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Olympia 2016: Deutsche Fußballer beeindrucken im Maracana

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Neymar-Aussage sorgt für Wirbel  

Trotz Pleite: DFB-Team beeindruckt im Maracana

21.08.2016, 09:46 Uhr | t-online.de

Olympia 2016: Deutsche Fußballer beeindrucken im Maracana.  (Quelle: imago/Xinhua)

Brasiliens Superstar Neymar war für den entscheidenden Elfmeter im Sieg gegen Deutschland verantwortlich. (Quelle: Xinhua/imago)

Aus Rio de Janeiro berichtet Johann Schicklinski

Kein Hollywood-Drehbuchautor hätte es sich besser ausdenken können: Ausgerechnet Neymar! Dem Superstar war es vorbehalten, den finalen Versuch seiner Mannschaft zum 5:4 (1:1, 1:0) im Elfmeterschießen gegen die deutsche Olympia-Auswahl in die Maschen zu setzen und sein Land somit zur so ersehnten Goldmedaille im Olympischen Fußball-Turnier zu schießen.

Danach folgte im Maracana-Stadion zu Rio de Janeiro eine Eruption des grenzenlosen Jubels. Auf den Tribünen und bei den Spielern, von denen ein Riesendruck abfiel. Und natürlich bei Neymar: Der große Hoffnungsträger hat damit seine nationale Mission, die "kleine Selecao" zum Olympiasieg zu führen, erfüllt. Nach dem Erfolg sorgte Neymar für weitere Schlagzeilen - er legte das Kapitänsamt nieder: "Es war mir eine Ehre, aber ab heute werde ich kein Kapitän mehr sein", sagte er gegenüber SportTV.

Für die DFB-Bubis bleibt der - zugegebenermaßen schwache - Trost, dass ein bis auf die letzte Sekunde dramatisches Endspiel eigentlich keinen Verlierer verdient hatte. Die Mannschaft von Trainer Horst Hrubesch hat ein Turnier gespielt, wie es ihr vorab niemand zugetraut hat. Die Silbermedaille ist ein Riesenerfolg und glänzt golden, wenn sie den deutschen Spielern im ersten Moment auch wie eine Art Trostpreis vorkommen mag.

"Nicht Gold verloren, sondern Silber gewonnen"

Und genau diesen Standpunkt vertrat DFB-Coach Hrubesch nach der Partie. "Es ist trotzdem kein bitterer Moment. Die Jungs haben hier Überragendes geleistet. Wir gehen aus dem Olympia-Turnier als Gewinner, nicht als Verlierer. Ich bin rundum glücklich, auch wenn ich natürlich gerne Gold gehabt hätte", sagte die Trainer-Ikone und ergänzte: "Es war traumhaft, was wir hier alles erlebt haben." Für Hrubesch war es sein letztes Spiel, er beendet seine Trainerkarriere nach dem Turnier.

Ähnlich sah es Joachim Löw. "Unsere Mannschaft hat nicht Gold verloren, sondern Silber gewonnen. Das ist ein riesiger Erfolg, zu dem man nur gratulieren kann", ließ der Bundestrainer in einem Statement verlauten.

Petersen der große Pechvogel

Aus deutscher Sicht hieß der große Pechvogel Nils Petersen. Der Angreifer vom SC Freiburg scheiterte mit dem fünften und letzten deutschen Elfmeter am brasilianischen Keeper Weverton, während beim Gastgeber alle fünf Schützen trafen. "Jeder der schon mal Fußball gespielt hat weiß, dass das kein schönes Gefühl ist", sagte der Stürmer zu seinem Fehlversuch: "Silber ist trotzdem super. Die Jungs und der Trainer haben mich getröstet."

Hrubesch nahm den Fehlversuch indes locker: "Ich habe ja bei der WM 1982 gegen Frankreich meinen Elfer reingemacht", sagte er mit einem Augenzwinkern. Und: "Elfmeterschießen ist immer auch Glückssache."

"Dein Stündlein hat geschlagen"

In den brasilianischen Medien war das Finale zur großen Revanche für das 7:1 im WM-Halbfinale 2014 gegen Gastgeber Brasilien hochstilisiert worden. Dass von den 28 Profis, die damals bei der historischen Partie in Belo Horizonte auf dem Platz standen, nun in Rio kein Einziger mitwirkte? Für die Presse im Olympia-Gastgeberland ein zu vernachlässigender Fakt. Dafür gaben sie sich umso reißerischer: Eine Zeitung forderte vorab martialisch "Rache für 2014", ein anderes Blatt titelte: "Hallo Deutschland, du kannst dich darauf gefasst machen, dein Stündlein hat geschlagen."

Dementsprechend emotional aufgeladen war die Atmosphäre. Das legendäre Maracana war bereits gut zwei Stunden vor Spielbeginn gefüllt, die Brasilianer machten einen Höllenlärm. Im Fokus stand Neymar: Der Angreifer wurde schon vor dem Spiel mit "Ole, Ole, Neymar"-Sprechchören gefeiert. Als er per Freistoß in der 27. Minute zur Führung traf, glich die Arena einem Tollhaus. Nach seinem Treffer ließ sich der Edeltechniker fast so lange feiern wie alle sieben deutschen Torschützen von 2014 zusammen.

Meyer lässt das Maracana verstummen

Doch die junge deutsche Elf zeigte sich unbeeindruckt. Sie traf im ersten Durchgang drei Mal Aluminium und glich in der zweiten Halbzeit durch eine schöne Direktabnahme von Max Meyer (59.) zum 1:1 aus. Das erste Gegentor für Brasilien im gesamten Turnier. Der Schalker brachte in diesem Moment das Maracana zum verstummen.

Die Brasilianer machten zwar über 120 Minuten das Spiel, die Deutschen blieben aber bei Kontern stets gefährlich. Bedenkt man, dass das Finale ein Kräftemessen einer brasilianischen Auswahl mit Stars wie Neymar, Renato Augusto, Marquinhos oder Gabriel Jesus und einer deutschen Elf, die das Turnier mit einem besseren Rumpfkader angetreten hatte, war, ist die Leistung der DFB-Jungs gar nicht hoch genug einzuschätzen.

Schwierige Situation angenommen

Schließlich war kaum ein Bundesliga-Verein dazu bereit, während der Saisonvorbereitung Spieler für die Olympia-Auswahl herzugeben. Doch Trainer Hrubesch und DFB-Sportdirektor Hansi Flick haben sich nicht beklagt, sondern die Umstände angenommen und sich der Situation gestellt. So ging es mit einem Aufgebot nach Brasilien, dem niemand viel zutraute. In der Vorrunde drohte das vorzeitige Aus, in der K.-o.-Runde spielte das Team plötzlich befreit auf und errang glanzvolle Siege. Nun steht am Ende Platz zwei und Silber - ein überragender Erfolg.

"Wir haben allen Kritikern Zuhause gezeigt, dass wir eine gute Mannschaft sind", sagte Abwehrspieler Niklas Süle. "Wir haben sehr viel richtig gemacht bei diesem Turnier." Matthias Ginter wertete den zweiten Platz indes auch als großen Erfolg: "Wenn uns das vor dem Turnier jemand gesagt hätte, hätten wir das sofort genommen."

Der Fluch ist beendet

Für die Brasilianer war der Triumph indes eine erste, zarte Versöhnung mit dem eigenen Fußball. Selbst wenn es "nur" gegen die deutsche Olympia-Auswahl war, bei der Spieler wie Joshua Kimmich, Leroy Sané, Julian Weigl und viele andere gar nicht erst mit nach Brasilien gereist waren.

Seit dem 1:7 gegen Deutschland steckte die einst so stolze Fußball-Nation im Dauertief. Ein Fluch läge über der Selecao, sagten nicht wenige in Brasilien. Bei der Copa America 2015 setzte es ein Viertelfinal-Aus gegen Paraguay. Bei der diesjährigen Jubiläumsausgabe des Kontinentalturniers war sogar nach der Vorrunde Schluss - in einer Gruppe mit Ecuador, Peru und Haiti. Für das Selbstverständnis des Rekord-Weltmeisters ein Fiasko, die Fans hatten zuletzt nur Spott und Häme übrig.

Neymar dreht erst am Ende auf

Umso wichtiger nun der Erfolg. Ein Land, dem es ohnehin nicht gut geht, braucht Siege und Helden. Dieser Auftrag war schon vor dem Turnier Neymar zugedacht. Doch der Hoffnungsträger blieb lange blass. Nach den Nullnummern gegen Südafrika und den Irak schlug die Begeisterung in Spott und Häme um. Nicht nur für Neymar, sondern auch für seine Mannschaftskollegen. Erst, als die "kleine Selecao" in der K.-o.-Runde endlich zu Form und Spielfreude fand und auch Neymar aufdrehte, schlug das Pendel wieder um. Brasilianer sind schnell unzufrieden und werden dann gerne sarkastisch, genauso schnell sind sie aber auch zu euphorisieren.

Als der große Hoffnungsträger mit dem finalen Torschuss dieses olympischen Fußballturniers für die Erlösung und anschließend eine Riesenparty in ganz Brasilien sorgte, kochte diese Euphorie schon wieder am Siedepunkt.

Und auch Neymar selbst dürfte seinen Frieden gemacht haben. Schließlich fehlte der Superstar 2014 gegen Deutschland. Viele Brasilianer sind heute noch überzeugt, dass die Partie mit Neymar einen anderen Ausgang genommen hätte. Doch der Stürmer war im Viertelfinale gegen Kolumbien (2:1) übel gefoult worden und hatte sich einen Wirbelbruch zugezogen. Die tragischen Bilder, wie Neymar mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Tränen das Debakel gegen die DFB-Elf miterlebte, ließen wohl niemanden kalt. Mit dem Olympia-Gold-Schuss sorgte Neymar nun dafür, dass diesmal Jubelbilder um die Welt gehen.

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