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Kolumne: Real und das Mourinho-Wunder

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Mourinho: Bald muss ihn sogar van Gaal loben

26.10.2010, 14:08 Uhr | t-online.de, t-online.de

Kolumne: Real und das Mourinho-Wunder. Trainer Mourinho hat Real Madrid verzaubert. (Foto: imago)

Trainer Mourinho hat Real Madrid verzaubert. (Foto: imago)

Kolumne von Jonny Giovanni

Ob sich Louis van Gaal die letzten Spiele von Real Madrid angeschaut hat? Der Bayern-Trainer gehörte ja in letzter Zeit zu den gewichtigsten Kritikern des Trainerkollegen José Mourinho und dessen pragmatischer Fußball-Lehre. Noch Monate nach dem von seinen Bayern gegen Mourinhos Inter Mailand verlorenen Champions-League-Finale lästerte van Gaal, so wie der Gegner an jenem Abend würde er nicht gewinnen wollen. Mourinho lasse langweiligen Defensivfußball spielen, an den sich bald keiner mehr erinnern werde.

Momentan schaut es allerdings so aus, dass van Gaals Bayern ohne Gähnen nicht zu ertragen sind mit ihren Ballstafetten im Zeitlupentempo. Und dass eine Mourinho-Truppe europaweit das meiste Spektakel liefert. 6:1, 4:1, 6:1 lauten die Ergebnisse von Real Madrid in den letzten drei Ligaspielen, dazwischen wurde der AC Mailand in der Champions League wegen schwacher Chancenverwertung "nur" 2:0 geschlagen. Die auf vielen Positionen neu besetzte Mannschaft ist Tabellenführer in Spanien, sie funktioniert zuverlässig wie ein Uhrwerk, sie strotzt vor Selbstbewusstsein, alles das kennt man von Mourinhos Teams. Aber sie spielt eben auch richtig guten Fußball, und alle fragen, wie der hoch dekorierte, aber doch immer noch erst 47 Jahre alte José Mário dos Santos Félix Mourinho das schon wieder hinbekommen hat.

Eigenheiten jedes Landes integriert 

"Er ist wohl der beste Trainer der Welt", sagte jetzt Josep Guardiola, immerhin Trainer des FC Barcelona und Gewinner von acht Titeln in zwei Jahren Amtszeit. Nach drei Monaten liegt Spanien dem Portugiesen schon zu Füßen. Dabei war gerade im Land des gepflegten "tiqui-taca", des spanischen Kombinationsfußballs, die Skepsis groß. Doch Mourinho hat wieder einmal im Rekordtempo gezeigt, dass er die fußballerischen Eigenheiten jedes Landes begreift und in seine Arbeit integriert.

So wie sein Chelsea mit der Wucht einer englischen Mannschaft spielte und sein Inter mit der Strategiefertigkeit einer italienischen, so zeigt sein Madrid jetzt die Kunstfertigkeit einer spanischen. Derselbe Trainer, der bei Inter einen Stürmer wie Samuel Eto’o zum rechten Mittelfeldmann mit zahlreichen Defensivaufgaben degradierte, lässt jetzt mit vier (Halb-)Angreifern spielen: Cristiano Ronaldo, Gonzalo Higuaín, Ángel Di María und Mesut Özil. Das Quartett harmoniert prächtig, verzaubert mit seiner Phantasie, und verteilte die letzten 18 Madrider Tore exklusiv unter sich. Ronaldo hat bereits neun Ligatreffer erzielt, Özil ist an guten Tagen bereits Zeremonienmeister des Bernabéu-Stadions.

Reals Gegentor-Folklore eliminiert 

Doch sie profitieren dabei auch von einer Konstante, die Mourinho unterschiedslos in jedem Land hinbekommen hat: einer fast perfekten Defensive. Dass der Angriff ein Spiel, die Abwehr aber die Titel gewinnt, hat der Portugiese seit jeher verinnerlicht. Zu seiner Zeit in England gewann der Londoner Lokalrivale Arsenal mal ein Spiel mit 5:4, die Öffentlichkeit schwärmte, doch Mourinho lästerte: "Das ist kein Fußballresultat, sondern ein Eishockey-Ergebnis. Im Training lasse ich oft drei gegen drei spielen, und wenn es 5:4 steht, schicke ich die Spieler in die Kabine zurück. Weil sie nicht anständig verteidigen."

Wie oft er in seinen ersten Wochen bei Real zu dieser Maßnahme greifen musste, ist nicht überliefert, trainiert wird hinter verschlossenen Türen. Aber im Stadion wird sichtbar, dass Mourinho in kurzer Zeit ein kleines Wunder vollbracht hat. Dass er Ronaldo nach dessen enttäuschender WM wieder hinbekommen hat, dass Özil und Di María schon so integriert wirken, ist das Eine. Dass der Coach die Abwehr stabilisiert hat, etwas ganz Anderes. Keiner seiner zehn Vorgänger in diesem Jahrzehnt hat das geschafft. Zumindest ein paar gute Konterchancen für den Gegner gehörten zur Folklore jedes Madrid-Spiels wie die rettenden Paraden von Torwart Iker Casillas. Gerade in der Champions League stand so gut wie nie die Null. Diese Saison tat sie es bisher in allen drei Partien.

Pfiffe beim Saisonstart 

Mourinho hat Mechanismen einstudieren lassen und für weniger Geld als in der Vergangenheit offenbar die richtigen Spieler geholt, wie Sami Khedira fürs defensive Mittelfeld und Ricardo Carvalho fürs Abwehrzentrum. Und er hat vorhandene Spieler revolutioniert, etwa den brasilianischen Linksverteidiger Marcelo. Der galt als taktisch so undiszipliniert, dass ihn Trainer lieber im Mittelfeld einsetzten als auf seiner eigentlichen Position. Oder gar nicht. Selbst Mourinho hielt ihn bei seiner Ankunft nicht für einen Abwehrspieler. Drei Monate später brilliert der 22-Jährige durch fehlerloses Spiel und gilt als legitimer Nachfolger von Roberto Carlos.  

Um hinten die Basis zu schaffen, nahm Mourinho sogar den Unmut des Publikums in Kauf. Denn noch im September schienen sich alle Befürchtungen der Mourinho-Kritiker zu bestätigten: Madrid gewann seine Spiele knapp und ohne Zauber. Cristiano Ronaldo, dem in dieser Phase noch gar nichts gelang, wurde sogar ausgepfiffen.

Das Prestige steigt von Tag zu Tag 

Doch Mourinho ist keiner, der sich von den komplizierten Stimmungen in Madrid nervös machen ließe. "Ein schwacher Trainer wird hier aufgefressen", sagte er kürzlich. "Hier kann es keinen Trainer geben ohne ein Prestige, das ihm etwas Raum zum Arbeiten gibt". Mourinho, Meister in Portugal, England und Italien, zweifacher Champions-League-Sieger, hat es. Und derzeit vergrößert er es mit jedem Tag. Wenn es so weiter geht, wird ihn eines Tages sogar noch Louis van Gaal für seine Art von Fußball loben müssen.

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