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Red-Bull-Fußballchef Beiersdorfer: "Major League Soccer braucht Zugpferde"

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Beiersdorfer: "Wir wollen in New York Spuren hinterlassen"

26.11.2010, 23:11 Uhr | Das Interview führte Patrick Brandenburg, t-online.de

Red-Bull-Fußballchef Beiersdorfer: "Major League Soccer braucht Zugpferde". Beiersdorfer: "Begeisterung für Soccer wächst." (Foto: imago)

Beiersdorfer: "Begeisterung für Soccer wächst." (Foto: imago)

Der frühere HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer hat einen der spannendsten Jobs, den es derzeit im Weltfußball gibt. Bei Red Bull verantwortet er als Leiter des Gesamtprojekts Fußball das Schicksal von vier Klubs in drei verschiedenen Erdteilen: Salzburg, Leipzig, Sao Paulo und New York.

Im Interview mit t-online.de erklärt der 47-Jährige, wie er mit der Filiale Red Bulls New York Meister in der Major League Soccer werden will, warum es ausgerechnet im US-Fußball eine störende Art von Liga-Sozialismus gibt, und wieso frühere Weltklassespieler für einen Job bei ihm Schlange stehen.

t-online.de: Herr Beiersdorfer, gerade ist die Saison der Major League Soccer zu Ende gegangen. Könnte Überraschungsmeister Colorado Rapids in der Bundesliga mithalten?

Dietmar Beiersdorfer: Solche Vergleiche möchte ich gar nicht anstellen. Ich kann nur für uns sprechen, wir haben eine sehr gute Mannschaft. Einige Nationalspieler stehen in unseren Reihen: Roy Miller spielt für Costa Rica, Dane Richards für Jamaika, Tim Ream für die USA. Dazu wissen wir in Thierry Henry und Rafael Marquez zwei absolute Stars in unseren Reihen. Es steckt viel Talent in unserem Team.

Das Finale fand im kleinen BMO Field in Toronto statt, in dem einige der 21.000 Plätze frei blieben. Wie lange wird es dauern, bis die Liga eine Großarena füllen kann?

Es ist jetzt schon möglich, die Massen zum Fußball zu locken. Beim Allstar-Match gegen Manchester United waren über 70.000 Fans. Wenn einer der Finalteilnehmer beim MLS-Endspiel Heimrecht hätte, wäre auch ein großes Stadion voll. Die Frage bleibt, wie das zu erreichen ist. Vielleicht, indem sich ein Team über das Abschneiden in der Liga die Gastgeberrolle verdienen kann. Als Sieger der Conference. Das würde die Planungssicherheit erhöhen und volle Ränge ermöglichen.

Wäre es sinnvoll, dass Endspiel in den warmen Süden zu verlegen, wie beim American Football? Das würde feierwütigen Fans entgegenkommen.

Das Problem könnte sich bald von alleine erledigen, wenn wir uns dem Fußball-Weltkalender anpassen. Dann stiege das Finale im Sommer. Solche Überlegungen gibt es.

Haben Sie schon mit Jürgen Klinsmann gesprochen, warum er den FC Toronto berät, den Gastgeber des Finales 2010?

Ja, beim Finale haben wir uns getroffen und auch sehr intensiv unterhalten - speziell über die MLS. Die Eigner des FC Toronto sind sehr ambitioniert. Ihnen gehören auch die lokalen Topklubs, das Eishockeyteam Maple Leafs und die Basketballmannschaft Raptors. Was das Geschäftliche betrifft, hat das Management von Toronto aus meiner Sicht keinen Beratungsbedarf, aber beim Inhaltlichen und Fußball fehlt die Erfahrung und das Know-how. In Jürgen haben sie einen sehr guten Berater gefunden.

Ihr Klub New York Red Bulls hat die reguläre Saison als Sieger der Eastern Conference abgeschlossen. In den Play-offs ist das Team aber früh gescheitert. Wie fällt ihr Fazit dieser Spielzeit aus?

Wir haben ein neues Stadion gebaut, die Mannschaft umgestellt und in mehr als einer Hinsicht den Umbruch geschafft. In der vergangenen Saison waren wir Letzter, nun gingen wir als Erster in die K.-o.-Runde. Dass wir in der ersten Runde ausgeschieden sind, trotz eines Auswärtssieges bei den San Jose Earthquakes zum Auftakt, war etwas unglücklich. Aber das sind die Unwägbarkeiten des Fußballs. Wir wären gerne im Endspiel gewesen.

Das gilt auch für den Favoriten L.A. Galaxy. Das Team um Weltstar David Beckham scheiterte im Halbfinale.

Galaxy war über die Saison gesehen das beste Team und hat die meisten Punkte geholt. Das sollte belohnt werden. Wir brauchen in der Liga eine verlässliche Struktur.

Das heißt, Sie würden gerne die Playoffs zugunsten einer Entscheidung nach europäischem Muster abschaffen? Mit einem Meister nach Ende der Ligasaison?

Vielleicht bin ich einfach zu deutsch für das bestehende Format. Hier in den US-Ligen wird immer das große Wort der Gleichberechtigung geführt. Alle Klubs sollen dieselben Möglichkeiten haben. Wer Erfolg hat, bekommt weniger Geld, damit die anderen wieder aufholen können. Diese Variante hat ihren Charme, aber erst einmal muss doch die ganze Liga auf ein gewisses Niveau gehoben werden. Dazu braucht es Zugpferde. Vor allem die Power der Klubs L.A. Galaxy und New York Red Bulls muss ausgenutzt werden. Das würde der gesamten Liga helfen. Aber die Gruppe der Klub-Eigentümer ist eine sehr heterogene.

In ihrem Klub spielen drei so genannte „designated player“ - Stars, deren Verdienst nur teilweise auf die Gehaltsobergrenze angerechnet wird. Sind gerade in einer Metropole wie New York Superstars nötig, um Aufmerksamkeit zu sichern?

Jeder MLS-Klub darf bis zu drei "designated player" engagieren, wie z.B. Thierry Henry (Foto: imago) bei den Red Bulls. Von deren Gehalt werden jeweils höchstens 335.000 US-Dollar auf die Gehaltsobergrenze ("salary cap") von derzeit 2,55 Millionen US-Dollar angerechnet. Jeder MLS-Klub darf bis zu drei "designated player" engagieren, wie z.B. Thierry Henry (Foto: imago) bei den Red Bulls. Von deren Gehalt werden jeweils höchstens 335.000 US-Dollar auf die Gehaltsobergrenze ("salary cap") von derzeit 2,55 Millionen US-Dollar angerechnet.Künftig sind es nur noch zwei. Juan Pablo Angel hat uns zum Saisonende verlassen. Bleiben noch Henry und Marquez. Aber Sie haben natürlich Recht. Die Konkurrenz anderer Sportarten ist extrem. Es gibt zahlreiche Profiklubs der US-Nationalsportarten Football, Baseball, Basketball und Eishockey im Großraum New York. Es kommt uns zugute, einen früheren Weltmeister oder den Kapitän Mexikos im Team zu haben.

Wie zufrieden sind Sie denn mit dem Zuschauerzuspruch?

Sehr. Wir haben einen Schnitt von 20.000 in unserem neuen, reinen Fußballstadion. In der  Giants-Arena, war selbst diese Zahl ein Problem. Denn das ist eine riesige Football-Arena mit 80.000 Plätzen. Das Ambiente würde so erscheinen, als spiele Tennis Borussia im Berliner Olympiastadion.

Henry und Marquez befinden sich im Herbst ihrer Karriere. Wann wird es einen Topspieler auf dem Höhepunkt seines Könnens in die MLS ziehen?

Soweit sind wir lange noch nicht. Das dauert.

In welchen Zeiträumen denken Sie? Zehn Jahre, zwanzig?

In den nächsten zehn Jahren wird es eher schwer werden. Vielleicht als Ausnahme. Wenn es die Lebensplanung eines Spielers vorsieht, mit Ende Zwanzig mal New York zu erleben. Aber es wird lange Zeit nicht die Regel sein. Immerhin entwickeln wir uns in diese Richtung. Marquez war 31, als er kam. Die Begeisterung für Soccer wächst, neue Stadien werden gebaut, irgendwann in der Zukunft wird sich das auf die Kader auswirken.

Wie schwierig ist es, einen guten Kader mit einer Gehaltsobergrenze ("salary cap") von vergleichsweise bescheidenen 2,5 Millionen Dollar aufzustellen?

Ich glaube, die "salary cap" wird sich lockern, damit sich Teams wie Galaxy, Seattle oder auch wir weiterentwickeln. Altbesitzer wie die Familien Kraft von New England Revolution oder Hunt vom FC Dallas sind konservativer, weil ihnen frühere Versuche, eine Liga aufzuziehen, schmerzhaft in Erinnerung sind. Cosmos, Beckenbauer und Pele - dieser Versuch ist Anfang der Achtziger unter den Ausgaben zusammengebrochen. Wir müssen die Liga also vorsichtig aufbauen. Aber manchmal könnte es ruhig progressiver sein.

Die Liga wird gerade wieder erweitert, und bald komplettiert möglicherweise eine Neuauflage des legendären Klubs Cosmos New York als Nummer 20 die MLS.

Jetzt kommen erst einmal Vancouver und Portland dazu, 2012 dann noch Montreal. Über ein weiteres Team in New York wird in der Tat gesprochen. Ob es dann Cosmos heißt? Mal sehen. Dagegen können wir uns ohnehin nicht wehren, also begrüßen wir die Konkurrenz. Es liegt an uns, den Vorsprung zu nutzen, um in New York die Nummer eins zu bleiben. Bis Cosmos oder ein anderer Klub antritt, vergehen noch einige Jahre. Bis dahin wollen wir Spuren hinterlassen, unseren Klub als besten der Ostküste etabliert und eine solide Fanbasis aufgebaut haben.

Wie schätzen Sie die Entwicklung der MLS ein? Entsteht hier gerade etwas Großes, wie manchmal schon zu lesen ist? Oder ist das eine amerikanische Übertreibung?

Amerikas Fußball-Liga Major League Soccer existiert seit 1996. Die MLS hat sich stetig entwickelt, ab 2012 wird nach Toronto und Vancouver mit Montreal ein dritter Klub aus Kanada mitspielen. Inzwischen kommt die Liga auf einen respektablen Schnitt von fast 17.000 Fans pro Spiel. Bekanntester Spieler ist Weltstar David Beckham, der 2007 einen Fünfjahresvertrag bei L.A. Galaxy unterschrieb. (Foto: imago) Amerikas Fußball-Liga Major League Soccer existiert seit 1996. Die MLS hat sich stetig entwickelt, ab 2012 wird nach Toronto und Vancouver mit Montreal ein dritter Klub aus Kanada mitspielen. Inzwischen kommt die Liga auf einen respektablen Schnitt von fast 17.000 Fans pro Spiel. Bekanntester Spieler ist Weltstar David Beckham, der 2007 einen Fünfjahresvertrag bei L.A. Galaxy unterschrieb. (Foto: imago) Die Liga hat große Ziele, mit der Erweiterung um drei Teams, mit neuen Stadien in Kansas City oder Houston. Das sind sehr gute Indikatoren für einen hohen Stellenwert. Der Zuschauerschnitt ist ordentlich, wird aber längst nicht in ansprechend dotierten TV-Verträgen widergespiegelt. Da bleibt viel zu tun. Andererseits: Europäische Topteams wie Manchester United richten ihre Saisonvorbereitung in den USA aus. Das schafft Öffentlichkeit. Nicht nur hier, auch in Europa. Sie glauben gar nicht, wie viele frühere Weltklassespieler in der MLS und speziell in New York spielen wollen.

Für den Platz als „designated player“ stehen die Bewerber Schlange?

(Lacht) Sozusagen. Wer möchte denn nicht gerne zum Abschluss seiner Karriere einige Zeit in New York verbringen? Doch wir haben uns entschieden, den dritten Platz dieses Jahr nicht zu vergeben.

Wie kommt die Kaderplanung für die nächste Saison bei Red Bull voran?

Verantwortlich dafür ist Sportdirektor Erik Soler, der den internationalen Fußballmarkt sehr gut kennt und mit dem ich sehr gut zusammenarbeite. Wir beide kennen den europäischen Markt sehr gut. Es gibt schon den einen oder anderen Kandidaten, aber Namen nennen wir noch nicht.

In Deutschland wurde zuletzt über einen Wechsel des Kölner Keepers Faryd Mondragon spekuliert. Ist da was dran?

Nein. Wir sind mit unserem Torwart sehr zufrieden, deshalb ist Mondragon kein Thema bei den New York Red Bulls.

Vor einigen Tagen feierte ihr Nachwuchsspieler Juan Sebastian Agudelo ein viel beachtetes Debüt in der US-Nationalmannschaft. Kann er ein Guter werden?

Er ist sehr talentiert - athletisch und schnell. Ein 17-jähriger Amerikaner mit kolumbianischen Wurzeln. Gegen Südafrika hat er getroffen und ist damit jüngster US-Torschütze. Seine Entwicklung freut uns sehr. Nach Jozy Altidor, der nun bei Villarreal spielt, ist er schon der zweite Spieler, der in kürzester Zeit aus unserer Akademie hervorgeht.

Was ist das Saisonziel für das kommende Jahr?

Den nächsten Schritt zu tun und die Meisterschaft zu holen. Mit nur zwei Stars haben wir unter den Beschränkungen der "salary cap" künftig mehr Möglichkeiten, einen breit aufgestellten Kader zu bauen. Das ist in dieser ausgeglichenen Liga sehr wichtig, das haben die Play-offs gezeigt. Henry und Marquez sind inzwischen voll integriert und stehen uns erstmals schon in der Vorbereitung zur Verfügung. Beide können nun hoffentlich ihr gesamtes Potenzial abrufen. Dass beide über ihre fußballerischen Qualitäten hinaus auch gute Jungs sind, haben sie längst gezeigt.

Inwiefern?

Wenn plötzlich Spieler mit dem Minimumgehalt von 42.000 Dollar brutto neben gut verdienenden Weltstars auf dem Platz stehen, kann das mitunter ein Problem werden, auf und neben dem Platz. Eine solch heterogene Truppe funktioniert nicht wie von selbst. Umso glücklicher sind wir, dass es bei den Red Bulls so gut klappt.

Und sonst?

Nebenher stärken wir weiter die Infrastruktur. Wir schaffen ein eigenes Trainingsgelände mit fünf Plätzen, einer davon ist überdacht. Das macht uns unabhängiger. Vor allem in der Nachwuchsarbeit. Bislang haben unsere Jugendlichen eine feste Homebase und manchmal sogar feste Trainingszeiten vermisst. Im Januar beim Draft (Auswahl von Nachwuchsspielern, d. Red.) haben wir hoffentlich ein ähnlich gutes Händchen wie in diesem Jahr, als wir in Tim Ream und Tony Tchani zwei Stammspieler an Land ziehen konnten.

Welchen Schub könnte eine weitere Weltmeisterschaft dem Fußball in den USA geben? Die Turniere 2018 und 2022 werden Anfang Dezember von der FIFA vergeben.

Wir hoffen natürlich auf eine erfolgreiche Bewerbung für das Turnier 2022. Eine WM wäre grandios, sie würde neue Maßstäbe in Sachen Zuschauerzuspruch setzen. Bis dahin wären es noch gut elf Jahre, in der sich die Liga und der Fußball entwickeln könnten. Eine zweite WM in den USA nach 1994 würde die Liga unglaublich nach vorne bringen und Amerika endgültig als Fußballnation etablieren. 

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