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FC Barcelona gewinnt "El Clásico" in Madrid

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Spanien - Primera Division  

Barca hängt Real wie im Vorjahr ab

11.04.2010, 11:20 Uhr | Jonny Giovanni, t-online.de

FC Barcelona gewinnt "El Clásico" in Madrid. Barcelona bejubelt sein Führungstor gegen Real: Daniel Alves, Torschütze Lionel Messi und Xavi (v. li.). Dem gegnerischen Star Ronaldo (ganz rechts) bleibt nur das Lamentieren. (Foto: Reuters)

Barcelona bejubelt sein Führungstor gegen Real: Daniel Alves, Torschütze Lionel Messi und Xavi (v. li.). Dem gegnerischen Star Ronaldo (ganz rechts) bleibt nur das Lamentieren. (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

Sie können einem schon ein bisschen leid tun bei Real Madrid. Da gewinnen sie Spiel um Spiel, stellen einen phänomenalen Punkterekord auf und klammern sich, äußerst kreativ unterstützt durch die vereinstreuen Medien, guten Glaubens an die Hoffnung, in dieser verkorksten Saison noch wenigstens einen Titel zu gewinnen - um dann innerhalb von 90 Minuten so brutal, demütigend und definitiv aus allen Träumen gerissen zu werden. Pleite im "clásico" gegen Barcelona, erste Heimniederlage der Saison, und weil der Gegner mit einem ähnlichen Punkterekord angereist kam, aller Wahrscheinlichkeit nach: Adiós Liga!

Ultracoole Gäste

Besonders ärgerlich ist das Ganze, wenn es einem in zwei Spielzeiten nacheinander widerfährt. Zwar klingt das 0:2 von Samstagnacht etwas besser als das 2:6 aus der letzten Saison, auch bleiben heuer noch sieben statt vier Spieltage zur Korrektur, bei statt sieben nur drei Punkten Rückstand. Ansonsten aber war es eigentlich noch schlimmer als letztes Jahr. Damals zeigte ein Barça in Bestbesetzung eine historische Darbietung. Diesmal spielte ein Barça ohne Ibrahimovic, Henry, Touré, Abidal und - bis zur Schlussphase - Iniesta routiniert sein Standardprogramm herunter, als sei es zu Gast in Almería oder Pamplona und nicht in der Hauptstadt beim "Spiel des Jahrtausends", wie es die Zeitung "Marca" zuvor betitelte.

Real wie ein "limitierter Außenseiter"

Fast überflüssig zu erwähnen, dass zu diesem Standardprogramm ein Tor von Lionel Messi gehörte (33. Minute) und eine brillante Regie von Xavi, der mit wunderbaren Pässen jenes 1:0 ebenso vorbereitete wie das 2:0 durch Pedro (56.). Barça bestimmte Tempo, Rhythmus und Taktik, es ließ Real Madrid sehr gewöhnlich aussehen, auch Cristiano Ronaldo. In der ersten Hälfte spekulierten die Gastgeber auf Konter, in der zweiten versuchten sie es kurzzeitig mit der Brechstange. Beides waren Strategien eines limitierten Außenseiters, das macht es noch schwerer zu verdauen für das stolze Real Madrid. Und beides brachte nichts, das wurde auch den Zuschauern immer schmerzhafter klar. Am Ende war es gespenstig ruhig im Santiago Bernabéu, fast so still wie am Anfang bei der Schweigeminute für den verstorbenen polnischen Präsidenten (während der man sich fragte, warum die Bundesliga am Samstag eigentlich nicht zu so einer Geste der Anteilnahme in der Lage war).

Langeweile-Liga langweilt die Spanier

Insgesamt war es alles andere als ein überragendes Spitzenspiel, womit sich der "clásico" in die zunehmend nur von der Einzigartigkeit der aktuellen Barça-Mannschaft überstrahlte Tristesse des spanischen Fußballs fügte. Denn so richtig zufrieden sind auf der iberischen Halbinsel längst nicht mehr alle mit ihrer "liga de las estrellas", der "Liga der Stars". Sie ist zum einen nicht wirklich abwechslungsreich, weil der Dritte Valencia schon 21 Punkte zurückliegt. Und sie ist dieses Jahr auch international nicht mehr so stark wie sie es lange war.

Ernüchternde Bilanz

Dabei war man vor der Saison nach den spektakulären Transfers von Ronaldo, Kaká, Ibrahimovic und einer Gesamtinvestition aller Vereine von einer halbe Milliarde Euro noch fest davon ausgegangen, dieses Jahr die englische Premier League zu überholen als stärksten Fußballbetrieb der Welt. Nun sieht es so aus, dass zwar England seine Dominanz in der Champions League tatsächlich eingebüßt hat, Spanien davon jedoch nicht profitieren konnte. Atletico Madrid scheiterte sang- und klanglos in der Vorrunde, der FC Sevilla und Real Madrid (mal wieder) im Achtelfinale. Auch in der Europa League gab es ungewohnte K.o.'s gegen Teams aus Deutschland (Villarreal gegen Wolfsburg) oder gar Belgien (Bilbao gegen Anderlecht).

Reals trauriger Trainer-Verschleiss

Im Fall von Real Madrid hat das Versagen kaum rational erklärbare Gründe - außer vielleicht jenem, dass dort seit 2003 kein Trainer auch nur mal anderthalb Jahre am Stück coachen durfte. Womöglich erwischt es nach der schwachen Nummer vom Samstag zum Saisonende auch den aktuellen Amtsinhaber, Manuel Pellegrini. Nach offenbar titellos verpulverten 260 Millionen Euro im Sommer ist der Spott für die Hauptstädter in dieser Saison ein ständiger Begleiter. Vom 0:4 im Pokal gegen den Drittligisten Alcorcón über das Champions-League-Aus gegen Olympique Lyon bis zum Finale der Königsklasse, wenn sich im eigenen Bernabéu-Stadion womöglich der Erzrivale Barcelona zum erneuten Sieger krönen wird. Oder die Bayern mit dem vor der Saison aus Madrid vertriebenen Arjen Robben. Oder Inter Mailand mit dem zum selben Zeitpunkt entsorgten Wesley Sneijder.

Zwei Klubs geben drei Viertel des Geldes der gesamten Liga aus

Bei den anderen Klubs liegt der Fall etwas anders. Denn bei dem sommerlichen Hype um die spanische Liga und ihre Rekordinvestitionen wurde übersehen, dass diese eben zu über 50 Prozent auf das Konto von Real Madrid gingen und zu weiteren knapp 25 Prozent auf das von Barcelona. Der Rest der Vereine kaufte wenig bis gar nichts. Er konnte es sich nicht leisten.

Die Weltwirtschafts- ist in Spanien eine Immobilienkrise

Die Weltwirtschaftskrise hat den spanischen Fußball besonders hart erwischt, weil sie die Immobilienblase zerplatzen ließ und viele Vereine traditionell Bauunternehmern gehören oder zumindest gern Geschäfte mit Grundstücken machen. Valencia zum Beispiel hatte kalkuliert, sich über den Verkauf des innerstädtisch gelegenen Stadions Mestalla zu sanieren und dafür auf billigerem Bauland außerhalb der Stadt eine neue Arena zu errichten. Jetzt findet man keinen Käufer mehr für Mestalla und bekommt auch keine Kredite für den Neubau. Bei rund 600 Millionen Euro Schulden muss man sich im Sommer wohl endgültig von seinem Tafelsilber trennen, den Weltklasseprofis David Villa und David Silva.

Schulden ohne Ende

Nach Berechnung des Finanzexperten José María Gay betragen die Schulden der gesamten spanischen Liga 3,5 Milliarden Euro - wobei neben den 600 Millionen Euro von Valencia rund 800 Millionen Euro auf Real Madrid und jeweils rund 300 Millionen auf Barcelona und Atlético Madrid entfallen. Diese großen Vereine werden nicht pleite gehen, weil sie notfalls von der regionalen Politik gestützt werden, an ihnen hängen Millionen Fans und damit Wähler. Doch es gibt zahlreiche, oft durchaus namhafte Klubs, die in den letzten zwei Jahren eine Insolvenz anmeldeten: Celta de Vigo, Sporting Gijón oder Real Sociedad San Sebastián zählen dazu. Es gibt diese Klubs trotzdem noch, weil das Insolvenzrecht es ihnen erlaubt, relativ schnell und unbürokratisch wieder von vorn anzufangen.

Ein Spielerstreik droht

Wenig lustig finden die Spieler diese Regelung, weil sie auf diese Art oft um ihre Gehälter gebracht werden. Die Zahlungsmoral der Vereine ist insgesamt ein großes Problem, so manche Fußballer der unteren Profikategorien können bisweilen kaum noch ihre Familien ernähren oder die Miete bezahlen. Die Spielergewerkschaft droht deshalb für das nächste Wochenende mit Streik in allen Profiligen - wenn nicht ein Schlichtungsgespräch am Montag mit Verband und Ligavereinigung eine schnelle Lösung bringt.

Fußball-Patriarchat

Die Wirtschaftskrise hat allerdings auch nur verschärft, was seit Dekaden wabert. Um die latenten Schuldenprobleme der Klubs zu beheben, wurden bereits 1992 alle Vereine außer Real Madrid, Barcelona, Osasuna und Athletic Bilbao gezwungen, sich in Aktiengesellschaften umzuwandeln. Doch die Sache wurde dadurch eher noch verschlimmert. Die Patriarchen des spanischen Fußballs herrschen weiter feudal und häufig unsolide, nur eben mit Anteilsmehrheit. Und jetzt können sie nicht mal mehr abgewählt werden.

Kein steuerlicher Vorteil mehr

Wie es andererseits funktioniert, wo noch gewählt werden darf, erlebte man zuletzt im Vorjahr bei Real Madrid. Da versprach Florentino Pérez so viele neue Superstars, dass er letztlich per Akklamation zurückgeholt wurde. Pérez hat Wort gehalten, aber auch die Verpflichtung von Ronaldos oder Kakás wird in Zukunft nicht leichter. Denn die spanische Regierung hat eine Verordnung aufgehoben, wonach ausländische Spitzenverdiener nur mit 23 Prozent statt 43 Prozent besteuert werden - es hatte sich herausgestellt, dass über die Hälfte der Begünstigten aus der Gruppe der Fußballprofis stammte. Kein sehr freundliches Panorama also für Madrid, doch vielleicht wäre eine bescheidenere Einkaufspolitik gar nicht so schlecht. Irgendetwas müssen sie ja ändern, wenn sie mal wieder Barcelona schlagen wollen.

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