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England: Ex-Star Gascoigne wird Trainer in der achten Liga

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England - 8. Liga  

Gascoignes letzte Chance in Liga acht

01.10.2010, 18:30 Uhr | sid, sid

England: Ex-Star Gascoigne wird Trainer in der achten Liga. Paul Gascoigne hat endlich wieder gut lachen. (Foto: imago)

Paul Gascoigne hat endlich wieder gut lachen. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Genau 20 Jahre, nachdem Englands schlampertem Mittelfeld-Genius Paul Gascoigne bei der WM in Italien der internationale Durchbruch glückte, neigt sich ein langer Leidensweg des 43-Jährigem seinem Ende entgegen: In Garforth, in der achten englischen Liga, könnte die neue Erfolgsgeschichte des oft allzu lebenslustigen Ex-Stars ihren Anfang nehmen. "Gazza" wird dort Teammanager. "Ich habe bestimmt zehn Mal das Tempolimit gebrochen, um so schnell wie möglich nach Hause zu kommen und meinem Vater zu erzählen, dass ich wieder einen Job im Fußball habe", jubelte der 57-malige Nationalspieler voller Stolz.

Gascoigne glänzte im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts als Jahrhunderttalent der Engländer, ehe er im vergangenen Jahrzehnt übel abstürzte. Abseits des Fußballplatzes kam Gascoigne schon vor seinem Karriereende vor beinahe sechs Jahren nicht klar. Es ist noch nicht lange her, dass der Ballkünstler im Pub Bier für Plüschpapageien bestellte. Englands gefallener Star mit Hang zum Exzess bildete sich ein, Schach mit George W. Bush zu spielen, mehrmals stand er mit einem Bein im Grab.

Die letzte Chance

Nun erhält "Gazza" eine neue Chance als Teammanager von Garforth Town. Wahrscheinlich weiß auch Gascoigne, der sich als "trockener Alkoholiker" bezeichnet, dass der Vorortklub von Leeds in der Northern Premier League, Division One North, der letzte Ausweg in eine bessere Zukunft ist. "Ich fühle mich sehr gut. Für mich ist das eine große Herausforderung. Ich möchte helfen, den Klub und die Spieler voranzubringen", sagte der frühere Legionär in Italien, Schottland und gar China.

Ganz unten

Alkohol, Kokain, Depressionen und seine Spielsucht hatten einen der besten Fußballer der 90er Jahre in ein körperliches und seelisches Wrack verwandelt. "Gascoigne ging durch die Hölle, aber er ging immer weiter", sagte Garforth Towns Präsident Simon Clifford über den WM-Vierten von 1990. Und damit hat er wohl Recht. Mehrmals wurde Gascoigne von der Polizei verhaftet und in die Psychiatrie eingeliefert, er machte Entziehungskuren, gestand einen tätlichen Angriff auf seine Ex-Frau Sheryl. Zwei Mal musste er sich wegen bei Magengeschwüren Not-OPs unterziehen, finanziell steht er angeblich vor dem Bankrott.

Wegen Trunkenheit in Kettering als Coach entlassen

Seine legendären Auftritte bei der WM in Italien, seine Tränen auf dem Spielfeld, als er nach einer Gelben Karte im Halbfinale gegen Deutschland für das Endspiel gesperrt gewesen wäre - alles lange vorbei... In seinem letzten Job an der Seitenlinie des damaligen Sechstligisten Kettering Town hielt er sich 2005 nur sechs Wochen. Er wurde entlassen, weil er angeblich betrunken zum Training erschien - Gascoigne bestreitet dies vehement.

Obdachloser Konsolenjunkie mit Hang zum Trinken

Danach schrieb "Gazza" nur noch Negativschlagzeilen. Anfangs reagierte die Öffentlichkeit noch belustigt, später gab es - besonders als, er 2008 von der Polizei "in einem verstörten Zustand" aufgefunden und erneut in die Psychiatrie eingewiesen wurde - nur noch Mitleid. Der ehemalige Spieler von Newcastle United, Tottenham Hotspur, Lazio Rom und den Glasgow Rangers berichtete selbst, dass er in seiner schlimmsten Krisenzeit keine eigene Wohnung besessen habe. Er lebte in Hotel-Zimmern, aus denen er regelmäßig rausgeworfen wurde. "Ich habe mir eine Spielkonsole gekauft, 24 Stunden am Tag gespielt und Alkohol getrunken", sagte Gascoigne.

Bizarre Rauscherlebnisse hätten sich mit Zusammenbrüchen abgewechselt. "Eines Tages habe ich meinen Vater angerufen und ihm gesagt: Mach dich fertig, wir gehen in den Madison Square Garden. Dort spielen wir Schach gegen Präsident Bush und Präsident Clinton. Dann habe ich meinen Vater noch einmal angerufen und erzählt, dass Bush abgesagt hätte", erzählte Gascoigne. Zudem habe er sich Papageien aus Plüsch gekauft und sich mit der Zeit eingebildet, die Stofftiere könnten sprechen. Eines Tages ging er in eine Bar und bestellte drei Bier, "eins für mich und zwei für die Papageien".

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