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Serie A: Der Titelkampf zwischen Inter und der Roma mutiert zum Ersatzkrieg

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Serie A - Der Krieg um den Scudetto  

Großes Fußballtheater im Land der Gladiatoren

14.05.2010, 19:38 Uhr | t-online.de, t-online.de

Serie A: Der Titelkampf zwischen Inter und der Roma mutiert zum Ersatzkrieg. Romas Kapitän Francesco Totti ist heiß auf das finale Fern-Duell um die Meisterschaft mit Inter Mailand. (Foto: imago)

Romas Kapitän Francesco Totti ist heiß auf das finale Fern-Duell um die Meisterschaft mit Inter Mailand. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Von Jonny Giovanni
Der letzte Spieltag steht an in der italienischen Serie A. Am Sonntag um 17 Uhr ist alles vorbei - auch der Titelkampf zwischen Inter Mailand und dem AS Rom. Zumindest auf dem Fußballplatz, denn danach wird es bestimmt noch das eine oder andere zu klären geben. In England mögen die Spiele schneller sein, in Spanien die Kombinationen feiner, in Deutschland die Stadien voller. Aber was die Theatralik angeht, die Inszenierung des ganzen Schauspiels Fußball, da macht der Serie A keine Liga Europas etwas vor.

Seit Mourinho ist nur noch mehr los

Seit Sommer 2008 hat das Land der Skandale und Verschwörungstheorien, von calciopoli und rigorino, das Land der endlosen Fernsehdebatten über Fußball, der drei großen nationalen Sporttageszeitungen und unzähligen Vereinsradios seine Führungsrolle sogar noch ausgebaut. In jenem Sommer nämlich kam der talentierteste Schauspieler dieser Epoche auf die Bühnen von Turin bis Palermo - José Mourinho wurde Trainer von Inter Mailand.

Reals Fans lehnen Mourinho von vornherein ab

Seitdem hat er in so vielen Varianten sein oberstes Gesetz zum Besten gegeben ("Ich bin der Beste"), dass selbst die ihrerseits wahrlich nicht unkreativen Italiener nur den Hut ziehen können - obwohl er ihnen bei ebenfalls nicht seltener Gelegenheit mitteilt, dass es ihm anderswo schon besser gefallen hat als in Bella Italia. Vielleicht geht er nächste Saison zu Real Madrid, es wäre eine merkwürdige Geschichte. Denn dort, so Umfragen, wollen ihn zwei Drittel der Fans nicht haben, zu hässlich und defensiv finden sie seinen Fußball. In seiner aktuellen Heimat dagegen hat sich an einem ermauerten 1:0 noch nie wer gestört.

Uralte Rechnungen

Das Problem in Italien ist bekanntlich ein anderes - die Fangewalt. Diese mag zwar, um eine beliebte Phrase aus Deutschland einzubringen, "mit Fußball nichts zu tun haben". Mit dem "calcio" hat sie aber sehr wohl etwas zu tun, fanden zuletzt immer mehr Beobachter. Seit dem knüppelharten Pokalfinale zwischen Inter und der Roma (1:0) samt brutaler Attacke von Roma-Kapitän Francesco Totti auf Mario Balotelli ist das Thema Vorbildwirkung mal wieder in den Vordergrund gerückt. Die römische "La Repubblica" veranlasste Tottis Begründung für seine Hetzjagd, es habe sich um eine Revanche für Äußerungen des Inter-Spielers aus einem vorherigen Duell gehandelt, zur Feststellung: "Das Verhältnis zwischen Champions sollte nicht die Fehde von San Luca sein, in der eine 16 Jahre alte Provokation ein Blutbad in einer deutschen Pizzeria auslöst."

Verfeindet bis aufs Messer

Der ewig vereinstreue - und außerhalb des Platzes übrigens sozial vorbildlich engagierte - Totti mag unter den Spielern eine Ausnahme darstellen, wenn er seinen Klub und dessen Fans als "Volk" bezeichnet. Bei den Ultras jedoch ist es normal, sich als moderne Stammeskrieger zu verstehen und Vergangenes nicht zu vergessen. Das Spiel zwischen Genua und dem AC Milan fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, aus Angst vor schweren Krawalle. Seit vor 15 Jahren der Genueser Fan Claudio Spagnolo von einem Milan-Tifoso erstochen wurde, sind die beiden Kurven buchstäblich bis aufs Messer verfeindet.

Öl ins mühsam ausgetretene Feuer

Und da liegt auch die Crux mit Mourinho, sagen jene, die ihn kritisch sehen. Anders als in England trifft er in Italien nicht auf eine geglättete, befriedete Fußballkultur - weshalb seine Provokationen folgenreicher sein können. Roma-Trainer Claudio Ranieri warf Mourinho neulich vor, "Zeitbomben zu zünden" - auch, weil der Portugiese dem bereits abgestiegenen AC Siena unterstellt hatte, eine Extrasiegprämie für einen Sieg am letzten Spieltag gegen Inter ausgerufen zu haben und der Roma, da womöglich noch etwas drauf zu legen. Solche Zahlungen sind in Italien seit dem Manipulationsskandal verboten, Mourinho wird sich wegen seiner Verdächtigungen noch vor einer Verbandskommission erklären müssen. 

Moderne "Gladiatoren"

Allerdings war die moralische Legitimation Ranieris nach dem wüsten Getrete seiner Spieler im Pokal auch nicht gerade tadellos. Der Coach soll die ohnehin ausgesprochen motivierten Kicker vor dem Finale im eigenen Stadion mit einer Filmvorführung von "Gladiator" noch weiter aufgepuscht haben – was Mourinho in seiner Replik genüsslich ausbreitete: "Die Spieler sind Profis, keine Kinder. Wenn ich meiner Mannschaft vor dem Spiel 'Gladiator' zeige, fangen sie an zu lachen oder rufen den Arzt, um zu fragen, ob ich krank bin."

Ranieri vs. Mourinho

Dabei beließ es Mourinho nicht, denn Ranieri ist seit seiner Ankunft in Italien das Lieblingsopfer seiner Sottisen. Beide verbindet eine solide Feindschaft, seit Ranieri 2004 zugunsten von Mourinho bei Chelsea entlassen wurde. Wozu der Portugiese nun genüsslich anmerkte: "Zweifelsohne ist es nicht meine Schuld, dass sie mir damals bei Chelsea auf meine Frage, warum Ranieri entlassen worden sei, antworteten, dass sie etwas gewinnen wollten und das mit ihm nie passiert sei. Daran trifft mich absolut keine Schuld."

Wieviel Schauspiel brauchen die Tifosi?

Es ist eigentlich ein höchst unterhaltsames Schauspiel, das sich die beiden da liefern. Aber leider reicht diese Form der Unterhaltung nicht allen, die in Italien zum Fußball gehen.

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