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So verändert Carlo Ancelotti den FC Bayern

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Neuanfang nach Pep  

So verändert Carlo Ancelotti den FC Bayern

12.08.2016, 09:20 Uhr | t-online.de

So verändert Carlo Ancelotti den FC Bayern.  (Quelle: imago)

Carlo Ancelotti ist ein komplett anderer Trainertyp als sein Vorgänger Pep Guardiola. (Quelle: imago)

Von Mark Weidenfeller

Das Trainingsgelände des FC Bayern an der Säbener Straße wurde in der vergangenen Woche von einem handfesten Skandal erschüttert. Der Trainer der Vorzeige-Profimannschaft genehmigte sich in aller Öffentlichkeit eine Zigarette und ließ sich dabei auch noch vom Boulevard ablichten.

"Hier raucht Carlo Dampfelotti", titelte die "Bild"-Zeitung in großen Lettern und zeigte den neuen Coach des Rekordmeisters, wie er auf dem Balkon des Kabinentrakts genüsslich an einer Fluppe zog. Der Chef sündigt – und alle können es sehen. So etwas hätte es unter Pep Guardiola niemals gegeben.

Ibrahimovic ist voll des Lobes

Es sind Anekdoten wie diese, die zeigen, dass sich beim FC Bayern gerade etwas ändert. Der unnahbare Asket Guardiola ist Vergangenheit, die Gegenwart heißt Carlo Ancelotti. Der gemütliche Lebemann aus Reggiolo in der Emilia-Romagna, der die deftige Küche seiner Frau liebt, einen eigenen Bauernhof besitzt und lieber einen Teller Pasta zu viel als zu wenig isst, hat neben einer ganzen Menge Fußball-Kompetenz auch so etwas wie Herzlichkeit mit in die bayerische Landeshauptstadt gebracht. Es menschelt wieder in der großen Bayern-Familie.

Im Gegensatz zu Guardiola, der nur mit einigen wenigen Profis ein gutes Verhältnis gehabt haben soll, begrüßt Ancelotti seine Spieler vor dem Training mit Handschlag. Der Italiener hat stets ein offenes Ohr für Probleme oder persönliche Anliegen und legt großen Wert auf ein gutes Binnenklima. "Er weiß einfach, wie man einen Menschen behandelt", lobte Superstar Zlatan Ibrahimovic, der gemeinsam mit dem 57-Jährigen Paris St. Germain 2013 zur französischen Meisterschaft führte. "Niemand ist ihm jemals böse. Er ist nicht nur dein Trainer, er ist dein Freund. Er ist unglaublich."

Eindrucksvolle Erfolgsbilanz

Mit diesem besonderen Führungsstil, den Ancelotti in seinem Buch "Quiet Leadership. Wie man Menschen und Spiele gewinnt" beschreibt, demonstriert er Zusammenhalt und gegenseitiges Vertrauen – und wird dafür von seinen Spielern in steter Regelmäßigkeit belohnt. Vor seiner Zeit in der Bundesliga hat der neue Bayern-Coach bereits in vier großen europäischen Ligen gearbeitet und dort mit jedem seiner Vereine mindestens einen nationalen Titel geholt. Dreimal gewann er zudem die Champions League, mit Italien wurde er 1994 als Co-Trainer Vizeweltmeister.

Eine Super-Super-Bilanz, die man nicht zufällig erreicht. Eine Super-Super-Bilanz, die man sich allerdings auch nicht nur dank nettem Händeschütteln und Nikotinkonsum in den Lebenslauf schreiben darf. Bei aller Laissez-faire-Einstellung abseits des grünen Rechtecks hat Ancelotti eine klare Vorstellung davon, was auf dem Rasen passieren soll.

Ancelotti variiert im Spielsystem

Anders als Guardiola versteht sich Ancelotti jedoch nicht als Erneuer oder Revolutionär des Fußballs. Der frühere Mittelfeldspieler hat vielmehr das vorhandene Spielermaterial der Bayern seit Monaten analysiert und wird nun die bereits bestehenden Automatismen nutzen und weiterentwickeln.

Erster sichtbarer Versuch: Auf der USA-Reise ließ er neben dem bekannten 4-3-3-System mit zwei schnellen Außen und einem kompakten, spielstarken Mittelfeld auch immer wieder im 4-4-2 mit zwei echten Stürmern spielen. Franck Ribéry und Youngster Julian Green probten das, was im Ernstfall Thomas Müller und Robert Lewandowski umsetzen könnten. Der Trend geht zum Zweitsystem.

"Die Mannschaft ist es gewohnt, im 4-3-3 zu spielen. Aber wir können auch mal auf ein 4-4-2 wechseln", bestätigte Ancelotti der "Sport Bild". "Das kann eine gute Defensiv-Variante sein." Der Trainerfuchs liebt es, seine Taktik dem jeweiligen Gegner anzupassen und dafür sogar mal den unter Guardiola heiligen Ballbesitz abzugeben. Für solche Momente hat er gerne einen Plan B in der Tasche, an dem er schon jetzt arbeitet. Bei offensiv ausgerichteten Mannschaften soll es hinten mehr Stabilität, gleichzeitig vorne dafür aber mehr Power geben.

Ribéry: "Genau der richtige Trainer für uns"

Eine Variation, die stark an das Champions-League-Halbfinale 2014 in München erinnert, als Ancelotti mit Real Madrid überraschend auf Konterfußball setzte und die Bayern mit 4:0 aus dem Wettbewerb schoss. Ein denkwürdiger Abend, mit dem sich Ancelotti aber bereits damals jede Menge Anerkennung bei den Spielern des FC Bayern erarbeitete. "Er hat große Qualität und Erfahrung", betonte Franck Ribéry auffällig offenherzig. "Er ist genau der richtige Trainer für uns. Mit ihm können wir Großes schaffen."

Der FC Bayern hat sich nach drei Spielzeiten unter Taktik-Nerd Guardiola also wieder einmal grundlegend verändert. Ancelotti geht auf die Spieler zu, stärkt das Gesamtfüge und passt sich und seine Vorstellungen an.

Ein Konzept, das Erfolg verspricht, wie auch Toni Kroos bestätigt. Der Weltmeister von 2014 hat unter beiden Trainern jeweils eine Saison gespielt und eine dezidierte Meinung entwickelt: "Von der Spielidee her war Pep der beste Trainer, den ich je hatte", sagte er der "Zeit". "Ancelotti konnte aber die Erfolgsbedingungen am besten mixen: die taktische Idee und das Menschliche. Als er ging, waren alle traurig." Geschichten von Tränen nach Guardiolas Abschied aus München sind hingegen nicht überliefert.

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