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Kevin-Prince Boateng - Ein "Straßenköter" geht seinen Weg

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Kolumne - Weltklasse  

Kevin-Prince Boateng - Ein "Straßenköter" geht seinen Weg

21.09.2010, 15:50 Uhr | Jonny Giovanni, t-online.de

Kevin-Prince Boateng - Ein "Straßenköter" geht seinen Weg. Kevin-Prince Boateng ist über Umwege beim AC Milan gelandet. (Foto: imago)

Kevin-Prince Boateng ist über Umwege beim AC Milan gelandet. (Foto: imago)

Von Jonny Giovanni

Über das Epochenfoul von Kevin-Prince Boateng an Michael Ballack beim englischen Pokalfinale ist längst alles gesagt. Aber wer hätte schon gedacht, dass beider Karrieren ab jenem Maitag im Londoner Wembleystadion so entgegengesetzt verlaufen würden? Und zwar jeweils in die andere Richtung, als zu vermuten war? Während die Überfigur Ballack in der Provinz bei Leverkusen landete, vom eigenen Nationaltrainer demontiert wird und sich zu allem Überfluss erneut verletzte, ist der vermeintliche Straßenköter Boateng in den letzten Wochen zu einem der besten Mittelfeldspieler Europas aufgestiegen. Nach seiner starken WM überzeugt er nun auch bei seinem neuen Klub – dem großen AC Milan.

Wie schon beim 2:0 in der Champions League gegen Auxerre verdiente sich KPB auch beim insgesamt enttäuschenden 1:1 am Samstag gegen Catania die besten Noten. In die notorisch altersschwere Truppe des AC bringt der 23-Jährige wichtige Vitalität und Einsatzbereitschaft ein, aber auch seine sonstigen Qualitäten wie Passsicherheit, Raumgefühl und Dribbelstärke. So kurios sein Weg nach Mailand auch war (eigentlich hatte ihn der FC Genua aus Portsmouth gekauft, dann aber noch am selben Tag weiter verliehen), so golden kündigt sich nun seine Zukunft an. Schon nach seinen zwei Heimspielen gilt der kampffreudige Boateng als neuer Fanliebling und spiritueller Nachfolger von Gennaro Gattuso. Und wenn die Ballack-Tragödie eines wohl nicht allzu fernen Tages ad acta gelegt wird, dürfte auch in Deutschland der andere Beteiligte an jenem Foul verstärkt ins Blickfeld rücken – verbunden mit der Frage, wie man ihn bloß nach Ghana ziehen lassen konnte.

Die Antwort lautet, dass er in den Jugendmannschaften des DFB als Problemkind galt, als unerziehbar. Gut möglich, dass auch Ronaldinho, Robinho und Zlatan Ibrahimovic nie das deutsche Trikot übergezogen hätten, wären sie hier geboren worden. Auch sie gehören ja zu diesen Spielern, die zwischen Genie und Wahnsinn oszillieren und so ihre Probleme haben mit einem strikten Verständnis von Disziplin. Die beiden Brasilianer sehen einfach nicht ein, warum nächtliche Partys nicht zum Idealverhalten eines Profis gehören. Und der schwedische Hüne Ibrahimovic ist von so einschüchternder Egozentrik, dass er sogar seinen eigenen Trainern bisweilen Angst macht. Sie sagen ihm deshalb lieber erst gar nichts

Das Verrückten-Quartett

Ronaldinho, Robinho, Ibrahimovic, Boateng – maximal einen Verrückten kann sich ein Verein leisten, würde das Fußball-Handbuch wohl sagen. Doch der AC Milan gehört einem noch viel Verrückteren, nämlich Silvio Berlusconi – und der leistet sich gleich alle vier. Ronaldinho ist schon länger da, wie er vor zwei Jahren wurde nun auch Ibrahimovic vom FC Barcelona angeworben – beide hätten die Katalanen auch mit der Kutsche nach Mailand gefahren, so dringend wollten sie sie loswerden. Gleiches galt für Manchester City, das Robinhos permanentes Genörgel nicht mehr ertragen konnte. Böse ausgedrückt, ist der AC Mailand also ein Resozialisierungszentrum für besonders schwere Fälle. Wohlwollender formuliert, stellt er jetzt die glamouröseste Mannschaft des Kontinents.

Trotz des holprigen Saisonstarts mit vier Punkten aus drei Spielen könnte das Ganze durchaus funktionieren. Boateng scheint seit seinem Wechsel zu Ghana in eine Phase der Läuterung eingetreten zu sein; er wirkt jetzt ambitioniert, aber nicht divenhaft, er ist jung und hoch motiviert. Ronaldinho wiederum trägt nach behutsamer Aufbauarbeit im Trainingszentrum von Milanello wieder so etwas wie einen normalen Sportlerkörper über den Platz, und hat, genauso wichtig, sein Lachen wieder gefunden. Beides zusammen ergibt einen Spieler, der im Alter von 30 nicht mehr so dynamisch ist wie zu besten Zeiten, aber wieder ähnlich unvorhersehbar und trickreich, bereit also für die besonderen Momente. Neben Boateng war er gegen Auxerre und Catania bester Milan-Spieler.

Chef-Exzentriker Ibrahimovic

Auch Ibrahimovic hat schon denkwürdige Auftritte hingelegt seit seiner Rückkehr nach Mailand, wo er früher beim Lokalrivalen Inter kickte. Gegen Auxerre erzielte er beide Tore und legte sich danach mit Arrigo Sacchi an. Der Ex-Trainer, Architekt der großen Milan-Elf der späten 1980er-Jahre, hatte sich als Experte im Fernsehstudio einen Scherz über Ibrahimovic’ Schuhgröße erlaubt, scheinbar harmlos. Doch der Schwede, live zugeschaltet, erinnerte sich an frühere Kritiken und empfahl Sacchi, „den Mund zu halten“. Danach stritten beide live im TV und wenn man bedenkt, dass Ibrahimovic ein paar Tage zuvor schon dem Teamkollegen Strasser im Training einen nur von ihm als scherzhaft empfundenen Kungfu-Kick verpasste, ergibt sich als Zwischenfazit: er hat nicht allzu lange gebraucht, um nach einem Jahr Exil in Katalonien gleich wieder die Spitzenposition unter den Enfants terribles der Serie A zurückzuerobern.

Bleibt Robinho, und der soll am Mittwoch im Spiel bei Lazio erstmals von Beginn an auflaufen. Damit wäre das Exzentriker-Trio komplett. Möglich, dass sie miteinander klar kommen, möglich auch, dass sich Spieler wie Andrea Pirlo, 31 Jahre alt, Clarence Seedorf, 34, oder Alessandro Nesta, 34, noch einmal zu einer letzten großen Saison aufschwingen. Man sollte Milan besser auf der Rechnung haben. Gerade in der Champions League wurden die vermeintlichen Rentner schon öfters in den Ruhestand verabschiedet und fanden dann doch wieder einen Jungbrunnen. A propos: Das Tor gegen Cesena erzielte ein ganz alter Bekannter – Pippo Inzaghi, mittlerweile 37 Jahre alt.

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