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Warum eine kürzere Transferperiode nicht alle Probleme löst

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Schattenseiten der Revolution  

Für manche Klubs wäre eine kürzere Wechselphase fatal

21.09.2017, 10:52 Uhr | Benjamin Zurmühl, t-online.de

Warum eine kürzere Transferperiode nicht alle Probleme löst. Kleinere Klubs, wie der FC Augsburg von Manager Stefan Reuter (l.) und der SC Freiburg von Trainer Christian Streich, könnten unter einer kürzeren Transferphase leiden. (Quelle: imago/Grafik: Benjamin Springstrow)

Kleinere Klubs, wie der FC Augsburg von Manager Stefan Reuter (l.) und der SC Freiburg von Trainer Christian Streich, könnten unter einer kürzeren Transferphase leiden. (Quelle: Grafik: Benjamin Springstrow/imago)

Über vier Milliarden Euro wurden in diesem Sommer für Spieler weltweit ausgegeben  und der rasante Anstieg der Ablösesummen scheint nicht zu enden. Jetzt wird über ein kürzeres Transferfenster auch in der Bundesliga diskutiert. Das könnte helfen, bringt aber auch neue Probleme mit sich. Eine Analyse.

England hat es bereits vorgemacht. Anfang September stimmte die Mehrheit der Vereine für eine Verkürzung der Transferperiode. Ab Saisonstart dürfen innerhalb der Liga keine Spieler mehr den Klub wechseln. Der Großteil der Bundesliga-Bosse befürwortete diese Entscheidung und wünschte sich eine ähnliche Revolution für die Bundesliga. Doch besonders für die kleineren Klubs könnte diese Änderung auch Nachteile haben. Über drei Auswirkungen wird bislang zu wenig diskutiert:

► Vereine können auf einen Fehlstart nicht mehr reagieren

Gladbach-Manager Max Eberl ist einer der größten Befürworter der Transfer-Revolution. Er sagte im August: "Wenn Meisterschaften begonnen haben, darf ein Transfer nicht mehr stattfinden. Es ist Betrug am Fan, wenn er Dauerkarten kauft und plötzlich sind die besten Spieler weg." An diesem Argument ist nichts auszusetzen. Doch Eberl vergisst, dass sich die Klubs auch einer wichtigen Möglichkeit berauben.

Denn auch in dieser Saison zeigt sich, dass die Ergebnisse aus der Vorbereitung kein eindeutiger Indikator für die tatsächliche Form des Teams sind. Der VfL Wolfsburg gewann zwar acht seiner elf Testspiele, doch der Start in die Saison war alles andere als zufriedenstellend. Das knappe 1:0 im Pokal und die Niederlage in Dortmund offenbarten einige Schwächen. Vor allem in der Offensive mangelte es. Der Klub konnte jedoch reagieren, holte Divock Origi zwei Wochen nach Bundesliga-Beginn aus Liverpool. 

Auch der VfB Stuttgart schwächelte im Pokal gegen Cottbus (Sieg im Elfmeterschießen) und beim Saisonstart gegen Hertha (0:2). Manager Reschke sah die Mängel und verpflichtete Ascacíbar und Beck für die wacklige Defensive. Ebenso tätig wurde der SC Freiburg nach dem Saisonstart. Mit Ryan Kent (Sturm), Robin Koch (Abwehr) und Yoric Ravet (Mittelfeld) verstärkten sich die Breisgauer gleich auf mehreren Positionen, nachdem die Resultate in der Europa League, dem DFB-Pokal und der Bundesliga unter den Erwartungen blieben. Das wäre in Zukunft nicht mehr möglich – und würde vor allem Klubs treffen, die bei Transfers Risiko gehen müssen, weil sie sich keine fertigen Stars leisten können.

► Keine Europa-Schnäppchen mehr?

In den letzten Jahren waren einige Bundesliga-Klubs immer aufmerksam, wenn es um die Champions-League-Playoffs kurz nach Saisonstart ging. Häufiger schlugen die Vereine bei Teams zu, die die Qualifikation für die Königsklasse verpassten. Ein prominentes Beispiel ist Salomon Kalou, der 2014 aus Lille zu Hertha BSC für nur 1,8 Millionen Euro wechselte. Ein echtes Schnäppchen. 

Im letzten Jahr kaufte der FC Augsburg Martin Hinteregger von Red Bull Salzburg, nachdem die Österreicher in der Champions-League-Qualifikation an Dinamo Zagreb scheiterten. Bei einem Weiterkommen hätte der Klub sein Abwehr-Ass wohl kaum abgegeben. Ein aktuelles Beispiel ist Yoric Ravet, den der SC Freiburg aus Bern holte. Die Young Boys flogen in den Play-Offs gegen ZSKA Moskau raus, drei Tage später wechselte der Franzose zum Team von Christian Streich. 

► Kürzere Transferphase schwächt nur die "Kleinen"

Transfers wie die Euro-Schnäppchen Kalou, Hinteregger oder Ravet hätten bei einer kürzeren Transferphase womöglich gar nicht stattgefunden, da der Preis vor den Qualifikationsspielen weitaus höher gewesen wäre. Die neue Regel würde also viele kleine Klubs treffen. Aber auch verhältnismäßig größere Teams wie Bayer Leverkusen sind davon betroffen. Bei Panagiotis Retsos, damals Olympiakos Piräus, musste sich Heiko Herrlich bis nach den Champions-League-Qualifikationsspielen gedulden, ansonsten wäre der Grieche zu teuer gewesen.

Für die Top-Klubs ist das kein Problem. Transfers wie von Kylian Mbappé oder Ousmane Dembélé, die nach dem Saisonstart durchgeführt wurden, hätten auch früher stattgefunden. Klubs wie der FC Barcelona und Paris Saint-Germain haben viel Geld zur Verfügung, sind nicht auf lange Verhandlungen angewiesen. Sie könnten im Notfall noch ein paar Millionen oben drauflegen, wenn sie den Spieler wirklich haben wollen. Auch die englischen Klubs können preislich ohne Probleme hochgehen, um ihre Wunschspieler früher zu erhalten. 

Beispiele: Tottenham verpflichtete Davinson Sanchez (Ablöse: 40 Millionen Euro) von Ajax Amsterdam nur einen Tag vor deren Rückspiel in den Europa-League-Playoffs. Auch Aufsteiger Brighton & Hove Albion machte seinen Königstransfer, José Izquierdo (Ablöse: 15 Millionen Euro), zwischen zwei Europa-League-Partien von dessen Ex-Klub FC Brügge klar.

Fazit

Eine kürzere Transferperiode hat viele Vorteile: Fans müssen nach dem Saisonstart nicht mehr um ihre Lieblinge zittern und das Mannschaftsfoto ist fehlerfrei. Auch langgezogene Transfers wie bei Dembélé oder Modeste müssten in vielen Fällen schneller abgeschlossen werden. Doch sollte die Liga über eine solche Änderung abstimmen, müssen sich die Klubs auch über die Schattenseiten im Klaren sein.

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