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DFB droht "Erdbeben"  

WM-Affäre: Verschlüsselte Dateien werfen Fragen auf

18.11.2016, 16:44 Uhr | sid

WM-Affäre: Verschlüsselte Dateien werfen Fragen auf. In Erklärungsnot: Reinhard Grindel, Reinhard Rauball, Rainer Koch sowie Christian Duve von der Kanzlei Freshfields. (Quelle: imago)

In Erklärungsnot: Reinhard Grindel, Reinhard Rauball, Rainer Koch sowie Christian Duve von der Kanzlei Freshfields. (Quelle: imago)

Entgegen aller Versprechen droht dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) das nächste "Erdbeben" im Skandal um das Sommermärchen 2006. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet von verschlüsselten Dateien, die vom Namen her brisanten Inhalt offenbaren könnten. Zudem deutete die Staatsanwaltschaft Frankfurt an, dass der DFB längst nicht "alles" getan habe, um die WM-Affäre aufzuklären.

Der Weltmeister-Verband habe seine "ursprüngliche Kooperationsbereitschaft mit den Ermittlungsbehörden ab Anfang 2016 stark eingeschränkt", sagte ein Behördensprecher dem SID - er widersprach damit der bisherigen Darstellung der DFB-Spitze, immer und umfänglich mit der Staatsanwaltschaft zusammenzuarbeiten.

"Komplex Jack Warner" im Ordner "Erdbeben"

Im Kern geht es um die mutmaßlich vom früheren stellvertretenden DFB-Generalsekretär Stefan Hans erstellte Datei mit dem Namen "Komplex Jack Warner", abgespeichert am 12. November 2015 im Unterordner "Erdbeben". Diese wurde den Behörden laut SZ erst am vergangenen Montag zugänglich gemacht. Die Steuerrazzia beim DFB hatte bereits am 3. November 2015 stattgefunden, danach habe rechtlich ein "Beschlagnahmeverbot" bestanden.

Der inzwischen lebenslang gesperrte Warner spielte in verschiedenen Skandalen beim Weltverband FIFA eine zentrale Rolle. In der WM-Affäre wurde er durch einen von Franz Beckenbauer gezeichneten, höchst dubiosen Vertrag, der kurz vor der Vergabe der WM 2006 geschlossen wurde, zur Schlüsselfigur. Auch dieser Vertrag führte letztlich zum Rücktritt des damaligen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach am 9. November 2015.

Auch der Freshfields-Bericht nennt die Datei

Im vom DFB in Auftrag gegebenen Freshfields-Bericht ist der "Komplex Jack Warner" aus dem "persönlichen Dateiablageordner von Stefan Hans" in einer Fußnote erwähnt, die Existenz der Datei war demnach spätestens seit März bekannt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Steuerhinterziehung, es geht um die dubiosen 6,7 Millionen Euro, die von den WM-Organisatoren um Beckenbauer wohl falsch deklariert worden waren. Zumindest im Dunstkreis dieser Zahlung schwebt auch Warner.

"Es wäre zwar grundsätzlich ein an den DFB gerichtetes Ersuchen um eine freiwillige Herausgabe der Datei an die Ermittlungsbehörden denkbar gewesen", teilte die Staatsanwaltschaft mit. Dem stand aber zum "damaligen Zeitpunkt" die zurückgefahrene Zusammenarbeit gegenüber. Zuvor habe Freshfields den Behörden bereits den Zugang zu mehreren Dokumente verweigert.

Koch: "Vielleicht hätte man die Datei rüberfahren sollen"

"Zunächst waren verschiedene Befragungsprotokolle an die Ermittlungsbehörden herausgegeben worden, ab Anfang 2016 war dies nicht mehr der Fall", so die Staatsanwaltschaft. Bezogen auf die Warner-Datei begründete DFB-Vizepräsident Rainer Koch die Zurückhaltung mit der fehlenden Akteneinsicht.

"Hätte die Staatsanwaltschaft das gekriegt, wäre es jetzt noch dort", sagte Koch der "SZ", er räumte jedoch ein: "Vielleicht hätte man die Datei im März der Staatsanwaltschaft rüberfahren sollen." Hans habe zwar allerlei Passwörter geliefert, die hätten aber nicht gepasst, teilte der DFB der "SZ" mit. Der Ex-Angestellte war am Freitag nicht zu erreichen.

Arbeit der Ermittler erschwert

Experten hätten wegen zu hoher, im sechsstelligen Bereich liegender Kosten von einer Entschlüsselung abgeraten. Warum nicht unmittelbar die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wurde, ist offen. Die Behörde kann sich der Hilfe der Polizei- und sonstigen Ermittlungsbehörden bedienen.

"Wir haben getan, was ein gemeinnütziger Verband tun kann. Alle Fragen zur Aufklärung, die wir beantworten können, sind beantwortet", hatte der neue DFB-Präsident Reinhard Grindel erst Anfang November nach seiner Wiederwahl gesagt. Nun seien die staatlichen Ermittler an der Reihe. Deren Arbeit wurde aber offensichtlich vom DFB - ob mutwillig oder nicht - erschwert.

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