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Fußball: Weltmeister spielen für Freunde in Frankreich

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Fußball  

Weltmeister spielen für Freunde in Frankreich

15.11.2015, 17:43 Uhr | dpa

Fußball: Weltmeister spielen für Freunde in Frankreich. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw wird gegen die Niederlande spielen.

Das Team von Bundestrainer Joachim Löw wird gegen die Niederlande spielen. Foto: Uwe Anspach. (Quelle: dpa)

Hannover/Frankfurt/Paris (dpa) - Die Weltmeister setzen gemeinsam mit Kanzlerin Angela Merkel und Bundesministern ein demonstratives Zeichen gegen den Terror.

Nach der Nacht der Extreme im Stade de France, wo die Fußball-Kollegen der Équipe Tricolore nach der fürchterlichen Anschlagsserie mit mehr als 120 Toten an der Seite der deutschen Mannschaft ausgeharrt hatten, werden Joachim Löw und die Nationalspieler zum Länderspiel gegen die Niederlande antreten.

Der deutsche Fußball, aber auch die Bundesregierung wollen am Dienstag (20.45 Uhr) in Hannover die enge Verbundenheit mit der auf brutale Weise verletzten französischen Nation dokumentieren. Merkel will in die Arena in der niedersächsischen Landeshauptstadt kommen, bestätigte ein Regierungssprecher der dpa. Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, dass sogar das gesamte Kabinett zum Spiel kommen werde.

Grünes Licht für die letzte Partie des Jahres gab der DFB am Sonntag nach internen Abstimmungen der Verbandsspitze mit der Sportlichen Leitung um Löw und Manager Oliver Bierhoff. "Wir wollen als Mannschaft ein Zeichen der Gemeinschaft setzen. Mit dem französischen Volk, mit den Angehörigen der Opfer", erklärte Bierhoff. "Wir wollen als Mannschaft ein Zeichen der Gemeinschaft setzen. Mit dem französischen Volk, mit den Angehörigen der Opfer", äußerte DFB-Interimschef Reinhard Rauball in der DFB-Mitteilung.

Der Niederländische Fußball-Verband begrüßte die Entscheidung. "Wir finden die Entscheidung gut und freuen uns auf das Spiel, auch wenn Freude angesichts der schrecklichen Ereignisse von Paris im Moment sicher der falsche Ausdruck ist", sagte ein KNVB-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

"Es darf nicht sein, dass der Terror siegt", hatte Rainer Koch, der mit Rauball die Übergangsführung des Verbandes bildet, schon zuvor den Kurs vorgegeben. "Nous sommes unis" ("Wir sind vereint"), lautete auch die Botschaft der Mannschaft nach der eiligen Rückkehr von der vorher mit vielen positiven Hoffnungen verbundenen Frankreich-Reise. Sichtlich gezeichnet von der schlaflosen Nacht verließen die Spieler am Samstagmorgen nach der Landung in Frankfurt die von der Lufthansa kurzfristig nach Paris umdirigierten Sondermaschine.

Das "Wir sind vereint" soll vier Tage nach den schrecklichen Erlebnissen während und besonders nach der 0:2-Niederlage im EM-Endspielstadion in Hannover auf dem Rasen und auch auf den Rängen gelebt werden. Ergebnis, Torschützen, Taktik, sogar die Rivalität mit den Holländern sind für 90 Minuten nebensächlich. "Unter diesen Gegebenheiten ist der sportliche Wert des Spiels gegen die Niederlande natürlich niedriger zu bewerten", bemerkte Bierhoff.

Das Team kommt am Montag in Barsinghausen wieder zusammen. Löw reduzierte den Kader jedoch auf 18 Akteure. Jérôme Boateng und Jonas Hector sind angeschlagen. Neben Torwart Manuel Neuer erhalten auch Kapitän Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski eine Pause. Der Schalker Leroy Sané spielt am Dienstagabend in der U21-Auswahl.

Einige aktuelle DFB-Akteure haben zusammen mit Löw eine andere Ausnahmesituation bereits erlebt. Nach dem Suizid von Torhüter Robert Enke am 10. November 2009 war ein Länderspiel gegen Chile abgesagt worden. Die zweite damals geplante Partie gegen die Elfenbeinküste (2:2) wurde jedoch ausgetragen; nach der zuvor erfolgten Trauerfeier für den verlorenen Teamkollegen in Hannover.

Nach dem Heimflug aus Paris hatte Löw seine Spieler nach Hause zu den Familien geschickt. Dort sollten sie "durchatmen und bei ihren Liebsten sein können", wie Bierhoff begründete. Die Geschehnisse am Spieltag, der für das DFB-Team mit einer Bombendrohung im Hotel begonnen hatte, habe alle "schockiert und stark berührt", schilderte der Manager. Die Spieler erhielten besorgte Anrufe von daheim. "Man hat es einfach gemerkt: Auch die Spieler waren sehr ängstlich."

An Schlaf war im Stadion nicht zu denken. "Wir waren betrübt, betroffen, als immer größere Todeszahlen bei uns eintrafen, die ersten Bilder kamen", berichtete DFB-Interimschef Koch im ZDF. Es sei im Kabinenbereich "eigentlich immer stiller geworden".

Stille herrschte auch im Airbus, der Mannschaft, Betreuer und Journalisten heimflog. Erst als das Flugzeug von der Startbahn des Flughafens Charles de Gaulle abhob, sanken einige Spieler erschöpft in einen kurzen Schlaf. "Wir haben uns auf das Stade de France gefreut, auf einen Fußballabend, der für uns alle in einem Alptraum endete", schrieb das Nationalteam in einer Stellungnahme. Eine Antwort, "die diese feigen Anschläge erklären kann", habe niemand in den vielen Gesprächen untereinander gefunden. "Diese Welt ist jetzt wirklich beschissen", urteilte der Dortmunder Mats Hummels.

Die DFB-Führungsriege votierte frühzeitig und einmütig für ein Festhalten an der Partie gegen die Holländer. "Man darf denen, die uns das angetan haben, nicht den Triumph gönnen", sagte Rauball. Löw und Bierhoff kommunizierten auch mit dem Mannschaftsrat.

Die Druckwellen der Detonationen außerhalb des Stadions seien bis auf die Ersatzbank zu spüren gewesen, hatte Rauball in Gesprächen mit Spielern erfahren. Nicht auszudenken, wenn die Terroristen ihr offensichtliches Ziel, auch im Stadion eine Bombe zu zünden, erreicht hätten. "Wir sind alle erschüttert und schockiert", sagte Löw nach dem Abpfiff der Partie, die eigentlich Vorfreude auf das Turnier im kommenden Sommer wecken sollte. Am 10. Juli 2016 wollen Schweinsteiger und Co. im Stade de France Europameister werden.

Freitag, der 13. November 2015, wird für immer in den Köpfen aller Beteiligten bleiben; vom 31 Jahre alten Anführer Schweinsteiger bis zum erstmals im A-Team eingesetzten Youngster Leroy Sané (19). Auf eine Delegation um Löw und Bierhoff wartet schon in vier Wochen die nächste Paris-Reise. Am 12. Dezember will die UEFA an der Seine feierlich die Vorrundengruppen für die EM-Endrunde 2016 auslosen.

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