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Eklat um die Marseillaise: Kritik an französischer Regierung

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Frankreich - Tunesien  

Kritik an französischer Regierung

16.10.2008, 17:30 Uhr | sid

Das Stade de France in Paris (Foto: imago)Das Stade de France in Paris (Foto: imago) Die französische Regierung hat mit ihrer Androhung von Spielabbrüchen nach dem Eklat um die Marseillaise einen Sturm des Protests ausgelöst. Der führende Zentrumspolitiker Francois Bayrou erklärte, die Regierung habe dem Thema zu viel Gewicht gegeben. "Es ist nachzuvollziehen, dass Frankreich Pfiffe gegen die eigene Hymne nicht einfach hinnimmt", sagte Bayrou, aber man solle nicht überreagieren, weil dies wiederum weitere Reaktionen nach sich ziehe.

Der Sozialist Boutih Malek, der algerischer Abstammung ist, meinte, dass die Maßnahmen aus der Empörung heraus getroffen worden seien. Er riet den Verantwortlichen, sich eher den aktuellen Finanzproblemen zu widmen statt "dieser Randerscheinung".

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Absage könnte zu Ausschreitungen führen

Auch die linksliberale Zeitung "Liberation" hatte von einer "lächerlichen' Ankündigung" gesprochen. "Wann wollen sie ein Spiel abbrechen? Wenn 1000, 5000, 10.000 pfeifen?", fragte die sozialistische Oppositionspoltikerin Elisabeth Guigou. Der Mediendirektor der Europäischen Fußball-Union, der Franzose William Gaillard, nannte die Ankündigung unrealistisch. Die regierungsfreundliche Zeitung "Le Figaro" warnte zudem: "Wenn Länderspiele abgebrochen werden, wenn die Nationalhymne ausgepfiffen wird, dann besteht kein Zweifel, wird es im Stadion und um das Stadion herum Krawalle geben."

Keine Länderspiele mehr im Stade de France?

Beim Länderspiel der französischen Fußball-Nationalmannschaft im Stade de France von St. Denis vor den Toren von Paris hatten zahlreiche tunesische Fans während der französischen Nationalhymne gepfiffen. Die Sportministerin Roselyne Bachelot erklärte, dass künftig Spiele sofort abgebrochen würden, sollte die Marseillaise erneut ausgepfiffen werden. Sportstaatssekretär Bernard Laporte schlug vor, keine Fußball-Länderspiele der französischen Auswahl im Stade de France mehr auszutragen. Denn die Arena, Schauplatz des WM-Finales 1998, liege in der Nähe von Problemvierteln, in denen viele Einwanderer aus Nordafrika zu Hause seien.

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Französische Justiz ermittelt

Auf Antrag von Innenministerin Michele Alliot-Marie leitete die französische Justiz mittlerweile Ermittlungen wegen "Beleidigung der Nationalhymne" ein. Ein 15-Jähriger mit nordafrikanischen Wurzeln, der zugab, im Stade de France bei der Marseillaise ebenfalls gepfiffen zu haben, sagte "Liberation": "Ich kann ihnen sagen warum: Ich kann kein Land lieben, das uns auch nicht liebt."

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