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Mesut Özil: Nemos Jahrgang

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Nemos Jahrgang

14.03.2011, 10:56 Uhr | dpa, t-online.de, t-online.de, dpa

Mesut Özil: Nemos Jahrgang  . In Madrid sehen sie in Mesut Özil schon den neuen Zinedine Zidane. (Foto: imago)

In Madrid sehen sie in Mesut Özil schon den neuen Zinedine Zidane. (Foto: imago)

Eine Kolumne von Jonny Giovanni

Vorigen Mittwoch wussten die Reporter gar Sensationelles aus Valdebebas zu berichten. Dabei war es zunächst ein Tag wie jeder andere auf dem großzügigen Trainingsgelände von Real Madrid. Die Spieler kamen aus der Kabine geschlurft, wer angeschlagen war, zog sich in den Kraftraum zurück, die anderen machten ihre Übungen und ein Spielchen gegen die Reservisten. Erst nach Ende der Proben geschah es. Mesut Özil gab eine Pressekonferenz, und tatsächlich: Er sprach seinen ersten Satz auf Spanisch. "Quiero ganar muchos títulos con el Madrid" – "Ich möchte mit Real Madrid viele Titel gewinnen."

Die linguistische Premiere brachte es in alle Fernsehnachrichten und Zeitungen, wie überhaupt alles, was Mesut Özil tut, momentan höchsten Newswert genießt. Seitdem er in den letzten Wochen gegenüber seiner beachtlichen Anfangsform beim spanischen Rekordmeister noch einmal stark zugelegt hat, liegt ihm die Hauptstadt zu Füßen. Nach zwei exquisiten Torvorlagen vor zehn Tagen beim 3:1 in Santander fehlte in keinem Spielbericht der Vergleich mit Zinedine Zidane, einem der Allergrößten, der jemals das weiße Hemd, ja überhaupt irgendein Fußballtrikot getragen hat. Aber die Lobeshymnen kommen nicht nur von der bekannt leicht euphorisierbaren Presse. Sie kommen auch von denen, die es am allerbesten wissen müssen – Mitspielern, Trainern, Verantwortlichen.

Reals Legenden überschlagen sich

Zum Beispiel von Jorge Valdano, dem Sportdirektor, Ex-Trainer und Ex-Stürmer von Madrid sowie anerkannten Fußball-Philosophen. „Özil wird die nächste Dekade von Real Madrid prägen“, sagte der Argentinier nach dem Schlusspfiff in Santander. „Er ist ein Spieler, wie ihn die Madrid-Fans lieben, wegen seiner Spielweise und seinem Sinn fürs Zusammenspiel.“ Ähnlich äußerte sich ein paar Tage später ein anderer bedeutender Veteran des Klubs, Emilio Butragueno: „Er hat alles um ein großer Star zu werden und die nächste Dekade im Fußball zu bestimmen.“ Auch menschlich zeigt sich der Ex-Stürmer beeindruckt: „Mich überrascht, wie gut er annimmt, was Real Madrid bedeutet, die Dimension des Klubs, die Geschichte.“

Butragueno war in den 80er Jahren der Anführer der "Quinta del Buitre" ("Jahrgang der Geier"), der nach seinem Spitznamen "El Buitre" benannten Generation, die fünfmal in Folge die spanische Meisterschaft gewann. Als nun vor ein paar Tagen das Sportblatt "Marca" die Spitznamen aller Real-Spieler veröffentlichte, titelte es dazu: "Quinta de Nemo". Der Spitzname Nemo gehört Özil, wegen der Glubschaugen, und die Schlagzeile war Ausdruck dessen, was in dem deutschen Nationalspieler gesehen wird – der Mittelpunkt der Mannschaft.

Viel mehr als ein Routineakt

Als solcher ist er besonders am Mittwoch in der Champions League gefragt, im bislang wichtigsten Spiel dieser Saison für Madrid und seinen umstrittenen Trainer José Mourinho. Bei oberflächlichem Hinsehen mag das Achtelfinal-Rückspiel gegen Olympique Lyon nach einem 1:1 in Frankreich vor drei Wochen wie ein Routineakt daherkommen, aber in Wirklichkeit kann davon keine Rede sein. Seit Tagen herrscht große Nervosität, denn das Achtelfinale hat sich zuletzt für Madrid als unüberwindbare Barriere erwiesen. Seit 2005 schied man jedes Jahr in der Runde der letzten 16 aus, vorige Saison auch noch gegen den erneuten Gegner Lyon. Sollen die aktuelle Mannschaft und das Projekt Mourinho eine Zukunft haben, dann muss diese Neurose jetzt überwunden werden.

Den letzten Moment, den sie in Madrid als ihrer Geschichte angemessen betrachten, führte 2002 im Finale gegen Bayer Leverkusen eben jener Zidane herbei, mit dem Özil jetzt verglichen wird. Durch sein spektakuläres Volleytor zum 2:1-Sieg krönte der Franzose damals im Alter von 29 Jahren seine Karriere. Özil dagegen ist gerade einmal 22 und deshalb mag er den Zidane-Vergleich nicht übernehmen. Noch nicht jedenfalls. "Es freut mich, dass es so gut läuft, aber ich habe noch nichts erreicht", sagte er auf seiner Pressekonferenz. "Ich bin nach Madrid gekommen, um mich weiter zu entwickeln. Zidane war ein Spieler mit weltweitem Erfolg. Ich bin noch kein Zidane, ich muss noch viel zeigen."

Der Spielmacher lebt

Solche Bescheidenheit kommt natürlich erst recht gut an. An seiner wortkargen Schüchternheit stört sich in Madrid sowieso niemand – Zidane war ja genauso. Aber vor allem ähnelt sich eben der Spielstil, dieser sanfte Umgang mit dem Ball, das Gefühl für Raum und Geschwindigkeit, die Fähigkeit, wie ein Marionettenspieler das Geschehen zu bestimmen, ohne jemals aufdringlich zu wirken oder egoistisch zu agieren. Özil gehört zu dieser oft schon totgesagten Spezies Spielmacher, die jeden Nebenspieler besser macht und um die eine Mannschaft kreisen kann wie die Planeten im Sonnensystem.

Hierzulande weiß man das spätestens seit der WM in Südafrika. In Madrid wissen sie es jetzt auch, und wenn sie dort halbwegs richtig liegen mit ihren Prognosen, dann reift gerade zum ersten Mal seit Lothar Matthäus wieder ein absoluter Weltstar aus Deutschland heran. "Er spielt fantastisch", sagt auch Mourinho, "Madrid wird noch lange sehr viel von ihm haben." Und weil das so ist, gab es letzte Woche auch eine Nachricht, die in dem Wirbel um Özil fast unterging. Der Brasilianer Kaka, Weltfußballer 2007 und vor der vergangenen Saison für 65 Millionen Euro als Spielmacher verpflichtet, soll im Sommer verkauft werden. Er wird jetzt nicht mehr gebraucht.

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