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Chile: Ex-Fußballstar Lobos möchte nach Rettung aus Grube zurück auf den Platz

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Chile  

Kumpel Lobos möchte wieder Trainer sein

10.10.2010, 09:48 Uhr | dpa, dpa

Chile: Ex-Fußballstar Lobos möchte nach Rettung aus Grube zurück auf den Platz. Einer von 33 chilenischen Helden, nach 69 Tagen gerettet aus über 600 Metern Tiefe: Ex-Nationalspieler Franklin Lobos. (Foto: dpa)

Einer von 33 chilenischen Helden, nach 69 Tagen gerettet aus über 600 Metern Tiefe: Ex-Nationalspieler Franklin Lobos. (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Franklin Lobos ist nicht erst durch das Grubenunglück in seiner chilenischen Heimat ein prominenter Mann geworden. Immerhin kann der 53-Jährige auf 86 Erstligatore in nur 144 Partien in Chile verweisen. 1984 half der Freistoßspezialist zudem mit, Chile zu den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles zu bringen. Schon Ende 2008 bezeichnete das chilenische Fußball-Online-Magazin "La Romperion" Lobos als unsterblich. Angesichts der dramatischen Vorgänge der vergangenen drei Monate in der Atacama-Wüste wirkt diese Schlagzeile wie eine Vorhersehung und wird gerne aus dem Archiv geholt.

Lobos ist einer der 33 im August noch totgeglaubten Bergleute, die nach 69 Tagen aus knapp 700 Metern Tiefe aus der San-José-Mine gerettet wurden. Eine extra angefertigte Kapsel beförderte alle Eingeschlossenen durch einen eigens gebohrten Zugang zurück ans Tageslicht.

Das schwerste Spiel des Lebens gewonnen

Darunter war auch Lobos: "Das war das schwerste Spiel meines Lebens, und ich habe es gewonnen", stöhnte der zweifache Vater, nachdem er als 27. Kumpel der Rettungskapsel entstiegen war. Seine 25-jährige Tochter Carolina hatte einen Ball mitgebracht. Lobos gab damit spontan Kostproben seiner Technik.

Umarmung durch den Staatspräsidenten

Während Carolina vor Freude weinte, zitterte und "Papa, ich liebe dich" schrie, wurde Lobos von Staatspräsident Sebastián Piñera umarmt und mit den Worten empfangen: "Willkommen im Leben!". "Das war Lobos wichtigster Aufstieg", schrieb "La Romperion" in Anspielung auf die vielen Vereine, die der ehemalige offensive Mittelfeldspieler von der 2. in die erste Liga Chiles geführt hatte.

Sehnsucht nach der Fußballbühne

Während nicht wenige Unglückskollegen nach der Bergung wohl von Hollywood-Filmen träumen, macht der Ex- und Neu-Star Lobos keinen Hehl daraus, dass er nach jahrelanger Arbeit als Taxi-, Bus- und Kumpel-Fahrer wieder auf die große Fußballbühne zurück möchte. Der nahe der Unglücksmine San José ansässige Club Deportes Copiapó will die Ausbildung zum Trainer finanzieren. "Ich hoffe, dass Franklin sich wieder dem Sport beruflich widmen kann", sagt Kumpelsohn und Fußball-Legende Ivan Zamorano.

Vor über 20 Jahren noch stärker als Zamorano

Um das Leben von Lobos hatte auch Zamorano gezittert. Der ehemalige Torjäger von Real Madrid war am Anfang seiner Karriere beim Club Cobresal von Lobos auf die Ersatzbank verdrängt worden. Trotz der Konkurrenzsituation wurden beide Freunde. "Er war der Star, ich kam nur ab und zu Mal zum Einsatz. Erst später, 1989, haben wir Seite an Seite gespielt", erinnert sich Zamorano, der die Rettungsaktion in Mexiko live am Fernsehschirm verfolgte.

Noch vor der Bergung hatte Zamorano den Kampfwillen von Lobos hervorgehoben. "Dort unten hat er sich sicher wie früher auf dem Platz verhalten. Er war temperamentvoll, hat die Führung übernommen und seinen Mannschaften immer den Weg gewiesen".

Freistöße mit der Gewalt von Mörsern

Lobos brachte es zum Nationalspieler, stand im Team, das sich für die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles qualifizierte. Aufgrund seiner präzisen Freistöße wurde Lobos "Magischer Mörser" getauft. In 144 Erstligaspielen schoss er 86 Tore. Zamorano staunt noch heute: "Das habe ich so nie gesehen. Er traf den Ball irgendwie extrem mit dem Knöchel".

Dass es Lobos nicht zu mehr Länderspielen und zu Berühmtheit außerhalb der chilenischen Grenzen geschafft hat, liegt wohl daran, dass er der Tradition der südamerikanischen Fußball-Regisseure folgte und sich auf dem Platz nur ungern quälte.

Traditionelle Verbindung zwischen Fußball und Bergbau

Nach der Fußballer-Karriere musste Lobos Geld verdienen. "Franklin war auf die tausend Dollar (rund 700 Euro), die er als Minenfahrer verdiente, angewiesen", erzählt Neffe William. In den chilenischen Minen arbeiten zahlreiche Profis früherer Jahre. Besitzer von Kupferminen engagieren sich in Chile traditionell als Clubsponsoren. Cobreloa gewann zwischen 1980 und 1992 fünf Titel, Cobresal wurde 1987 chilenischer Pokalsieger.

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