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Lazio ist die Überraschungsmannschaft der Serie A

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Der ungeliebte Tabellenführer

05.11.2010, 08:53 Uhr | t-online.de, t-online.de

Lazio ist die Überraschungsmannschaft der Serie A. Lazio-Adler Olimpia ist gelandet. (Foto: imago)

Lazio-Adler Olimpia ist gelandet. (Foto: imago)

Ein Kolumne von Jonny Giovanni

Rassismus, Manipulation, Camorra – kaum ein Klub in Europa steht so für das Böse im Fußball wie Lazio Rom. Diese Saison jedoch gibt es bislang nur Gutes zu berichten über die Hellblauen. Die Fans benehmen sich halbwegs, Vereinsadler Olimpia gehört zu den interessantesten Neuzugängen der Serie A und die Mannschaft liegt vor dem Derby am Sonntag gegen den AS Rom sensationell an der Tabellenspitze. Wobei das offenbar auch wieder nicht recht ist.
Die Konkurrenz jedenfalls schimpft und zetert. Sein Team sei "besser als Lazio", lästerte Palermos Präsident Maurizio Zamparini schon vor dem Duell beider Mannschaften am vergangenen Wochenende (Lazio gewann in Palermo 1:0). Amtskollege Massimo Cellino von US Cagliari war nach dem 1:2 eine Woche zuvor, mit dem Lazio den besten Saisonstart der Vereingeschichte perfekt machte, sogar dermaßen bedient, dass er sich zu einem gefährlichen Versprechen hinreißen ließ: "Wenn wir zum Saisonende nicht besser dastehen als Lazio, zahle ich den Dauerkartenbesitzern ihr Geld zurück."

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Letzte Saison noch Abstiegskampf

So viel zur Frage, warum die meisten italienischen Klubs rote Zahlen schreiben. Aber auch im wirtschaftlichen Bereich gibt Lazio den neuen Musterschüler. Vor ein paar Jahren noch bankrott und nur dank eines generösen Deals bei der Schuldenabbezahlung (140 Millionen Euro über 23 Jahre) vor dem Verschwinden gerettet, fährt der börsennotierte Verein mittlerweile solide Gewinne ein. Möglich gemacht hat es die rigide Sparpolitik von Präsident Claudio Lotito, die Folge war allerdings sportlicher Substanzverlust. Der letzte Europapokalsieger der Pokalsieger (1999) und italienische Double-Gewinner 2000 fand sich trotz gelegentlicher Überraschungserfolge (Platz drei 2007, Pokalsieg 2009) eher im Mittelfeld der Tabelle wieder. Oder, wie letzte Saison, im Abstiegskampf.

Aus den sizilianischen wie sardischen Spitzen spricht daher wohl vor allem der Neid, dass bei Lazio die Low-Budget-Politik gerade besser funktioniert als bei einem selbst. "Es gibt Leute, die unsere Position nicht verdauen können", sagt Trainer Edoardo Reja, ein 65-jähriger Fahrensmann an seiner 22. Trainerstation und enger Freund von Fabio Capello. Für titelfähig hält er seine Mannschaft allerdings auch nicht. "Wir haben kein Scudetto-Material".

Hernanes überragend

Derweil seziert das überraschte Italien sein Team wie Deutschland den FSV Mainz 05, und stellt fest: So schlecht ist es auch wieder nicht. Das Tor hütet Uruguays Nationalkeeper Fernando Muslera, die Außenverteidiger Stephan Lichtsteiner und Stefan Radu gehören zu den besseren auf ihrer Position und Spielmacher Cristian Ledesma – vorige Saison von Klubchef Lotito auf die Tribüne verbannt, weil er einen Wechsel erpressen wollte – spielt endlich seinem guten Ruf angemessen. Aus der formstarken Offensive haben es derweil Stefano Mauri und Sergio Floccari zu italienischen Nationalspielern gebracht, während der vom FC Sao Paulo geholte Hernanes als bester Einkauf der Liga gilt. Und über allem schwebt der Adler.

Lotito lässt das Wappentier seit dieser Saison bei jedem Heimspiel kreisen. Olimpia heißt es, weil der Klub einst aus der olympischen Idee geboren wurde. 37 Sportarten beherbergt man, mehr als jeder andere Verein Europas, die Trikotfarben blau-weiß sind eine Hommage an Griechenland, wo vier Jahre vor der Vereinsgründung die ersten Spiele der Neuzeit stattfanden. Wegen dieser multi-sportiven Ausrichtung heißt Lazio auch nicht "Assoziazione Calcio" wie die meisten italienischen Fußballklubs, sondern "Societa Sportiva". Die Abkürzung daraus, SS, hat sich jedoch im Nachhinein als ebenso unglücklich herausgestellt wie die faschistoide Ästhetik des Adlers im Vereinswappen. Beides zieht Neonazis an. 

Stramm rechte Fankultur

Spätestens seit die Ultra-Gruppe "Irriducibili" ("Unbeugsame") Ende der 1980er Jahre die Kurve in Beschlag nahm, steht der Verein, der sich unter dem Faschismus als einziger der Zwangsvereinigung aller römischen Klubs zum AS Rom widersetzte, für eine stramm rechte Fankultur. Die Szene, wie Ex-Stürmer Paolo Di Canio mit dem "römischen Gruß" vor der Kurve posierte, wird Lazios Image noch lange prägen. Vorige Saison imitierte auch der aktuelle Angreifer Mauro Zarate, ein Argentinier, die Geste mit dem ausgestreckten rechten Arm, als er gesperrt ein Spiel auf der Tribüne verfolgte. Er habe ihre Bedeutung nicht gekannt, hieß es danach, sondern nur die Ultras nachmachen wollen.

Klubchef Lotito immerhin hat sich in seiner mittlerweile sechs Jahren währenden Amtszeit von den Radikalen in der Kurve distanziert. Er entzog ihnen Privilegien beim Ticket- und Fanartikelhandel und verweigerte dem Helden der Rechten, Di Canio, eine Vertragsverlängerung. Morddrohungen waren die Antwort, Lotito braucht seitdem Leibwächter.

Klubchef im Zweilicht

Der Putzunternehmer ist selbst nicht frei von dubiosen Machenschaften, 2009 wurde er des Kapitalanlagebetrugs mit Lazio-Aktien überführt. Ebenfalls in seine Amtszeit fällt Lazios Verwicklung in den "calciopoli"-Skandal, die mit einem Punktabzug endete (immerhin nicht mit dem Zwangsabstieg wie 1980, als dem Verein illegale Wetten auf die eigenen Spiele nachgewiesen wurden). Aber das Schlimmste wusste er zu verhindern. Weil er sich 2005 weigerte, einem Strohmann der Camorra seine Aktien zu verkaufen, landete der Klub immerhin nicht in Händen des organisierten Verbrechens.  

Dafür stand er in der letzten Dekade regelmäßig hinter dem verhassten Lokalrivalen AS, der meist in der Champions League spielte, während Lazio gegen den Abstieg bolzte. Doch die Zeiten könnten sich wieder ändern. Anders als Lazio verstrickt es die Roma immer tiefer im Schuldensumpf. Und auch sportlich haben sich die Vorzeichen erstmals seit Ewigkeiten geändert. Zum Derby am Sonntag tritt Lazio mit zehn Punkten Vorsprung an.

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