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Das Drama um Manchester United

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Rooney-Konflikt ist das Resultat vieler Probleme

20.10.2010, 15:18 Uhr | t-online.de, t-online.de

Das Drama um Manchester United. Das Verhältnis von Wayne Rooney und Alex Ferguson ist gestört. (Foto: imago)

Das Verhältnis von Wayne Rooney und Alex Ferguson ist gestört. (Foto: imago)

Kolumne von Jonny Giovanni

Die englischen Medien, das ist nichts Neues, neigen zu Übertreibung und Hype. Wie vorige Woche schon der Übernahmekampf beim FC Liverpool, so ließ sich nun auch das Drama um Manchester United, Alex Ferguson und Wayne Rooney per Live-Ticker verfolgen. Doch es ist sehr gut möglich, dass Fußball-Historiker die minutiösen Berichte noch einmal als sehr nützlich erachten werden. Wenn sie eines Tages das Ende einer Großmacht dokumentieren.

Nicht übertrieben erscheint nämlich, was viele Kommentatoren in der bevorstehenden Desertion Rooneys erblicken – den ultimativen Schlag für einen bereits seit längerem taumelnden Klub. Wie der sonst so kantige Trainer Ferguson auf einer emotionalen Pressekonferenz einräumte, will Rooney den Verein schnellst möglich verlassen. Damit geht nicht nur der beste Stürmer des Kaders, sondern auch der letzte verbliebene Star. Das weltweite Gesicht Uniteds, ein 24-Jähriger mit noch viel Zukunft, ein Einheimischer zumal.

Rooneys Goodbye ist noch schlimmer als das von Cristiano Ronaldo vorigen Sommer. Weil es angesichts nur noch anderthalb Jahren Vertragslaufzeit nicht wieder 94 Millionen Euro in die Kassen spülen wird. Und weil es schonungslos die Realität offenbart.

Aus profitabel wird verschuldet

Manchester United – das war mal ein riesiger Profitcenter für alle Beteiligten. Der erste Fußballklub, der an der Londoner Börse gehandelt wurde, der erste, der richtig Geld machte. Pionier in Merchandising und Marketing. Auch sportlich konnte es kaum einen besseren Arbeitsplatz geben für Spieler, die hungrig nach Titeln waren. Elf Meisterschaften wurden in den letzten zwei Dekaden gewonnen und zweimal die Champions League.

2005 kamen die Glazers. Mit einer auf Pump finanzierten Übernahme erstritten sie die Aktienmehrheit und nahmen den Klub von der Börse. Die Kosten wälzten sie auf den Verein ab – als hätte der irgendeinen Vorteil davon, nun einer amerikanischen Spekulantenfamilie zu gehören. Das zuvor kerngesunde United ist heute mit über 700 Millionen Pfund verschuldet. Über 40 Millionen gehen jährlich allein für Zinszahlungen drauf. Vor zwei Wochen wurden die Zahlen für das letzte Geschäftsjahr bekannt gegeben: 80 Millionen Pfund minus.

Der Kader braucht Verstärkungen

Seit 2005 gab United im Schnitt nur rund vier Millionen Pfund pro Saison mehr für Transfers aus, als es einnahm – eine lächerliche Summe für einen Verein dieser Größe. Der Kader wurde seit langem nicht mehr substanziell verstärkt. Dass United mit drei Meisterschaften zwischen 2007 und 2009 sowie der Champions League 2008 dennoch eine der erfolgreichsten Epochen seiner Geschichte durchlebte, war einem Gerüst von Spielern zu verdanken, die schon vor Glazer das teufelsrote Trikot trugen: Torwart van der Sar, Abwehrchef Ferdinand, die Routiniers Scholes, Giggs und Neville, sowie, klar, Ronaldo und Rooney.

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Ferguson steht über allen

Und es war natürlich Sir Alex Ferguson zu verdanken. Dem 68-jährigen Schotten, seit unfassbaren 24 Jahren Manager von United, gelang es immer wieder, eine Wagenburg-Mentalität in seinen Teams zu installieren, die sie vor allem Unbill zu schützen schien. Der autoritäre Sozialismus des ehemaligen Gewerkschafters hielt den Laden zusammen, duldete jedoch keine Widerrede, keine Allüren und keine Egotrips. Spieler wie David Beckham, Roy Keane oder Ruud van Nistelrooy mussten allesamt erkennen, dass der Verein bei Ferguson immer über dem Spieler steht. Sie wurden unehrenhaft entlassen.

In Rooney dachte Ferguson einen untypischen Star gefunden zu haben. Einen wie Paul Scholes, der seit 16 Jahren für United spielt, und so loyal ist, dass sie im Vorstand erzählen, sie hätten in all der Zeit nicht einmal ein Angebot eines anderen Vereins für ihn bekommen. Weil alle wussten, dass er sowieso nie wo anders hingehen würde.

Krach mit dem Superstar

Beim Training am Dienstag war es eine Grätsche von Paul Scholes, die Rooney außer Gefecht setzte. Knöchelverletzung, zehn Tage Pause, so der Klub.

Knöchelverletzung, das klingt wie ein böser Scherz. Eine Knöchelverletzung war es auch, die vor einer Woche die Unstimmigkeiten zwischen Ferguson und Rooney offenbarte. Ferguson hatte die Blessur zuletzt wiederholt als Begründung dafür angegeben, dass er dem Stürmer nicht volle Einsatzzeiten gewährte. Er wollte den formschwachen Spieler schützen, nach alter Tradition sollte die Familie zusammen stehen. So sah er es. Doch vergangenen Dienstag, nach Englands Länderspiel gegen Montenegro, erklärte Rooney im Londoner Wembleystadion zu verdutzten Reportern, er habe in letzter Zeit definitiv keine Knöchelprobleme gehabt. Warum Ferguson das dann behaupte? "Ich weiß es nicht".

Von da an konnte es nicht mehr lange dauern, bis der Fall seine ganze Schärfe aufnahm. Beim 2:2 am Wochenende gegen West Bromwich wurde Rooney nur eingewechselt und verstolperte alles, was er vor die Füße bekam. Tags darauf berichteten verschiedene Zeitungen übereinstimmend, der Stürmer habe sich mit Ferguson verkracht und wolle bloß noch weg. Anfang der Woche sickerte durch, er schrecke nicht einmal vor einem Wechsel zu Uniteds Lokalrivale City zurück. Und am Dienstag ging Ferguson schließlich in die Offensive. "Von der Minute an, als er zu uns kam, waren wir immer ein Hafen für ihn." Es habe keinen Streit mit Rooney gegeben, er könne dessen Verhalten einfach nicht verstehen. "Ich bin enttäuscht, sehr enttäuscht, ich kann das alles nicht glauben."

Rooney will mehr Geld und bessere Mitspieler

Ferguson klagte, die Geschichte von einem Zerwürfnis werde von Rooneys Lager lanciert, um einen Abgang als unausweichlich hinzustellen. Das mag sein, bloß ist es ja so, dass die anderen Motive für den Klub noch unangenehmer sind. Es geht um Geld, das der Verein nicht hat – zum einen bei Rooneys Gehalt, zum anderen für die Verbesserung des Kaders.

Im Gegenzug für eine Vertragsverlängerung wollte Rooney laut Medienberichten von seinen aktuellen 90 000 Pfund pro Woche auf rund 160 000 Pfund hinauf gesetzt werden – eine stattliche Steigerung, aber auch keine Summe, die für einen globalen Star seine Kalibers völlig unüblich wäre. Doch United kann sich bei seinen Schulden keine derartige Anhebung des Gehaltsgefüges leisten.

Vor allem aber nervt Rooney, dass der Verein nicht mehr das Potenzial hat, auf dem Transfermarkt um die besten Spieler der Welt zu bieten. Der Stürmer hat gesehen, wie in den letzten Jahren sein Mitangreifer Ronaldo und Carlos Tévez verkauft wurden, ohne dass adäquater Ersatz gekommen wäre. Er sieht, wie die Mannschaft um ihn herum schlechter wird. Während der WM soll er zu englischen Teamkollegen gesagt haben, er habe keine Lust, noch eine weitere Saison die ganze Truppe alleine schultern zu müssen.

ManU fehlen die Mittel

Denn das hatte er vorige Saison irgendwo schon getan. Mit 34 Toren machte er United zum Favoriten auf alle Titel, ehe ein Tritt von Mario Gomez ihm beim Viertelfinal-Hinspiel der Champions League in München den Fuß verletzte. Wohl zu früh wurde er von Ferguson nach einer vermeintlichen Wunderheilung dennoch nur eine Woche später auch im Rückspiel aufgeboten. Rooney hatte sich geopfert, aber er kommt seitdem nicht mehr auf die Beine. Bei der WM enttäuschte er, und für United hat er seit jenen Apriltagen bloß ein einziges Tor erzielt, am dritten Spieltag dieser Saison – per Elfmeter.

Wayne Rooney möchte sich nicht mehr opfern. Er möchte in einem großen Team spielen. Und er hat das Gefühl, dass ihm Manchester United das nicht bieten kann.


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