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FC Chelsea London: Abramowitsch zückt den Rotstift

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England - Premier League  

Abramowitsch zückt den Rotstift

05.01.2009, 14:36 Uhr | sid

Bei Chelsea-Boss Roman Abramowitsch sitzt das Geld offenbar nicht mehr so locker. (Foto: imago)Bei Chelsea-Boss Roman Abramowitsch sitzt das Geld offenbar nicht mehr so locker. (Foto: imago) Die weltweite Finanzkrise könnte Michael Ballacks Traum vom Champions-League-Triumph mit dem FC Chelsea jäh platzen lassen. Weil das Vermögen von Klubbesitzer Roman Abramowitsch angeblich um 14 Milliarden Euro geschrumpft ist, steht den Blues ein schmerzhaftes Sparprogramm bevor.

Erstes Indiz: Offenbar muss der englische Vizemeister ohne Neuzugang im Januar auskommen. "Es ist eine andere, eine schwierigere Zeit für Chelsea", klagte Trainer Luiz Felipe Scolari und muss dieser Tage förmlich um einen Neuzugang betteln: "Wenn sich keiner mehr verletzt, dann werden sie wohl höchstens noch einen Neuen holen, denn ich brauche ja einen neuen Spieler. Nur einen, einen Stürmer."

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Ferguson: "Werden definitiv nicht mehr aktiv"

Die Auswirkungen der Finanzkrise haben die Premier League, die mit rund 3,2 Milliarden Euro verschuldet ist, offenbar voll erwischt. Statt Millionen-Transfers zu tätigen, üben sich die Geldgeber in Zurückhaltung. Meister Manchester United verpflichtete als einzigen Neuzugang für die restliche Saison den 21-jährigen Serben Zoran Tosic. "Das war es erstmal mit unseren Neuzugängen. In diesem Monat werden wir definitiv nicht mehr aktiv", erklärte ManU-Teammanager Sir Alex Ferguson. Dabei wurde auf der Insel erst vor einem Jahr eine Rekordsumme von umgerechnet rund 240 Millionen Euro in die Januar-Transfers investiert. Fünf Jahre zuvor waren es im Vergleich dazu "nur" 50 Millionen Euro gewesen.

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Beckenbauer sieht Chance für Regulierung der Marktpreise

Bezeichnend für die allgemeine Tristesse auf dem europäischen Spielermarkt ist, dass aktuell ein knapp dreimonatiges Ausleihgeschäft die Schlagzeilen bestimmt. David Beckham sorgt zumindest bis 8. März 2009 beim AC Mailand für den Glamour-Faktor. Deutschlands Fußball-Lichtgestalt Franz Beckenbauer allerdings sieht die schwierige wirtschaftliche Situation auch als Chance für eine Regulierung der Marktpreise. "Gott sei Dank trägt die allgemeine Finanzkrise als Nebeneffekt dazu bei, dass die absurde Preistreiberei in Europa aufhört. 20 oder mehr Millionen Euro für Durchschnitts-Spieler? Das war Wahnsinn und wird sich hoffentlich ändern", sagte Beckenbauer in der "Bild"-Zeitung. Bayern-Coach Jürgen Klinsmann ergänzte: "Es wird spannend sein zu verfolgen, was bei den großen Klubs passiert, wenn die Investoren sagen, dass sie nicht mehr das nötige Kleingeld haben."

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West Ham United muss verkauft werden

Besonders im Fußball-Mutterland England geht angesichts der Hiobsbotschaften und düsteren Prognosen aus aller Welt die Angst um. Kein Wunder, neun der 20 Premier-League-Klubs sind derzeit im Besitz ausländischer Investoren. Vor allem West Ham United droht Ungemach, weil der Klub in isländischer Hand ist. In Island hat die Finanzkrise zum Staatsbankrott geführt. Hammers-Besitzer Björgolfur Gudmundsson ist davon direkt betroffen und muss den Klub so schnell wie möglich verkaufen.

Abramowitsch setzt den Rotstift an

Auch Chelsea könnte vor einer ungewissen Zukunft stehen. Immerhin soll das Vermögen von Blues-Besitzer Roman Abramowitsch nach Angaben der russischen Zeitung "Iswestja" innerhalb weniger Monate von knapp 17 Milliarden Euro auf 2,3 Milliarden Euro geschrumpft sein. Den Rotstift hat Abramowitsch, der seit der Übernahme des FC Chelsea vor fünfeinhalb Jahren rund 500 Millionen Euro in die Blues investiert haben soll, bereits angesetzt. Im November wurden 15 der 25 Talentspäher freigestellt, darunter der ehemalige deutsche Nationalspieler Rainer Bonhof. "Mir wurde lediglich mitgeteilt, dass aus Kostengründen Länder wie Deutschland und Italien nicht mehr systematisch, sondern allenfalls punktuell beobachtet werden", sagte Bonhof.

Chelsea steht bei Abramowitsch in der Kreide

Chefscout Frank Arnesen verdeutlichte indes: "Roman hat die finanzielle Bremse gezogen und um Einsparungen gebeten." Abramowitsch höchstpersönlich soll Coach Scolari Neueinkäufe in der Winterpause untersagt haben. Derzeit belastet ein Schuldenberg von umgerechnet rund 1,1 Milliarden Euro die Blues. Bei rund 870 Millionen Euro handelt es sich um Kredite. Diese muss der Klub an Abramowitsch zurückzahlen. Das Ziel, 2010 zumindest ohne zusätzlichen Schulden auszukommen, ist wegen der weltweiten Wirtschaftsflaute erst einmal in weite Ferne gerückt.

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