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TSV 1860 München: Hohn, Spott und das Fünkchen Hoffnung

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Die Löwen am Abgrund  

1860: Hohn, Spott und ein Fünkchen Hoffnung

18.02.2016, 12:50 Uhr | t-online.de

TSV 1860 München: Hohn, Spott und das Fünkchen Hoffnung . Wie geprügelte Hunde trotten die Löwen-Spieler nach dem 0:3 bei Union Berlin vom Platz. (Quelle: imago/Contrast)

Wie geprügelte Hunde trotten die Löwen-Spieler nach dem 0:3 bei Union Berlin vom Platz. (Quelle: Contrast/imago)

Von Marc L. Merten

Alles sollte besser werden beim TSV 1860 München im Jahr 2016. Nach zwei Spieltagen im neuen Jahr ist jedem Weiß-Blauen klar: Nichts ist besser geworden. Im Gegenteil. Die Mannschaft stellt einen über 20 Jahre alten Negativrekord ein. Die Fans haben nur noch Spott für ihr Team übrig. Und wäre da nicht die fast ebenso schlechte Konkurrenz, es wäre um die Löwen längst geschehen. So bleibt - was kaum einer für möglich gehalten hatte - doch noch ein Fünkchen Hoffnung auf eine eigentlich unverdiente Rettung.

40 Punkte – von dieser magischen Grenze wird gerne gesprochen, wenn es um den Klassenerhalt geht. Legt man sie im Bundesliga-Unterhaus aktuell als Maßstab an, könnten der MSV Duisburg und der TSV 1860 München eigentlich für die Dritte Liga planen. Nach 21 Spieltagen haben die Zebras zwölf Punkte, die Löwen 14. Wäre nicht ein von einem Tiger trainiertes Team aus Paderborn ähnlich schlecht unterwegs (17 Punkte), wäre das Jaulen der beiden Traditionsklubs längst grenzenlos.

Möhlmanns Erfahrung als Hoffnungsschimmer

Beim TSV 1860 fragt man sich noch immer, wie man in diese Lage geraten konnte. Und wie man wieder rauskommen soll. Die einzige Hoffnung, die verblieben ist, ist die Erfahrung von Benno Möhlmann. Der Trainer-Dino soll es richten, soll Sechzig vor dem Untergang bewahren, vor Liga drei und allen Horror-Szenarios, die damit verbunden sind.

Möhlmann: "Absoluter Wille fehlt"

Doch wenn man den 61-Jährigen aktuell so reden hört, scheint er sich zu fragen, wo er da bloß gelandet ist an der Grünwalder Straße 114 zu Giesings Höhen. "Dieser absolute Zusammenhalt im Team fehlt mir, dieser absolute Wille, sich zu wehren“, sagte der ehemalige Bundesliga-Trainer. Und weiter: "Wir haben das angesprochen. Aber wenn du die Spieler fragst: Warum? Weshalb? Wieso? Dann erntest du nur Achselzucken."

Fünf Liga-Pleiten in Folge

Achselzucken. Eigentlich die Höchststrafe, eigentlich ein Offenbarungseid, eigentlich eine Bankrotterklärung für jedes Team, jeden Spieler, jeden Klub. Genau so, wie der jüngste Versuch scheiterte, den erst dritten Saisonsieg einzufahren. Bei Union Berlin gab es eine 0:3-Packung. Es war die fünfte Liga-Pleite in Folge, die sechste in allen Pflichtspielen. Das gab es zuletzt 1993/94. Kurioserweise stiegen die Löwen damals trotzdem aus der Zweiten Liga in die Bundesliga auf. Nun könnte das Einstellen des Negativrekordes dazu führen, dass er den Abstieg in die Dritte Liga einläutet.

Winter-Aufräumen ohne Wirkung

Dabei hatten die Sechzger im Winter noch einmal alles getan, um dieses Worst-Case-Szenario abzuwenden. Sportchef Oliver Kreuzer hatte fünf neue Spieler geholt. Benno Möhlmann hatte Torhüter Vitus Eicher als Nummer eins abgesetzt und Stefan Ortega zwischen die Pfosten gestellt. Doch auch die Neuen konnten bislang trotz Erstliga-Erfahrung (Sascha Mölders, Levent Aycicek und Maxi Beister sowie Jan Mauersberger und Goran Sukalo) nicht die erhoffte Wende einleiten. Auch, weil mit Sukalo der vielleicht wichtigste Transfer für das defensive Mittelfeld noch verletzt ausfällt.

Zoff zwischen Okotie und Möhlmann

Bislang herausgekommen sind null Punkte und eine in Berlin "ungenügenden Leistung“, wie Kreuzer festhielt. Spielmacher Michael Liendl erklärte sogar, die Spieler in der Offensive hätten "vor dem Tor nicht die nötige Ruhe oder Qualität": eine deutliche Watschn vor allem in Richtung Rubin Okotie, dem besten Torschützen der vergangenen Saison, der seit Monaten in einem Formtief hängt, sich im Winter-Trainingslager mit Möhlmann zoffte und lediglich in vier Spielen der bisherigen Saison treffen konnte. Zu wenig für den Österreicher. Zu wenig für den TSV 1860. Zu wenig, um die Klasse zu halten.

Fans spotten: "Adios 2. Liga Tour"

Das finden längst auch die Anhänger in Weiß und Blau. Sie haben sich mittlerweile einen Spaß gemacht, in regelmäßigen Abständen im Fanblock ein Banner zu hissen, auf dem zu lesen ist: "Adios 2. Liga Tour“. Hohn und Spott für den eigenen Klub? Genau das, und wie! Denn das Transparent ist freilich nicht neu, wurde vielmehr nach dem Bundesliga-Abstieg 2004 angefertigt – als plakative Demonstration der damaligen Aufstiegshoffnungen. Nun findet es Verwendung für die genau gegenteilige Richtung in den Abstieg.

Lachender Drittletzter?

Dass es überhaupt noch Hoffnung gibt, die Löwen könnten – wie in der vergangenen Saison – dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit durch eine erfolgreiche Relegation entkommen, liegt nicht an 1860 selbst. Die Plätze zum direkten Klassenerhalt liegen bereits neun Punkte entfernt. Der SC Paderborn dagegen stümpert unter Trainer Stefan Effenberg ähnlich orientierungslos durch die Zweitliga-Saison, hat nun schon seit neun Spielen nicht gewonnen und seit vier Spielen kein Tor erzielt. Nur drei Punkten liegen die Ostwestfalen vor dem TSV auf Rang 16. Sollte der Bundesliga-Absteiger also nicht ganz schnell die Kurve kriegen, könnten die Löwen doch noch der lachende Drittletzte werden.

Investor Ismaik auf Stippvisite

Dafür müsste aber nun endlich mal ein Sieg her. Dafür kommt am Sonntag ausgerechnet jener Mann eingeflogen und ins Stadion, den in München mittlerweile eigentlich kaum jemand mehr sehen will: Hasan Ismaik wird gegen den VfL Bochum in der Allianz Arena sein. Der Jordanier behandelt seinen Klub seit Monaten wie ein bockiges Kind, das man erziehen muss, mal mit harter Hand, mal mit Zuwendung.

Am Sonntag soll also mal wieder letztere zur Anwendung kommen. Ob es hilft? Das wird man wohl auch daran ermessen können, ob der Investor bis zum Spielende auf seinem Platz bleiben wird. Es ist schon vorgekommen, dass er bei einer Niederlage den Schlusspfiff nicht mehr im Stadion erlebte. In der aktuellen Verfassung der Löwen ein auch für das Spiel gegen Bochum durchaus denkbares Szenario.

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