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Queens Park Rangers: Vom Aschenputtel zum Millionärs-Klub

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England - Queens Park Rangers  

Vom Aschenputtel zum Millionärs-Klub

07.05.2008, 11:21 Uhr | Spiegel Online


Bernie Ecclestone (li.) und Flavio Briatore sind auch im Fußball aktiv. (Foto: imago)Bernie Ecclestone (li.) und Flavio Briatore sind auch im Fußball aktiv. (Foto: imago) Aufstieg aus der Asche: Der Londoner Fußball-Zweitligist Queens Park Rangers stand vor dem Abgrund. Dann übernahmen die Rennsport-Giganten Bernie Ecclestone und Flavio Briatore den Klub - seitdem verfallen die Fans dem Größenwahn. Wird der marode Verein das neue Chelsea? #

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Bereits hohe Ansprüche der Fans

Am letzten Spieltag der Saison, um 13.30 Uhr englischer Zeit, würde Zinedine Zidane als neuer Trainer der Queens Park Rangers (QPR) bekannt gegeben werden. In dieser Hinsicht waren sich mehrere Mitglieder des klubeigenen Fanforums ziemlich sicher. Wenn nicht Zidane, dann aber bestimmt ein paar neue Spieler (David Beckham? Luis Figo?) und mindestens das neue Trikot, vorgeführt von den Supermodels Naomi Campbell und Gisele Bündchen. Man ist wählerisch diese Tage an der Loftus Road im Londoner Stadtteil Shepherd’s Bush.

Kredit von einem dubiosen Konsortium aus Panama

Besonders erstaunlich ist dies, weil der traditionsreiche Zweitligaverein (gegründet 1882) vor weniger als einem Jahr in einem Sumpf aus sportlichem Unvermögen, Schulden und mafiahaften Managementmethoden zu versinken schien. Seit 2001 existierte der Klub nur noch dank des Last-Minute-Kredits eines dubiosen Konsortiums aus Panama – dessen hohe Zinsen den Verein danach lange belasteten.

Skandale und ein Skandalfan

2006 wurde dem Vorsitzenden Gianni Panadini in einer Führungssitzung eine Pistole an die Schläfe gehalten, im Februar 2007 lieferte sich die erste Mannschaft bei einem Trainingsspiel eine ausgesprochen brutale Schlägerei mit der Olympiaauswahl Chinas. Sportlich ging es sowieso bergab – die dritte Liga winkte. Prominentester Fan war "Skandalrocker" und Part-Time-Junkie Pete Doherty – auch das nicht gerade ein Gewinn fürs Image.

Rettung von unerwarteter Seite

Doch dann, kurz vor der kompletten Bankrotterklärung der "Hoops" (wie die Mannschaft dank ihrer blau-weiß geringelten Trikots genannt wird), kam Rettung von unerwarteter Seite: Im August des vergangenen Jahres kauften die Formel-Eins-Größen Bernie Ecclestone und Flavio Briatore für 14 Millionen Pfund einen Mehrheitsanteil an dem Verein. Mit Luigi de Canio heuerte ein italienischer Trainer mit Serie-A-Erfahrung an, und binnen weniger Wochen entstiegen die Rangers den Abstiegsrängen ins gesicherte Mittelfeld.

Indischer Stahl-Tycoon investiert jetzt auch

Im Dezember war die Verwandlung dann vollkommen: Mit Lakshmi Mittal gewann das Duo Ecclestone/Briatore einen weiteren Investoren für den Klub. Und nicht nur irgendeinen: Mittal ist indischer Stahl-Tycoon und der fünftreichste Mann der Welt. Sein fußballverrückter Schwiegersohn Amit Bhatia, für dessen Hochzeit Mittal um die 55 Millionen Dollar ausgegeben haben soll, sitzt inzwischen im Vorstand. Innerhalb weniger Monate war aus einem chaotischen Haufen vielleicht einer der reichsten Clubs Englands geworden: Verwirrend, auch für Fans. "Gestern waren wir die Loser der Liga, heute leben wir plötzlich in einer Schicki-Micki Märchenwelt", sagt Peter Westland, QPR-Fan seit den frühen 70ern.

Hoffnungen erstmal nicht erfüllt

Am vergangenen Sonntag um halb zwei wurde dann aber doch nicht Zinedine Zidane als der Märchenprinz der "Rangers" präsentiert. Auch von Ballzauberer Figo und Supermodel Campbell war nichts zu sehen. Immerhin begaben sich die Herren Mittal, Bhatia und Briatore (mit Sonnenbrille und weitaufgeknöpftem Hemd) vor Anpfiff auf das Spielfeld und präsentierten unter Feuerwerksgewitter und dem Motto "The dawn of a new era" ("Der Anbruch einer neuen Ära") das neue Logo des Vereins: Eine pompös anmutende Photoshop-Nummer mit einer Krone an Stelle der markanten Jugendstil-Lettern. Was dies bedeutete, war nicht ganz klar: Briatores Mikrophon funktionierte nicht. Ob die neue Führung überhaupt weiß, dass der echte "Queen’s Park" einige Kilometer weiter nördlich liegt?

Nur Platz 14

Nach der Präsentation wurde endlich Fußball gespielt: Gegen den Tabellenersten West Bromwich Albion hielten sich die Rangers wacker, bis Spielführer Martin Rowlands in der 37. Minute vom Platz gestellt wurde. In der zweite Halbzeit traf West Brom zwei Mal und wurde nach Spielende unter lautem Jubel der mitgereisten Anhänger zum Zweitligachampion gekrönt. Für die Rangers, das war schon vorher klar, hätte auch ein Sieg nicht zum Aufstieg gereicht, die Saison endet mit Platz 14 im Mittelfeld der Tabelle. Kein Wunder, dass die Anhänger der Blau-Weißen etwas neidisch zu den Gästefans in der Westkurve blickten.

Die Möglichkeiten sind so groß wie die Hoffnung

Die Frage in ihren Köpfen war offensichtlich: Werden die Queens Park Rangers nächstes Jahr auf dem Siegertreppchen stehen? Die Hoffnungen sind enorm, die Möglichkeiten zur großen Enttäuschung ebenso. Noch ist unklar, was genau Briatore, Ecclestone und Mittal von dem Verein wollen. Geht es ihnen nur um eine wohl situierte globale Marke im Herzen der Weltstadt London? Oder verstehen sie den Kultfaktor dieses Vereins, dessen Stadion laut Westland immer noch etwas von einem "Schuhkarton" hat?

Stadionteilung gefürchtet

Am meisten Angst haben die Fans vor einem Stadionumzug, oder schlimmer noch: einer Stadionteilung mit dem gehassten Lokalrivalen Fulham. Wird die Führungsetage bei ausbleibendem Erfolg Geduld zeigen, oder erweisen sich die Männer mit der Hand am Geldhahn als ein Unruheherd – wie es etwa in der Premier League am Fall Manchester City und Besitzer Thaksin Shinawatra sichtbar ist?

England im "Indian Century"

Noch sind die Fans optimistisch. Man versichert sich, dass die Tycoons Mittal und Bhatia einen Respekt für englische Traditionsmarken innehaben, der noch auf der Kolonialzeit beruhen soll. Nachdem im März schon der indische Multimillionär Ratan Tata die ur-britischen Marken Jaguar und Land Rover aufkaufte, ist vielen Engländern ohnehin klar, dass das man sich mittlerweile im "Indian Century" befindet - so schreibt jedenfalls die angesehene Tageszeitung "Guardian".

Neuer Hauptsponsor gesucht

Demnach kann man der angelsächsischen Kreditkrise und dem finanziellen Aufschwung des Ostens doch noch etwas Positives abgewinnen. "Wenn man so miserabel spielt wie wir vor einem Jahr", sagt Anhänger Westland, "kann man sich eigentlich nicht beschweren, solange es irgendwie bergauf geht." Nur um einen neuen Hauptsponsor sollte man sich schnell kümmern: Im Augenblick ist es noch "Car Giant", eine Autowerkstatt in Westlondon, laut Werbung "nur fünf Minuten von der Loftus Road entfernt". Das macht sich angesichts der großen Ambitionen der Rangers nicht so gut.

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