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Ottmar Hitzfeld wird 60 - mal ganz ohne Fußball

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Schweiz - Nationalmannschaft  

Ottmar Hitzfeld wird 60 - mal ganz ohne Fußball

12.01.2009, 10:08 Uhr | dpa

Ottmar Hitzfeld genießt seinen Ehrentag auf einer Fernreise. (Foto: imago)Ottmar Hitzfeld genießt seinen Ehrentag auf einer Fernreise. (Foto: imago) Wenn Ottmar Hitzfeld noch Trainer beim FC Bayern München wäre, dann hätte er auch an seinem runden Geburtstag mal wieder fernab der Heimat in einem Trainingslager darauf anstoßen müssen. Heute wird der General 60 - und den Tag wird der Erfolgscoach mit seiner Ehefrau Beatrix auf einer Fernreise genießen, ohne Rummel und ausnahmsweise auch ohne Fußball.

"Als Nationaltrainer habe ich mehr Lebensqualität", bekannte Hitzfeld - den Wechsel vom stressigen Alltag eines Vereinstrainers ins etwas gemütlichere Amt des Schweizer Nationalcoaches hat der Jubilar keine Sekunde bereut.

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Hoeneß scherzt: "Er schaut wieder aus wie 55"

Weniger Spiele, mehr Freizeit - Hitzfeld hat sich in seinem neuen Leben hervorragend eingerichtet. "Er schaut wieder aus wie 55, seit er nicht mehr bei Bayern arbeitet", scherzte Bayern-Manager Uli Hoeneß im Trainingslager des FC Bayern in Dubai: "Das tut ihm unheimlich gut, wie ich höre. Er reist ja hin und her, schaut Fußballspiele an, spielt Golf, fährt Ski - er scheint ein gutes Leben zu haben", sagte Hoeneß über den langjährigen Weggefährten, mit dem er früher im Hotel abends so gerne bei einem Glas Rotwein über Gott und die Welt philosophierte. "Der Kontakt ist sehr gut", so Hoeneß. Vor einer Woche hatte Hitzfeld ihm zum 57. Geburtstag gratuliert.

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Bayern-Abschied mit "Tränen des Glücks"

Der unvergessliche zweite Abschied vom FC Bayern im Mai 2008, als der kühle Analytiker, aber sensible Mensch Hitzfeld beim gemeinsamen Servus mit Oliver Kahn mit seinen Tränen der Rührung auch Nicht-Bayern-Fans emotional berührte, kam genau zum richtigen Zeitpunkt. "Das waren Tränen des Glücks", kommentierte der Umjubelte damals.

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Die Schweizer Nati als letzte Trainer-Station

Es war zugleich der Beginn eines Abschieds auf Raten. Das vorerst bis 2010 fixierte Arbeitsverhältnis mit dem Schweizer Verband soll die letzte Trainerstation sein. "Ich gehe davon aus, dass das mein letzter Trainerjob ist", erklärte Hitzfeld vor Weihnachten in einem "kicker"-Interview. Denn eines liegt dem Asketen Hitzfeld, dem die Leiden des Trainer-Daseins in Krisenzeiten stets am fahlen Gesicht anzusehen waren, am Herzen: "Ich möchte gesund aufhören."

25 Titel als Trainer gesammelt

Ganz ohne Fußball kommt Hitzfeld nicht aus. "Fußball ist mein Leben, meine Leidenschaft, ich habe ihm viel zu verdanken." Ruhm, Ansehen, Freundschaften, 25 Titel als Trainer - und Geld. Der mehrfache Millionär genießt auch diese Unabhängigkeit. Werbepartner, Fernseh-Experte bei "Premiere", Vorträge, der Terminkalender ist weiterhin gut gefüllt - neben den 10 bis 15 Länderspielen im Jahr.

Hitzfeld spricht fließend Schwyzerdütsch

Hungrig nach Siegen ist Hitzfeld auch als Sechziger noch. Die Schweiz, seine zweite Heimat, will der am 12. Januar 1949 in Lörrach an der deutsch-schweizerischen Grenze aufgewachsene Ex-Profi, der einst Mathematik und Sport für das Lehramt studierte, zur WM führen. "Ich wäre nicht Nationaltrainer von England oder Österreich geworden. Ich identifiziere mich sehr stark mit der Schweiz", sagte Hitzfeld, der ausgezeichnet Schwyzerdütsch spricht.

WM-Teilnahme "der letzte große Traum"

Den vielleicht letzten großen sportlichen Traum zu realisieren, ist alles andere als einfach. Die Schweiz liegt in der Gruppe 2 mit sieben Punkten auf Platz drei hinter Otto Rehhagels Griechen (9) und Israel (8) - nur der Erste löst direkt das WM-Ticket. Die peinliche 1:2-Heimniederlage gegen Luxemburg kratzte auch an Hitzfelds Ruf. Er spürte "die Ohnmacht des Nationaltrainers", der nach Länderspielen meist wochenlang mit Niederlagen leben muss, die er nicht wie früher als Vereinstrainer schon Tage später wieder korrigieren kann. "An einer WM teilzunehmen, ist ein Traum, den ich mir erfüllen will."

Lob vom Kaiser: "Ottmar, Du bist fast perfekt"

Südafrika 2010 wäre die Krönung für einen Trainer, der als Profi unter anderem von 1975 bis 1978 für den VfB Stuttgart spielte und 1972 bei den Olympischen Spielen in München für Deutschland mit Uli Hoeneß zusammenspielte. 1983 startete er beim SC Zug in der Schweiz seine einzigartige Trainer-Laufbahn, "ein verrückter Präsident" hätte ihn damals fast zur Verzweiflung getrieben. Seine größte Kunst war wohl der Umgang mit Stars wie Matthias Sammer, Stefan Effenberg oder Oliver Kahn, dem deutschen Fußball bescherte er 1997 mit Borussia Dortmund und 2001 mit den Bayern die einzigen zwei Champions-League-Triumphe. "Ottmar, Du bist fast perfekt!", lobte ihn Kaiser Franz Beckenbauer im vergangenen Jahr bei der Verabschiedung aus München.

Bayern-Jahre sind wie Katzenjahre

Wer weiß, ob Jürgen Klinsmann heute Bayern-Trainer wäre, wenn Hitzfeld nach dem Rücktritt von Rudi Völler nach dem EM-Debakel der deutschen Nationalmannschaft 2004 dem DFB zugesagt hätte und statt des Weltmeisters von 1990 Bundestrainer geworden wäre. Doch damals fühlte sich der Wunschkandidat aller Deutschen "ausgebrannt" nach sechs kräftezehrenden Jahren in München. "Ein Jahr FC Bayern ist wie zehn Jahre ein anderer Bundesliga-Club", sagte Hitzfeld einmal. Er weiß also schon genau, wie sich 60 Jahre anfühlen.

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