolle Erlebnisse, tolle Menschen - ich verhehle nicht, dass auch mir selber ein paar Tränen gekommen sind."

Rücktritt aus freien Stücken

Der 64-Jährige war zwei Tage zuvor als DFB-Präsident zurückgetreten. Niersbach fühlt sich aber nicht als Bauernopfer. "Ich will jetzt auch keinen Märtyrer spielen. An dem Montagabend habe ich mich sogar ein Stück erleichtert und befreit gefühlt, das gebe ich auch gerne zu."

Als er am Montag in die DFB-Zentrale fuhr, dachte Niersbach noch nicht an Rücktritt. "Der Entschluss ist im Laufe des Tages gefallen. Am Montagmorgen als ich hierhin gekommen bin, war ich bereit, weiter zu kämpfen. Dann habe ich weitere Informationen erhalten und den Entschluss gefasst."

Das DFB-Präsidium war unterrichtet worden, dass ein Vertragsentwurf mit den Unterschriften des damaligen WM-OK-Chefs Franz Beckenbauer und des wegen Korruption mittlerweile lebenslang gesperrten Ex-FIFA-Funktionärs Jack Warner aufgetaucht war. Der Inhalt legt den Verdacht eines versuchten Stimmenkaufs nahe.

Weiter im FIFA- und UEFA-Führungszirkel

Von seinen Kollegen im Führungsgremium sei er nicht unter Druck gesetzt worden. "Ich fand es toll, dass kein einziges Präsidiumsmitglied mich zum Rücktritt aufgefordert hat oder der Rücktritt gar erzwungen wurde. Ich habe diese Entscheidung getroffen und man hat sie respektiert."

Als Mitglied in der Exekutive von FIFA und UEFA will Niersbach weiter seinen Einfluss geltend machen. "Es war eine tolle Geste für mich persönlich, dass noch in der Sitzung gesagt wurde, dass ich den DFB auch weiterhin in FIFA und UEFA repräsentieren soll. Dazu bin ich bereit. Genauso bin ich aber gerade vor dem Hintergrund der internationalen Aktivitäten bereit, dass die Dinge hier natürlich national alle aufgeklärt werden müssen."

Keine klare Aussage zur handschriftlichen Notiz

Eine ihm zugeschriebene Handschrift auf einer brisanten Notiz vom November 2004 kann Niersbach weiter nicht zuordnen. "Ich bin dazu nicht in der Lage. Ich hatte gehofft, dass ich überhaupt den Vorgang erkenne. Ich habe es aber nicht zuordnen können", erklärte Niersbach.

Das Dokument soll belegen, dass er bereits weit früher als von ihm eingeräumt von der Rückzahlung eines Millionen-Darlehens via FIFA an den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus erfahren hat. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte das Schreiben am Freitag erstmals ungeschwärzt veröffentlicht und mit einer anderen Schriftprobe abgeglichen.

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