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Wie Berlusconi den italienischen Fußball veränderte

18.02.2011, 21:46 Uhr | t-online.de, t-online.de

Wie Berlusconi den italienischen Fußball veränderte. Silvio Berlusconi wird samt Champions-League-Trophäe von seinen Spielern getragen. (Foto: imago)

Silvio Berlusconi wird samt Champions-League-Trophäe von seinen Spielern getragen. (Foto: imago)

Eine Kolumne von Jonny Giovanni

Es gibt da diese unerfreuliche Geschichte, dieses Gerücht, das so böse ist,  dass es eigentlich nur die Kommunisten erfunden haben können. Danach soll Silvio Berlusconi in seiner Jugend eigentlich Fan von Inter Mailand gewesen sein. Und eigentlich soll er zunächst auch versucht haben,  Inter zu kaufen - was wiederum bedeuten könnte, dass er den AC Milan nicht aus tief empfundener Liebe und Generösität heraus führt, sondern aus, womöglich sogar politischem, Machtstreben und Kalkül. Er, der Cavaliere. Wie gesagt, es ist ein sehr hässliches Gerücht.

Nach eigener Wahrnehmung feiert am Sonntag der leidenschaftlichste Besitzer eines Fußballklubs sein 25-jähriges Jubiläum. Am 20. Februar 1986 hat Berlusconi den Verein gekauft, der damals wie heute mit vollem Namen Associazione Calcio Milan hieß (zwischenzeitlich benannte er ihn zum Athletic Club Milan um, als er weitere Abteilungen neben dem Fußball gründete; nach seinem ersten Sieg bei den italienischen Parlamentswahlen beendete er dieses Projekt). Eine Milliarde Euro hat Berlusconi seitdem nach eigenem Bekunden investiert. Und man kann nicht sagen, es hätte sich nicht ausgezahlt - für beide Seiten.

Zweitligatrainer für Starensemble

Als er den Klub übernahm, stand der bloß im Mittelfeld der Serie A, nachdem er in den Jahren zuvor gar zweimal abgestiegen war - einmal am grünen Tisch wegen eines Wettskandals, einmal sogar ganz profan wegen schlechter Ergebnisse. Er war außerdem praktisch bankrott und im Visier der Finanzpolizei.

Berlusconi kam, tilgte die Schulden und investierte. Bald kaufte er die beiden spannendsten Spieler der Zeit, die Holländer Ruud Gullit und Marco van Basten. Aber das war es nicht allein. Berlusconi traf auch eine visionäre Entscheidung, als er für sein Starensemble einen Zweitligatrainer verpflichtete. Arrigo Sacchi hatte mit seinem damals unterklassigen AC Parma bei Milan ein Pokalspiel gewonnen. Die Legende besagt, dass der Cavaliere auf der Tribüne so begeistert war, dass er sogleich die Verpflichtung des namenlosen Coaches beschloss.

Milan - das absolute Nonplusultra

Die Liaison veränderte den Fußball. Mit seiner Adaption des "total football" und seinen taktischen Innovationen von Pressing bis Zonendeckung schuf Sacchi die Grundlagen des zeitgenössischen Spiels. Sein Milan gilt bis heute als eine der besten Mannschaften aller Zeiten und brachte Berlusconi schnell die ersten Titel. Meisterschaft 1988, Europapokal der Landesmeister 1989 und 1990.

Als Sacchi 1991 zur italienischen Nationalmannschaft wechselte, traf Berlusconi mit Fabio Capello wieder eine eigenwillige Wahl - auch der Schweiger aus dem Friaul hatte nie zuvor einen Erstligisten trainiert. Aber wieder lag Berlusconi goldrichtig. Vier Meisterschaften (samt einem Rekord von 58 Ligaspielen in Serie ohne Niederlage) und ein Landesmeistertitel (bei zwei weiteren Finalteilnahmen) lautete Capellos Arbeitsnachweis bis 1996. Milan war das absolute Nonplusultra.

"Forza Italia"

Seitdem gab es nur noch eine große Ära, unter Carlo Ancelotti (2001 bis 2008), doch insgesamt liest sich Berlusconis Bilanz geradezu fabulös. Sieben Meisterschaften, fünf Landesmeisterpokale bzw. Champions-League-Titel und nur zehn verschiedene Trainer: das sind nicht Zahlen eines launischen Mäzens, sondern die eines Eigentümers, der zumindest an die richtigen Leute zu delegieren weiß. Wie viel er nun selber vom Fußball versteht, bleibt umstritten - wenn er sich dazu äußert (beileibe nicht selten), dann (natürlich) zumeist populistisch, aber immerhin dahingehend, dass er offensives, mutiges Spiel sehen will. Nicht gerade eine Selbstverständlichkeit im Calcio.

Freilich ist Berlusconi nicht dafür bekannt, aus purem Altruismus heraus zu handeln. Der Fußball fügte sich von Anfang an perfekt in sein Imperium. Mit seinem Einstieg bei Milan betrat er eine Ebene, die positiver besetzt ist als die der (halbseidenen) Geschäfte, aus der er kam. Über Fußball erreichte er die Herzen, die der Milan-Fans sowieso, aber auch die der anderen Italiener, jedenfalls bei den Europapokalsiegen. Der Fußball brachte ihm eine Popularität, die ihm  Business und Fernsehen allein nicht hätte bringen können. Als er Anfang der Neunziger Jahre in die Politik drängte, nannte er seine erste Partei nicht umsonst nach einem Schlachtruf von Fußball-Fans: "Forza Italia".

Berlusconi unter Beschuss

Zuletzt reagierte Berlusconi im Sommer auf politische Probleme, indem er für Milan ein paar neue Stars kaufte, Ibrahimovic und Robinho. Der Fußball hat ihn oft in ein positives Licht gerückt und viele seiner schlechten Eigenschaften konterkariert. 2007 etwa, als Milan zuletzt die Champions League gewann, verströmte die Mannschaft soviel Klasse und Eleganz, dass ganz Europa ehrfürchtig von den "Senatoren" sprach.

Aber nun steht Berlusconi wegen seiner Affären wie nie unter Beschuss, und das Transferfenster hat geschlossen. Es sieht so aus, als könne ihm nicht einmal mehr der Fußball helfen. Ausgerechnet jetzt, wo er ein bisschen positive Schlagzeilen nun wirklich gebraucht hätte, verlor Milan in der Champions League zuhause gegen Tottenham und präsentierte sich mit all den Fouls und Eklats dabei wie seine Regentschaft: zu allen Mitteln bereit, aber letztlich abgenutzt und uninspiriert.

Wie lange Silvio Berlusconi noch die Geschicke der Italiener bestimmen darf, hängt längst nicht mehr allein von ihm selbst ab. Dem Fußball aber will er noch lang erhalten bleiben - 25 weitere Jahre, sagte er zuletzt. Der AC Milan wird damit gut leben können.

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