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Franz Beckenbauer verweigert jede Rechenschaft zur WM-Affäre

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Gedächtnislücken  

Beckenbauer verweigert jede Rechenschaft

25.11.2015, 07:11 Uhr | sid

Franz Beckenbauer verweigert jede Rechenschaft zur WM-Affäre. Franz Beckenbauer geht davon aus, dass "der Zauber bald vorbei ist". (Quelle: dpa)

Franz Beckenbauer geht davon aus, dass "der Zauber bald vorbei ist". (Quelle: dpa)

Auch in seinem zweiten TV-Interview seit Ausbruch der WM-Affäre hat Deutschlands Fußball-Ikone Franz Beckenbauer erneut den Ahnungslosen gegeben und kein Licht in Gestalt konkreter Auskünfte zu den ominösen Umständen des Zuschlages für die Ausrichtung des WM-Turniers 2006 an den DFB gebracht.

Vor dem Bayern-Spiel in der Champions League gegen Olympiakos Piräus kehrte er in seinen Job als TV-Experte zurück und sagte gewohnt locker bei Sky: "Ich habe meine Schuldigkeit getan." Irgendwann sei der Zauber auch mal vorbei.

Wenige Stunden zuvor kam es zu seiner Zweitaussage bei den externen DFB-Ermittlern von der Wirtschaftskanzlei Freshfields. "Es war ein sehr gutes Gespräch, kein Verhör oder sonst etwas. Ich habe alle Fragen beantwortet", sagte Beckenbauer lapidar.

"Keine schwarzen Kassen" 
Beckenbauer: "Ich habe ein reines Gewissen"

Der Kaiser äußert sich bei Sky zu den Vorwürfen um die WM-Vergabe 2006. Video

De Maizière ermahnt alle Beteiligten

Bereits zuvor zog sich der einstige WM-Chef praktisch völlig auf seine ebenso erstaunlichen wie letztlich unergiebigen Angaben aus seinem jüngsten Zeitungsinterview zurück. Ob Bestechung, schwarze Kassen, Stimmenkauf, dubiose Verträge, oder, oder, oder: "Es gibt", betonte der 70-Jährige bei seinem TV-Haussender Sky, "nichts mehr hinzuzufügen. Ich habe ein reines Gewissen".

Bundesinnenminister Thomas de Maizière sind Beckenbauers gesammelte Gedächtnislücken rund um die Hintergründe für die dubiose Millionen-Zahlung der WM-Macher von 2005 an den Weltverband FIFA natürlich zu wenig: "Alle sollten ihr Wissen offenbaren, umfassend und schnell", sagte der CDU-Politiker mahnend.

Beckenbauer gibt sich ahnungslos 

Die Hoffnungen der Verbandsbosse auf erhellende Erkenntnisse durch das Idol zum sogenannten "Beckenbauer-Dokument" dürften jedenfalls fast auf den Nullpunkt gesunken sein. Bei dem Schriftstück handelt es sich um eine 2000 von Beckenbauer vier Tage vor der WM-Vergabe (6. Juli 2000) unterschriebene Vereinbarung mit dem damaligen FIFA-Vorstand Jack Warner vom Kontinentalverband CONCACAF.

Zur Aufklärung der Vorgänge, sagte Beckenbauer, "war ich der Erste, der dazu beigetragen hat, bei Freshfields auszusagen. Ich bin nicht dafür da, jeden Tag eine Pressekonferenz zu geben". Ohnehin sei der damalige Deal auch "kein Papier Warner/Beckenbauer, sondern eine Vereinbarung zwischen dem DFB und der CONCACAF" gewesen.

Nur das Datum stört

Im Zusammenhang mit der Abmachung mit Warner will Beckenbauer bestenfalls Ungeschicklichkeit erkennen: "Das Einzige, was mich stört, ist das Datum. Da könnte man vielleicht den Verdacht einer Bestechung oder eines Stimmenkaufes annehmen", sagte der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft und schob die Klarstellung gleich hinterher: "Was es aber natürlich nicht war."

Der gleichwohl weiterhin bestehenden Erwartung an seine Person zur Preisgabe seines Kaiser-Wissens begegnet Beckenbauer zugleich mit Unverständnis: Da die infrage stehenden Abläufe nunmehr 15 Jahre zurückliegen, "wäre das ein bisschen viel verlangt, noch zu wissen, was ich gesagt habe, was ich unterschrieben und warum".

Kaiserliche Garantie

Nicht verstehen kann Beckenbauer außerdem die durch sein Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" entstandene Verwunderung über seine angebliche Naivität, zahllose Dokumente und sogar auch einen persönlichen Schuldschein über zehn Millionen Schweizer Franken ohne Prüfung blanko unterschrieben zu haben: "Das hat nichts mit Naivität zu tun. Das ist meine Mentalität. Wenn ich jemandem zu 100 Prozent vertraue, bekommt der alles von mir."

Beckenbauer glaubt allerdings, eine Garantie für ausschließlich lautere Methoden beim damaligen Stimmenfang abgeben zu können: "Wenn da schwarze Kassen gewesen wären oder Bestechungsversuche - ich glaube, das hätte ich mitbekommen."

"Ich glaube, langsam reicht es"

Umso höhnischer muss de Maizìere, Koch, Rauball und Co. Beckenbauers Koketterie mit seiner eigenen Ahnungslosigkeit erscheinen: "Ich habe damals so viel unterschrieben - möglich, dass ein Zauberer aus irgendeinem Papierkorb, Safe oder einem Aktenschrank noch etwas herauszaubert. Ich weiß es nicht." Wirklich glaubwürdig wirkte Beckenbauer nur in seinem Schlusswort: "Ich glaube, langsam reicht es."

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