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So scheitert der FC Bayern München mit seinen Talenten

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Gaudino, Green, Kurt und Co.  

So scheitert der FC Bayern mit seinen Talenten

15.01.2016, 07:31 Uhr | mxm, HRZRSN

So scheitert der FC Bayern München mit seinen Talenten. Im Sommer noch im Bayern-Outfit, inzwischen abgegeben: Gianluca Gaudino, Mitchell Weiser und Sinan Kurt (v.li.). (Quelle: imago/Eibner)

Im Sommer noch im Bayern-Outfit, inzwischen abgegeben: Gianluca Gaudino, Mitchell Weiser und Sinan Kurt (v.li.). (Quelle: Eibner/imago)

Der FC Bayern München hat den wohl besten Kader seiner Geschichte. Und doch fehlt seit Jahren ein kleiner, aber feiner Baustein: ein neues Eigengewächs. Die Durchlässigkeit von der Jugend zu den Stars ist aktuell praktisch nicht vorhanden, der Rekordmeister scheitert immer wieder an der Entwicklung seiner Talente. Der letzte Bayern-Bubi, der den Sprung zu den Profis schaffte, heißt David Alaba. Das war 2010.

Die Durststrecke der Talentförderung dauert nun also bereits sechs Jahre an und die Sehnsucht nach einem neuen "Buam" aus den eigenen Reihen wächst stetig - doch der FCB ist nicht in der Lage, diese zu stillen.

Guardiola misslingt "die Aufzucht"

Vor Alaba gelang Thomas Müller und Holger Badstuber der entscheidende Karriere-Sprung an der Säbener Straße. Sie alle profitierten vom Mut zur Jugend des damaligen Trainers Louis van Gaal. Eine Förderleistung, die man dem niederländischen Coach nicht hoch genug anrechnen kann.

Auch Pep Guardiola trat 2013 mit dem festen Willen an, dem Nachwuchs die Tür zum Profifußball zu öffnen. "Wir möchten viele Jugendspieler integrieren, weil wir wissen, dass dort einiges kommen kann", sagte er bei seiner ersten Pressekonferenz in München. Seine Erfahrungen auf diesem Gebiet waren exzellent: 2009 holte der Katalane beim FC Barcelona mit sieben Eigengewächsen die Champions League. In München blieb solch erfolgreiche Jugendarbeit ein nicht erfülltes Versprechen.

Nicht "überragend gut" genug

Das letzte Talent, dessen Weiterentwicklung der FC Bayern zumindest vorerst abgibt, ist Gianluca Gaudino. Vor der Saison wurde er wie auch Sinan Kurt und Julian Green vom Profi-Training verbannt und zur U23-Mannschaft abkommandiert. Nun wechselte der 19-Jährige für eineinhalb Jahre auf Leihbasis zum Schweizer Erstligisten FC St. Gallen.

Ob Gaudino in der eher mittelklassigen Liga zum Topspieler reifen wird, ist zumindest fraglich. Sportvorstand Matthias Sammer fand seinen Fußball einst "einfach nur überragend gut", letztlich dann aber wohl doch nicht überragend gut genug.

Rück- statt Fortschritte

Sonderlob, doch dann knallt die Tür zu: ein sich zuletzt durchaus wiederholendes Muster. So wurde Stürmer-Talent Green von Guardiola ein "wunderbarer" Zug zum Tor attestiert, doch nach seiner WM-Teilnahme mit Kurzeinsatz und Treffer für die USA lieh Bayern ihn vergangene Saison an den Hamburger SV aus. Dort bekam er statt Einsätzen nur Ärger, wurde zur U23 abgeschoben. Nach seiner Rückkehr folgte auch in München die Zurückstufung in die Regionalliga-Mannschaft - mit 20 Jahren, wohlgemerkt.

Als riesiges Talent wurde auch Pierre-Emile Höjbjerg gehandelt. Der jüngste Bundesliga-Spieler der FCB-Geschichte schien 2014 vor dem Durchbruch, als er im DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund groß auftrumpfte und eine taktisch herausragende Leistung zeigte. Doch seitdem scheint seine Entwicklung zu stagnieren. In der Rückrunde 2015 wurde er an den FC Augsburg ausgeliehen, wo er als Leistungsträger Anteil am sensationellen Erreichen der Europa League hatte. Doch für die Bayern war das offensichtlich nicht gut genug, es folgte die nächste Ausleihe zum FC Schalke 04.

Lahm: "Qualität setzt sich immer durch"

Immer wieder wiederholen sie in München, wie fruchtbar eine Ausleihe sein kann. "Für einen jungen Spieler ist es einfach wichtig, zu spielen", begründete jüngst Kapitän Philipp Lahm dieses Modell und verwies auf sein eigenes Gastspiel beim VfB Stuttgart: "Ich habe auch nicht sofort den Sprung geschafft, wurde ausgeliehen, habe dort gezeigt, was ich kann, und wurde dann zurückgeholt." Doch er oder auch Alaba, der bei 1899 Hoffenheim reifen durfte, sind nur die erfolgreiche Spitze.

Auch eingekaufter Nachwuchs startet nicht durch

Nicht nur Spieler aus den eigenen Jugendteams schaffen den Sprung nicht, auch eingekauftem Talent ergeht es ähnlich. Das jüngste Beispiel: Sinan Kurt. Unter großem Wirbel und für drei Millionen Euro wurde er 2014 aus dem Nachwuchsbereich von Borussia Mönchengladbach abgeworben, kam seither aber auf nur 45 Bundesliga-Minuten. Jetzt wechselte der 19-Jährige zu Hertha BSC. Zwar soll Bayern eine Rückkaufoption für zehn Millionen Euro besitzen, doch bei dieser Summe müsste Kurt schon eine außergewöhnliche Weiterentwicklung machen.

In Berlin trifft er Mitchell Weiser wieder. Auch er wurde als 18-jähriges Talent ohne Bundesliga-Spiel gekauft, für 800.000 Euro aus der Jugend des 1. FC Köln. Nach Regionalliga-Spielen, einem halbjährigen Leihauftritt bei Zweitligist 1. FC Kaiserslautern und nur wenigen Kurzeinsätze erhielt Weiser erst mehr Spielzeit, als sein Abschied praktisch klar war. Er wurde an die Hertha verkauft, ist dort nun Stammspieler.

Klubs empfangen Bayern-Absolventen mit offenen Armen

"Weiser macht das bei Hertha sehr gut", sagte Sammer jüngst im Winter-Trainingslager in Katar: "Aus den jungen Spielern aus den eigenen Reihen Bundesliga- oder Zweitligaspieler zu machen, muss unser Anspruch sein." Gemessen daran hat die Bayern-Schule doch einige erfolgreiche Absolventen vorzuweisen.

Der vom 1. FSV Mainz 05 geholte Jan Kirchhoff erlebte in München sportlich eher eine Leidenszeit und ging nun zum FC Sunderland in die Premier League. Eigengewächs Rico Strieder zieht inzwischen die Fäden im Mittelfeld des FC Utrecht in der ersten niederländischen Liga. Emre Can mausert sich bei Jürgen Klopps FC Liverpool zum EM-Kandidaten für Bundestrainer Joachim Löw. Der gebürtige Münchner Diego Contento beackert die linke Seite von Girondins Bordeaux. Alessandro Schöpf landete über den Umweg 1. FC Nürnberg beim FC Schalke 04.

Herkulesaufgabe für Ancelotti

Doch trotz Sammers Worten ist klar, dass es nicht der Anspruch des deutschen Rekordmeisters ist, die eigenen Jugendspieler bei der Konkurrenz unterzubringen. Die Ambitionen sind weitaus größer, das zeigt auch das 70-Millionen-Euro-Bauprojekt im Münchner Norden. Zur Saison 2017/2018 soll hier, nahe der Allianz Arena, das neue Nachwuchsleistungszentrum der Bayern fertiggestellt werden.

"Das ist die beste Nachricht für den Verein. Das ist eine bessere Investition, als zwei Topspieler für viel Geld zu verpflichten", sagte Guardiola bei der Grundsteinlegung im Oktober. Erneut wird es bei ihm allerdings bei den vollmundigen Worten bleiben, die Taten überlässt er zwangsläufig seinem Nachfolger. Den Luxus der neuen Talentschmiede wird voraussichtlich der neue Trainer Carlo Ancelotti genießen dürfen - zusammen mit der dringlichen Herkulesaufgabe, den nächsten Lahm, Müller oder Alaba zu finden.

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