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Frankreich spielt verrückt: Wenn der Tabellen-16. noch Meister werden kann

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Wenn der 16. noch Meister werden kann...

06.12.2010, 13:08 Uhr | t-online.de, t-online.de

Frankreich spielt verrückt: Wenn der Tabellen-16. noch Meister werden kann. Eine Liga spielt verrückt: In Frankreich ist alles möglich. (Foto: imago, Montage: t-online.de)

Eine Liga spielt verrückt: In Frankreich ist alles möglich. (Foto: imago, Montage: t-online.de)

Eine Kolumne von Jonny Giovanni

Es war wieder ein munteres Wochenende in der französischen Ligue 1, mit dem routinegemäßen Wechsel an der Spitze: Lille löste Marseille ab. Auch auf 16 weiteren Positionen gab es Veränderungen, in den Top Ten der Liga behielt gleich gar kein Team seinen Rang. Zwischen Platz eins und Platz zehn liegen ja nur vier Punkte. Selbst der Tabellen-16. Nancy ist mit neun Punkten Rückstand auf Lille noch näher am Titel als in Deutschland der Tabellen-Zweite Mainz 05 mit seinen zehn Punkten hinter Dortmund.

Lange schmückte sich die Bundesliga mit der Auszeichnung, den ausgeglichensten Wettbewerb unter den großen Ligen Europas zu stellen. Diesen Status hat die Ligue 1 mittlerweile furios übernommen. Ob die Meisterschaft in dieser Saison zum ersten Mal seit 57 Jahren wieder an den Traditionsklub Lille geht, ob an den Titelverteidiger Marseille, den Favoriten Lyon, den Aufsteiger Brest, den wieder erstarkten Hauptstadtklub Paris St. Germain, ob an Rennes, Sochaux, Bordeaux, Toulouse, Montpellier oder St. Etienne – keiner vermag das momentan zu prophezeien. Es ist also spannend. Aber wenn keine einzige Mannschaft auch nur die Hälfte ihrer 16 Spiele gewinnen konnte – ist das dann auch gut?

Lyon ist nicht mehr der FC Bayern Frankreichs

Ausgeglichenheit bedeutet ja nicht automatisch mehr Qualität der Schlechteren, sondern oft weniger Qualität der Besseren. Die Bundesliga kann ein Lied davon singen, dort waren im abgelaufenen Jahrzehnt die besonders ausgeglichenen Spielzeiten in der Regel diejenigen, in denen die Bayern schwächer waren als üblich. Ähnlich verhält es sich nun in Frankreich. Dort ist das Titelrennen erst so offen, seit Olympique Lyon seine Ausnahmeposition verloren hat. 

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Zwischen 2002 und 2008 gewannen die Lyonnais sieben Titel am Stück, bisweilen mit haushohem Vorsprung. Sie kauften sich die besten Spieler der anderen Vereine zusammen, entwickelten große Talente und konnten sich in heimischen Gefilden immer auf das verlassen, was man beim FC Bayern das Sieger-Gen nennt. Kurz gesagt: Sie waren der französische FC Bayern, nur noch dominanter. So stark fühlte man sich, dass Trainer sogar nach Meisterschaften entlassen wurden, wie 2008 zuletzt Alain Perrin.

Langweiliger Kraftfußball allerorten

Statt seiner übernahm Claude Puel das Amt, und seitdem ist ein kurioses Phänomen zu beobachten. Lyon gewinnt nichts mehr, sein vormals sehr ansehnlicher Fußball ist so langweilig geworden, dass das französische Fernsehen kürzlich beim Heimspiel gegen Schalke die schlechteste Einschaltquote seiner Champions-League-Geschichte registrierte – doch ausgerechnet Puel, ein, so seine Kritiker, starrsinniger Disziplinfanatiker, bleibt sakrosankt. "Der Trainer steht außer Frage", betont immer wieder der mächtige Klubchef Jean-Michel Aulas, der Lyon seit seiner Amtsübernahme 1987 vom Zweitligaverein zur auch wirtschaftlich florierenden Großmacht machte. 

Selbst Lyon schaffte es allerdings nie, die ganz großen Stars nach Frankreich zu locken oder auch nur seine besten Spieler wie Michael Essien oder Karim Benzema zu halten. Trotz hoher Fernseheinnahmen von rund 668 Millionen Euro pro Saison (Bundesliga: 365) kommt die Ligue 1 insgesamt nicht vom Fleck. Das Interesse am Fußball ist in Frankreich nicht ganz so bedingungslos wie in anderen europäischen Ländern, viele Stadien sind zu klein oder veraltet und zu viele Teams spielen langweiligen Kraftfußball.

Selbst in Englands zweiter Liga kommen mehr Zuschauer 

Anstatt die anderen Ligen angreifen zu können, muss die Ligue 1 daher mit ansehen, wie sich ihr fünfter Platz in Europa zementiert. Sie ist Fünfter in der Uefa-Fünfjahreswertung (mit gehörigem Rückstand auf den Vierten Deutschland), Fünfter beim Umsatz (1,048 Milliarden Euro – England kommt auf rund 2,3 Milliarden, Deutschland, Spanien und Italien auf je rund 1,5 Milliarden) und Fünfter beim Zuschauerschnitt. 7,6 Millionen Fans passierten vorige Saison die Einlasstore (Deutschland: 13,1 Millionen), ein Minus von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr – obwohl auch die letzte Saison besonders spannend und ausgeglichen war. Damit liegt die Ligue 1 streng genommen sogar nur auf Platz sechs, denn selbst in der englischen zweiten Liga kamen mit 9,9 Millionen Fans mehr Anhänger.

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EM 2016 als Licht am Ende des Tunnels 

Seit Jahren schon haben die Liga-Oberen im defensiven Fußball vieler Mannschaften einen Hauptgrund für die ausbleibende Kundschaft ausgemacht. Die Sorge hat Tradition, bereits in den 1970er Jahren wurden Mannschaften, die mehr als drei Tore in einem Spiel schossen, vorübergehend mit einem Extrapunkt belohnt. 2006 führte man dann ein finanzielles Anreizsystem ein. Besonders angriffslustige Teams sollten mit einem Bonus belohnt werden, doch genützt hat es wenig. Auch in der laufenden Saison fallen im Vergleich der Topligen nur in der italienischen Serie A (2,3) weniger Tore als in der Ligue 1 (2,41 Tore), die anderen Ligen wie etwa die Bundesliga (3,14) sind weitaus torreicher.

Beim Blick über die andere Rheinseite hat man sehr deutlich die WM 2006 als Auslöser des deutschen Fußball-Booms erkannt – und hofft nun auf eine ähnliche Wirkung, wenn die EM 2016 in Frankreich ausgespielt wird. Die Stadion-Modernisierungen von der WM 1998 sind nämlich längst veraltet. Es gilt inzwischen als großer Fehler, damals nicht substantiell, sondern mit wenigen Ausnahmen eher "low-budget" investiert zu haben.

Meister und Absteiger trennt bald die Tordifferenz

Nationaltrainer Laurent Blanc hat kürzlich noch einen anderen Weg ins Spiel gebracht, um die Liga nicht nur ausgeglichen, sondern wieder auch etwas hochklassiger zu gestalten. Er plädierte für die Abschaffung einer der beiden Pokalwettbewerbe oder für eine Verkleinerung der 20er-Liga auf 18 Mannschaften. In einer Umfrage sprachen sich jedoch über 70 Prozent der Spieler, Trainer und Präsidenten gegen diese Initiative aus.

Zugegebenermaßen wäre eine Verkleinerung auf 18 Teams angesichts der momentanen Tabellensituation aber auch wirklich etwas kompliziert. Nicht, dass Meister und Absteiger am Ende nur durch die Tordifferenz getrennt werden.

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