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FC Barcelona: Streit hinter den Kulissen

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Machtgerangel beim FC Barcelona

13.09.2010, 13:10 Uhr | t-online.de, t-online.de

FC Barcelona: Streit hinter den Kulissen  . Die Umarmung trügt: Der alte Präsident des FC Barcelona Joan Laporta (re.) und Nachfolger Sandro Rosell sind schon lange keine Freunde mehr. (Foto: imago)

Die Umarmung trügt: Der alte Präsident des FC Barcelona Joan Laporta (re.) und Nachfolger Sandro Rosell sind schon lange keine Freunde mehr. (Foto: imago)

Von Jonny Giovanni
Johan Cruyff hat es mal wieder geahnt. In seiner wöchentlichen Zeitungskolumne für "El Periódico de Catalunya" schrieb er vorigen Montag: "Ich hoffe, mich zu irren, aber es gibt zu viel Lärm im außersportlichen Bereich, der mich zumindest vorsichtig sein lässt in den Prognosen für die Zukunft. Entweder das hört auf und die Hauptrolle gehört wieder dem Sportlichen, oder es wird langfristig auch das Geschehen auf dem Spielfeld beeinflussen."
Nun, um exakt zu sein, hat es Cruyff nicht ganz geahnt. Denn der FC Barcelona, über den er wie immer schrieb, leistete sich auf dem Spielfeld schon sehr kurzfristig einen kapitalen Aussetzer. Gegen Hércules Alicante, einen Aufsteiger, gab es am Samstag die erste Liga-Heimniederlage seit 16 Monaten. Und das Erstaunlichste daran: Sie war nicht eines dieser kuriosen Ergebnisse gegen alle Tendenzen des Spielverlaufs, wie es alle paar Jubeljahre eben mal vorkommt. Nein, sie war verdient und angemessen. Und damit lärmt es jetzt vor dem Champions-League-Auftakt gegen Panathinaikos Athen in allen Bereichen.

Das Erbe Laportas

Aber zurück zu Cruyff. Der Niederländer, als ehemaliger Spieler und Trainer sowie stilistische Inspirationsquelle des Klubs natürlich ein kompetenter Barçaologe, spielte mit seiner Bemerkung auf die Schlammschlacht um das Erbe von Ex-Präsident Joan Laporta an. Durch – wahrscheinlich – gezielte Indiskretionen aus dem Lager des aktuellen Vereinsbosses Sandro Rosell wurde in den letzten Wochen der Eindruck befeuert, dass der Neue bei seiner Übernahme von Laporta eine horrende finanzielle Lage vorfand. Darüber hinaus wurden zahlreiche Details über den verschwenderischen Regierungsstil von Laporta und seiner Entourage lanciert. Privatjets, Geschenke, solche Sachen.

Laporta, erfolgreichster Klubpräsident der Vereingeschichte, aber wegen seiner cholerischen Art und seines bisweilen aggressiven Katalanismus stets umstritten, wollte sich gegen die Anschuldingungen bei der nächsten Mitgliederversammlung wehren. Vor allem wollte er die ökonomische Bilanz seiner Amtszeit verteidigen, elf Millionen Euro plus laut letzter Abrechnung seiner Präsidentschaft, und nicht 77 Millionen minus wie von Rosell behauptet. Doch dessen Sprecher erklärte vorige Woche, Laporta werde auf der Versammlung nicht die Gelegenheit zu einer Erklärung bekommen. Er dürfe sich aber selbstverständlich wie jedes andere Mitglied in der Fragestunde zu Wort melden.

Moralischer Neuanfang oder Rachefeldzug?

Daneben will Rosells Equipe einen Ethikkodex für alle Mandatsträger im Verein einführen. So soll beispielsweise untersagt werden, "irgendeine Art von Kommissionen einzustreichen", "Familienmitglieder einzustellen" oder "Klubkreditkarten mit exzessiven Ausgaben zu belasten". Alle diese Punkte wurden Laporta schon einmal vorgeworfen, und so wirkt, was vorgeblich als moralischer Neuanfang daherkommt, doch vor allem wie ein Rachefeldzug.

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Dass es zu diesem kommen würde, war eigentlich in dem Moment klar, als Rosell die Wahlen zur Nachfolge des satzungsgemäß nach zwei Amtszeiten ausgeschiedenen Laporta gewonnen hatte. Denn die beiden Alphatiere – Anwalt Laporta und Geschäftsmann Rosell – sind seit Jahren aufs Bitterste verfeindet. Dabei standen sie sich mal besonders nahe, sie galten sogar als Freunde, als sie 2003 zum Präsidenten und Vizepräsidenten gewählt wurden. Laportas politisches Talent und Rosells gute Kontakte insbesondere zu südamerikanischen Spielern leiteten Barças goldene Epoche der letzten Jahre ein. Doch schon nach wenigen Monaten gemeinsamen Arbeitens kam das Zerwürfnis – nicht zuletzt, weil Laporta schon bald wesentlich mehr auf einen gewissen Johan Cruyff hörte als auf seinen Vizepräsidenten. Als sich zudem herausstellte, dass er mit seinen Entscheidungen meist Recht hatte, wurde Rosell endgültig marginalisiert. 2005 trat er entnervt zurück.

Seitdem zog er informell gegen Laporta die Fäden. Seitdem unternahm dieser aus dem Klub heraus alles, um Rosell zu diskreditieren. Im Wahlkampf, als Laporta eine Gegenkandidatur gegen Rosell unterstützte und zu diesem Zwecke sogar Präsidiumsmitglieder ausspionieren ließ, artete das Ganze endgültig aus. Selbst eine für die Mitglieder und Fans unbestritten verdienstvolle Figur wie Cruyff wurde zum Streitobjekt. Als Laporta den Holländer vor einigen Monaten zum Ehrenpräsidenten ernannte, erwiderte Rosell, die Auszeichnung sei illegal. Er werde das Thema nach einem Wahlsieg den Mitglieder vorlegen.

Cruyff bleibt der König

Cruyff ist dann kurz nach Rosells Amtsübernahme von sich aus zurückgetreten. König Johan braucht kein Amt, um in Barcelona gehört zu werden. Er hat ja zum Beispiel die Zeitungskolumne. In der kritisierte er vorige Woche auch, dass der Klub gegen den Willen von Trainer Pep Guardiola den ukrainischen Innenverteidiger Dmytro Chygrnyskiy nach einem Jahr schon wieder verkaufte. Wiederum stellte sich sein Mahnen als prophetisch heraus. Wegen der Verletzung von Kapitän Carles Puyol musste Guardiola gegen Alicante den gelernten Außenverteidiger Eric Abidal in die Abwermitte stellen – der Franzose trug bei den zwei Gegentreffern von Nelson Valdéz erhebliche Mitschuld.

Sandro Rosell hat übrigens vor ein paar Wochen versucht, sich mit Cruyff zu arrangieren. Er fuhr dafür extra in dessen Golfklub. Aber wer König Johan einmal verärgert hat, braucht keine Absolution mehr zu erwarten. Rosell musste ohne Ergebnis wieder abreisen, und er wusste wohl spätestens in diesem Moment, wie schwer seine Amtszeit werden dürfte. Den mächtigsten Kritiker beim FC Barcelona hat er schon zu ihrem Anfang verloren.

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