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WM-Affäre: Strafverfahren gegen Beckenbauer, Zwanziger und Niersbach

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Wegen WM-Skandal 2006  

Schweizer Justiz: Strafverfahren gegen Beckenbauer und Co.

01.09.2016, 16:48 Uhr | dpa

WM-Affäre: Strafverfahren gegen Beckenbauer, Zwanziger und Niersbach. Dr. Theo Zwanziger (li.), Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach stehen im Visier der Schweizer Ermittler. (Quelle: imago/Camera 4)

Dr. Theo Zwanziger (li.), Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach stehen im Visier der Schweizer Ermittler. (Quelle: Camera 4/imago)

Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit der Affäre um die Vergabe der Fußball-WM 2006 nicht nur gegen Franz Beckenbauer, sondern auch gegen Theo ZwanzigerWolfgang Niersbach und Horst R. Schmidt.

WM-Skandal 2006 
Schweizer Behörden ermitteln gegen Franz Beckenbauer

Gegen des Ehrenpräsidenten des FCB werde wegen des Verdachts der Untreue und Geldwäsche ermittelt. Video

Fast zehn Monate nach der Eröffnung eines Strafverfahrens gegen den "Kaiser" sowie die ehemaligen DFB-Funktionäre Niersbach, Zwanziger und Schmidt hat die Schweizer Bundesanwaltschaft mit der zeitgleichen Hausdurchsuchung an acht Orten in Deutschland und Österreich sowie der Vernehmung verschiedener Beschuldigter neue Bewegung in die bislang unaufgeklärte Affäre um das WM-Sommermärchen 2006 gebracht.

Gefängnisstrafe droht

Wie die Bundesanwaltschaft mitteilte, hat sie das Strafverfahren bereits am 6. November 2015 "insbesondere wegen des Verdachts des Betrugs, der ungetreuen Geschäftsbesorgung, der Geldwäscherei sowie der Veruntreuung eröffnet". Geschädigter ist laut Staatsanwaltschaft der Deutsche Fußball-Bund (DFB).

Beckenbauer drohen damit wie seinen früheren OK-Mitstreitern juristische Konsequenzen. Im Schweizer Recht wird eine "ungetreue Geschäftsbesorgung" mit Geldstrafe oder Gefängnis bis zu drei Jahren geahndet, in besonderen Fällen drohen bis zu fünf Jahre Haft.

"Beckenbauer unterstützt Ermittlungen"

Nach Bekanntwerden des Strafverfahrens äußerten sich Beckenbauers Anwälte. "Franz Beckenbauer hat die Ermittlungen der Schweizer Bundesanwaltschaft unterstützt, seit er davon Kenntnis hatte, und an der heutigen Durchsuchung konstruktiv mitgewirkt. Er kooperiert auch weiterhin mit allen beteiligten Behörden", hieß es in einer Erklärung. 

Ex-DFB-Präsident Zwanziger gab sich gelassen. "Das hat keine Substanz", sagte er. Gegen ihn sowie Niersbach und Schmidt wird auch in Deutschland durch die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt - allerdings nur wegen Steuerhinterziehung.

Was geschah mit den 6,7 Millionen Euro?

Im Zentrum der Ermittlungen steht eine ominöse Zahlung von 6,7 Millionen Euro aus dem Jahr 2002, die vom DFB als Ausgabe für eine Gala zur WM-Eröffnung deklariert worden war. Diese fand jedoch nie statt. Es bestehe der Verdacht, "dass die Beschuldigten wussten, dass der Betrag nicht der Mitfinanzierung der Galaveranstaltung diente, sondern der Tilgung einer Schuld, die nicht durch den DFB geschuldet war", begründete die Schweizer Bundesanwaltschaft ihre Ermittlungen.

Im Raum stehe zudem der Verdacht, dass die anderen OK-Mitglieder "durch Vorspiegelung und Unterdrückung von Tatsachen arglistig irregeführt", worden seien, "um sie zu einem Verhalten zu bestimmen, welches den DFB am Vermögen schädigte."

Beckenbauer im Zwielicht

In der Affäre um die Vergabe der WM 2006 war schon im März ein Schatten auf Beckenbauer - die Lichtgestalt des deutschen Fußballs - gefallen. Damals hatte die Kanzlei Freshfields in ihrem Untersuchungsbericht zum Skandal, der DFB-Boss Niersbach im Vorjahr das Amt kostete, aufgedeckt, dass die ominöse Millionen-Zahlung nach Katar im Jahr 2002 über ein Konto von Beckenbauer und dessen früheren Manager Robert Schwan lief.

Demnach flossen damals sechs Millionen Schweizer Franken vom Beckenbauer/Schwan-Konto an die Kanzlei Gabriel & Müller, die das Geld an die Firma KEMCO Scaffolding Co. weiterleitete. Nach Angaben der Freshfields-Ermittler gehörte diese Firma dem damaligen FIFA-Vize Mohammed bin Hammam. Der frühere Top-Funktionär wurde wegen Korruption mittlerweile lebenslang gesperrt.

Viele Fragen sind noch ungeklärt

Unklar ist bis heute, was die KEMCO bzw. bin Hammam danach mit dem Geld machten und warum das Gespann Beckenbauer/Schwan diese Zahlungskette auslöste. Beckenbauer hatte sein Geld später vom früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus zurückerhalten. Dieser überwies einen Betrag von zehn Millionen Schweizer Franken auf das Konto der Kanzlei Gabriel & Müller. Von dort aus wurden sechs Millionen an Beckenbauer und vier Millionen an KEMCO weitergeleitet.

Beckenbauer, der die WM 2006 als Chef des Organisationskomitees nach Deutschland holte, hatte stets erklärt, von den Zahlungen nichts gewusst zu haben. Die deutschen WM-Macher hatten bis zur Aufdeckung der Zahlungsströme immer behauptet, dass Louis-Dreyfus ihnen diese Summe vorgestreckt habe, um damit einen Organisationszuschuss vom Weltverband FIFA in Höhe von 250 Millionen Schweizer Franken abzusichern.

Die FIFA wollte sich zu den neuen Entwicklungen nicht äußern. "Das ist Sache der Behörden", teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Die Ethikkommission des Weltverbandes hatte unlängst Ex-DFB-Präsident Niersbach für ein Jahr für alle Aktivitäten im Fußball gesperrt, weil dieser ihrer Ansicht nach die dubiosen Geldflüsse rund um das Sommermärchen vertuscht habe. Niersbach, der gegen das Urteil juristisch vorgehen will, hatte seine Kenntnisse in dem Fall mehrere Monate für sich behalten.

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