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Kolumne: Premier League spannend wie nie

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Fußball an Weihnachten dank Boxing Day

27.12.2010, 09:11 Uhr | t-online.de, t-online.de

Kolumne: Premier League spannend wie nie. Frederic Piquionne erzielt das 2:1 für West Ham United. (Foto: imago)

Frederic Piquionne erzielt das 2:1 für West Ham United. (Foto: imago)

Kolumne von Jonny Giovanni
Es ist eine der Traditionen, um die England auf aller Welt beneidet wird. Während sich die Menschen anderswo die Zeit nach Weihnachten mit Skirennen, Silversterläufen oder Jahresrückblicken vertreiben müssen, wird auf der Insel bereits am 26. Dezember wieder gekickt - am Boxing Day, der wahrscheinlich so heißt, weil an ihm früher die Armen mit Almosen in Boxen beschenkt wurden.

Diese Tradition ist so gut wie ausgestorben, der Fußball dagegen öffnet immer noch pünktlich die Wundertüte. Gestern unter anderem mit West Hams erstem Auswärtssieg seit anderthalb Jahren, ein 3:1 in Fulham, gleichbedeutend mit dem Verlassen des letzten Tabellenplatzes.

Am anderen Ende des Klassements der Premier League blieb Manchester United durch ein 2:0 gegen Sunderland ungeschlagen an der Tabellenspitze. Dennoch wäre es bislang unangemessen, von einer großen Saison der Red Devils zu sprechen. Denn von ihren 17 Spielen haben sie bislang eben erst auch zehn gewonnen, siebenmal trennten sie sich remis. Auswärts gab es überhaupt erst einen Sieg. Der Vorsprung auf die Konkurrenz schuldet sich daher vor allem - deren Schwäche. Vor dem Schlagerspiel heute zwischen Arsenal und Chelsea haben die gastgebenden Nordlondoner schon fünf Partien verloren, drei davon zuhause, während der Titelverteidiger aus dem Südwesten der Stadt seit sage und schreibe 47 Tagen auf drei Punkte in der Liga wartet.

Kein adäquater Ersatz für Lehmann

Die Probleme sind durchaus unterschiedlich, in beiden Fällen jedoch hausgemacht.  Bei Arsenal geht es kontinuierlich bergab, seit 2004 ein Team um Patrick Vieira, Dennis Bergkamp und Thierry Henry die bis heute letzte Meisterschaft gewann - ohne eine einzige Niederlage. Ein erneutes großes Team hat Trainer Arsène Wenger seitdem  zwar oft versprochen, aber nicht wieder geformt. Zu stur folgt er seiner Ideologie, jungen Spielern aus der eigenen Akademie den Vorrang zu geben, zu oft lag er bei seinen wenigen Transfers daneben. Geradezu unerklärlich für einen so guten Coach ist etwa sein Missmanagement der Torwartfrage. Seitdem er Jens Lehmann vor drei Jahren ausrangierte, ist das Arsenal-Tor eine offenkundige Schwachstelle.

Arsenals schwache Bilanz

Mit dem Abgang der großen Führungsfiguren verlor der Klub auch die Wettkampfhärte, heute ist Kapitän Cesc Fabregas die einzige verlässliche Kraft in einer Mannschaft, die gegen die Blackburns und Wolverhamptons der Liga oft noch die rasante Arsenal-Schule zeigt, in großen Spielen aber latent überfordert ist.  Nicht umsonst wartet man seit elf Spielen auf einen Sieg gegen Chelsea und Manchester United. Die niederschmetternde Bilanz zuletzt gegen die beiden Branchenführer: Zehn Niederlagen, ein Remis.

Ausverkauf bei Chelsea

Chelseas Verfall ist dagegen ein sehr neues Phänomen, und es hat nicht zuletzt mit den 2012 in Kraft tretenden Lizenzierungsregeln der UEFA zu tun. Aus Sorge um die Bilanzen hat Eigner Roman Abramowitsch den Geldhahn zugedreht und den Gehaltszettel einer genaueren Prüfung unterzogen. 1b-Kräfte wie Michael Ballack, Joe Cole, Ricardo Carvalho oder Deco wurden abgegeben, ohne adäquaten Ersatz zu beschaffen. Das funktionierte, solange die erste Elf auf den Platz gebracht werden konnte - nicht umsonst begann Chelsea die Saison mit zwei 6:0-Siegen.  Als die zentralen Leistungsträger von Verletzungen (Frank Lampard, John Terry) oder Krankheiten und Formkrisen (Didier Drogba) heimgesucht wurden, fehlte jedoch der Backup. Plötzlich mussten unerfahrene Nachwuchskräfte auf den Platz.

Keine Vorhersagen möglich

Den Unterschied spürte man sofort - denn dafür, dass auch ein notoperiertes Chelsea oder ein unkonzentriertes Arsenal ihre Spiele locker gewinnen, ist die Premier League zu ausgeglichen geworden. Vermeintliche Abstiegskandidaten wie Bolton oder Sunderland mischen oben mit, auch die Aufsteiger, vor allem Blackpool, überraschen mit starken Auftritten. Fabregas sagt: "Früher wusste man einfach, dass man bestimmte Spiele gewinnen würde, besonders zuhause. Aber das lässt sich nicht mehr sagen." 

Wachablösung der drei Großen

Gleichwohl dürfen Arsenal und Chelsea auch diese Saison als heißeste Rivalen von United gelten, denn ihre Schwächen mögen noch so groß sein - die anderen Spitzenteams nutzen sie nicht.  Als Manchester City vorige Woche die Tabellenführung hätte übernehmen können, verlor es zuhause gegen das zuvor sieben Spiele sieglose Everton. Als Tottenham Hotspur ein verunsichertes Chelsea vor zwei Wochen noch tiefer in die Depression hätte drücken können, ließ man den Rivalen mit einem Unentschieden davon kommen. Seit 1996 haben United, Arsenal und Chelsea alle Titel unter sich ausgemacht, jetzt ist das Tor zur Wachablösung offen wie nie. Doch angekommen an der Pforte, drehen alle lieber wieder um. 

Einzige Konstante ist die Schwäche

In gewisser Weise nähert sich die Premier League dem Muster der deutschen Bundesliga: es gibt weniger Qualität an der Spitze, dafür ist es unvorhersehbarer. Nach Jahren der immergleichen Dominanz der Big Four (United, Arsenal, Chelsea, Liverpool) haben mit dieser Abwechslung bislang nur die wenigsten ein Problem. "Diese Saison mag keine historischen Höhen erreichen, aber sie liefert eine Breite von Geschichten, die weit über das Erwartbare hinausgeht", schrieb der "Guardian" in seiner Zwischenbilanz und resümierte: "Die Stärke dieses Turniers liegt momentan in seiner Schwäche."

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