Startseite
Sie sind hier: Home > Sport > Fussball > Fußball international >

Premier League: Gebt den Fans die Klubs zurück!

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Weltklasse - die Kolumne  

Fußball vs. Business: Umdenken in England setzt ein

01.04.2010, 10:50 Uhr | t-online.de, t-online.de

Premier League: Gebt den Fans die Klubs zurück!. Eindeutiges Banner der Fans von Manchester United (Foto: imago)

Eindeutiges Banner der Fans von Manchester United (Foto: imago) (Quelle: imago)

Von Jonny Giovanni

Die Skepsis war groß, als Mohamed Al Fayed vor dreizehn Jahren den damaligen Drittligisten FC Fulham übernahm. Ein Geschäftsmann aus dem Ausland kauft sich einen Fußballklub? Das war damals auch in England noch etwas Neues. Zwar verkündete der neue Eigentümer sogleich Rekordinvestitionen und das Ziel, den Klub besser zu machen als Manchester United und Real Madrid - doch den meisten galt er als Aufschneider, der bald die Lust verlieren und den Südwestlondoner Klub auf einem hohen Schuldenberg sitzen lassen würde.

Im März 2010 gehört der aktuelle Europacup-Gegner des VfL Wolfsburg immer noch Al Fayed. Mit dem Niveau von Manchester United und Real Madrid ist es nichts geworden, aber immerhin hat man sich langfristig in der obersten Spielklasse etabliert. Der Ägypter, der auch das Edelkaufhaus Harrods sein eigen nennt, glaubt immer noch, dass sein Sohn Dodi gemeinsam mit seiner Schwiegertochter in spe Diana 1997 in einem Pariser Tunnel nicht einem Verkehrsunfall, sondern einem Mordkomplott zum Opfer fiel.

Kluge Transferpolitik und ein Trainerhaudegen

Aus Protest gegen die britischen Behörden, die ihn jahrelang partout nicht einbürgern wollten, hat der 77-jährige außerdem seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt. Was seinen Fußballklub angeht, da macht Al Fayed jedoch keine verrückten Sachen mehr. Der FC Fulham wird solide geführt und lebt entsprechend seiner Verhältnisse als fünftgrößter Klub der Hauptstadt hinter Arsenal, Chelsea, Tottenham und West Ham. Den siebten Tabellenplatz der Vorsaison (Vereinsrekord) und das Europacup-Viertelfinale errang er weniger auf Pump als dank einer klugen Transferpolitik und der Renaissance des Trainerhaudegens Roy Hodgson.

Große Investitionen bringen große Rendite

Würde Al Fayed seinen Klub heute veräußern, dürfte er wohl mit einem stattlichen Gewinn auf seinen damaligen Kaufpreis von 22 Millionen Pfund rechnen. Andererseits hat er genug in den Verein investiert, damit ihm kein Fan eine solche Rendite übel nehmen würde. Wenn man so will, steht der als Gesamtperson durchaus zwielichtige Al-Fayed also für die erfreulichen Aspekte des freizügigen Besitzrechts im englischen Fußball.

Der Glanz der Spitze hat seine Schattenseiten

Doch nicht überall geht es so stabil zu wie im Craven Cottage am Ufer der Themse. Bereits seit Jahren haben Fans und auch manche Politiker deshalb über einen Ausverkauf des nationalen Kulturguts Fußball an global operierende Business-Multis geklagt. Immer wieder wurde diese Kritik von der Premier League mit einer einfachen Begründung abgeschlagen: Unter dem geltenden, freien Recht stieg der Klubfußball auf der Insel zum Besten der Welt auf. Diese Argumentation war allerdings insofern zweifelhaft, als die englische Hegemonie ja eher den spektakulär hohen TV-Verträgen geschuldet war als diesem oder jenen Investor. Sie verkannte außerdem, dass der Glanz an der Spitze auch seine Schattenseiten hatte. Seit Einführung der Premier League 1992 endete die Sehnsucht nach einem Platz an der Sonne für Dutzende unterklassige Klubs in der Insolvenz.

Labour-Partei will Besitzrechte neu ordnen

Jetzt scheint auf breiter Front ein Umdenken stattzufinden. Anfang der Woche wurde ein Vorhaben der regierenden Labour-Partei publik, die Besitzrechte im englischen Fußball neu zu ordnen. Die wesentlichsten Forderungen beinhalten eine Pflicht für die Vereine, bis zu 25 Prozent ihrer Anteile (und damit eine Sperrminorität für wichtige Entscheidungen) an Fangruppen auszugeben, sowie ein Vorkaufsrecht für die Anhänger, sollte ihr Klub zum Verkauf oder vor der Zwangsverwaltung stehen. Uefa-Präsident Michel Platini verkündete sogleich seine Unterstützung: "Ich halte das für eine großartige Idee."

Erstmals ein Premier-League-Verein insolvent

Auf der Insel stehen demnächst Unterhauswahlen an, und ein gutes Wahlkampfthema muss bekanntlich die Stimmung der Zeit treffen. Das tut dieses auf jeden Fall: Infolge der Weltfinanzkrise ist auch im zuvor so regulierungsfeindlichen Britannien der Wunsch nach einer Bändigung der freien Marktkräfte überwältigender Konsens. Und was konkret den Fußball betrifft, sind die hässlichen Seiten der geltenden Ordnung in den letzten Wochen besonders dramatisch zum Vorschein gekommen. Zum einen ging mit dem FC Portsmouth erstmals auch ein Premier-League-Verein insolvent. Zum anderen gab es die Umschuldung bei Manchester United, in deren Prozess eine Ramschanleihe ausgegeben und das Geschäftsgebaren der Eigentümerfamilie Glazer offenkundiger wurde als je zuvor.

Die am höchsten verschuldete Fußballfirma der Welt

Das Glazer-Regime ist der große Sündenfall in der Umarmung von Finanzkapitalismus und Fußball. Aus der reichsten Fußballfirma der Welt wurde 2005 durch die feindliche Übernahme des US-Tycoons mit einem Schlag die am höchsten verschuldete Fußballfirma der Welt. Rund 800 Millionen Euro betragen aktuell die Verbindlichkeiten; um die Kredite zu bedienen, mit denen er einst den Kauf finanzierte, zieht Glazer immer mehr Geld aus dem Klub. Die Ticketpreise stiegen unter seiner Herrschaft um über 50 Prozent.

Die "Red Knights": wohlhabende Anhänger mit edlen Absichten

Aus dem zuvor eher lauen Protest gegen Glazer ist durch die neuen Informationen ein Sturm geworden. Bereits rund 150.000 Fans sind Mitglieder einer Kampagne des "Manchester United Supporters Trust", an deren Ende der Amerikaner aus dem Klub gekauft werden soll. Dazu hat man sich mit Leuten verbündet, die sich mit so etwas auskennen: einflussreichen Bankern und Ökonomen, die mit United sympathisieren. "Red Knights", rote Ritter nennen sich die wohlhabenden Anhänger mit den edlen Absichten.

Stabile Ticketpreise bringen die Fans nicht zurück

Glazer ließ durch einen Sprecher ausrichten, er habe derzeit kein Interesse an einem Verkauf. Aber immerhin wurde jüngst auch bekannt gegeben, dass die Ticketpreise erstmals unter seinem Regiment nicht weiter steigen werden. Mit solchen Manövern bekommt Glazer die Fans allerdings bestimmt nicht mehr auf seine Seite – von den roten Rittern bekommen sie eine Beteiligung am Klub in Aussicht gestellt. Sollte es eines Tages wirklich zum Besitzerwechsel kommen, ist diese aber vielleicht auch schon gesetzlich vorgeschrieben.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Dumme Idee 
Sprung auf Hai zeugt nicht gerade von Intelligenz

Diese Aktion hätte auch gerne in die Hose gehen können. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Auf flachen Sohlen - Schuhe für die kühle Jahreszeit

Angesagte Stiefel, trendige Schnürer, klassische Stiefeletten u.v.m. jetzt entdecken bei BAUR.

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de
Sport von A bis Z

Anzeige
shopping-portal