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Andreas Hinkel: "Das hat nichts mit Sport zu tun, das ist Terrorismus!"

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"Das hat nichts mit Sport zu tun, das ist Terrorismus!"

23.04.2011, 09:11 Uhr | t-online.de

Andreas Hinkel: "Das hat nichts mit Sport zu tun, das ist Terrorismus!". Will nach seinem Kreuzbandriss wieder voll angreifen: Celtic Glasgows Andreas Hinkel. (Foto: imago)

Will nach seinem Kreuzbandriss wieder voll angreifen: Celtic Glasgows Andreas Hinkel. (Foto: imago)

Das Interview führte Nils Tittizer

Wenn es am Ostersonntag zum weltbekannten "Old Firm"-Derby in Glasgow kommt, ist ein Celtic-Spieler ganz besonders heiß: Andreas Hinkel, der zuletzt ein halbes Jahr an einem Kreuzbandriss laborierte,  steht seit zwei Wochen wieder im Mannschaftstraining. 14 Jahre lang war der Verteidiger beim VfB Stuttgart unter Vertrag und  wurde mit den Schwaben Meister. Nach zwei sehr erfolgreichen Jahren beim FC Sevilla wechselte der 21-malige Nationalspieler schließlich 2008 nach Schottland zu Celtic Glasgow.
Im Interview mit t-online.de spricht Andreas Hinkel über die Rivalität zwischen Celtic Glasgow und den Glasgow Rangers, schwere Ausschreitungen beim "Old Firm“ und über eine mögliche Rückkehr in die Bundesliga.

Herr Hinkel, am Sonntag kommt es im Ibrox Park beim Start der Finalrunde zum nächsten "Old Firm" gegen die Rangers. Erzählen Sie uns von der Stimmung rund um das Derby.
Na ja. In der Stadt lasse ich mich am Spieltag nicht blicken, wenn die Fans aufeinander treffen. Ich weiß nur, dass es verschiedene Routen zum Stadion für die Fans gibt. Das Kuriose ist allerdings, dass diese Wege auch durch gegnerische Viertel führen. Da muss die Polizei schon mal mit einer Menge Männer vor einem Pub stehen und für Sicherheit sorgen. Und Polizei-Hubschrauber kreisen über der Stadt.

Gibt es in Deutschland ein ähnlich brisantes Derby?

Ich glaube nicht. Aber das hat mehrere Faktoren. In der Bundesliga geht es rein um das Sportliche - hier in Glasgow spielen neben der Stadtrivalität Religion, Politik und früher noch der Klassenunterschied zwischen Arm und Reich eine Rolle. Der Konflikt zwischen Nordirland und der Republik Irland spielt ebenfalls eine Rolle.

Celtic, "die armen" Katholiken im Osten - Rangers, die besser situierten Protestanten im Westen. Stimmt das noch?

Die Bewohner sind kulturell sehr stark verwurzelt. Hier wird noch viel Wert auf Tradition gelegt. Ich würde sagen, dass Celtic Glasgow ein irischer Verein in Schottland ist. Im Stadion hängt sowohl die schottische als auch die irische Flagge. Wir haben viele Iren im Team. In Irland gibt es eine riesige Fangemeinde. Die Rangers spiegeln die britische Seite wider. In ihrem Stadion hängt die britische Flagge, und sie singen die englische Nationalhymne.

Gibt es Kontakte der Spieler beider Klubs untereinander?

Ich persönlich habe keine Kontakte zu Rangers-Akteuren. Ich muss auch nicht wirklich irgendwelche Kontakte pflegen. Auch meine Kollegen haben nicht unbedingt Kontakt zu den Rangers. Außer die nordirischen Nationalspieler – die gibt es in beiden Vereinen.

Wie sieht es nach der Partie mit Trikot-Tausch aus?

Das geht natürlich überhaupt nicht. Es gibt wohl eine Geschichte, dass es einmal einer gemacht hat. Aber danach war was los in der Kabine. Ich persönlich habe das hier in meiner Zeit nie erlebt. Wenn man es tatsächlich machen wollte, dann muss man das wohl privat machen. Niemals auf dem Platz!

Ansage oder ungeschriebenes Gesetz?

Das ist definitiv ein ungeschriebenes Gesetz. Ich habe in der Celtic-Kabine noch nie ein Rangers-Trikot gesehen. Das ist ein Unding. Das geht gar nicht!

Wie stehen die Chancen, dass Sie Sonntag dabei sind?

Ich muss ehrlich sagen, dass die Mannschaft im Moment sehr gut spielt. Und obwohl ich ein sehr gutes Standing in der Mannschaft habe, würde mich der Trainer wohl nicht nach der langen Verletzungspause direkt wieder aufstellen. Nicht im ersten Spiel. Das Risiko würde der Trainer wohl nicht eingehen.

Aber die Hoffnung besteht?

Ja sicher! Eine kleine Hoffnung habe ich.

Wie geht es Ihrem Knie?

Sehr gut. Ich trainiere seit zwei Wochen wieder mit der Mannschaft und habe keine Probleme mehr. Der Heilungsprozess ist perfekt verlaufen.

Sie waren ein halbes Jahr verletzt. Wie motiviert man sich da immer wieder?

Das war bisher meine langwierigste Verletzung. Am Anfang, wenn man auf Krücken geht, kann man ja sechs bis acht Wochen nichts mehr machen. Da freust du dich schon bereits auf Kleinigkeiten wie Laufen oder Fahrradfahren. Alles, was Fußballern normalerweise nicht gefällt - wie Krafttraining oder harte Arbeit - beginnt auf einmal richtig Spaß zu machen. Aber wenn ich etwas Positives aus dieser Zeit mitnehmen kann, dann sicher, dass man von dem ganzen Fußball-Stress abschalten kann. Jetzt bin ich wieder richtig heiß auf Fußball.

Im März gab es bei einem Pokalspiel zwischen den beiden Teams 13 Gelbe und drei Rote Karten, die Polizei nahm 34 Personen in Gewahrsam, es kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Ihrem Trainer Neil Lennon und Rangers-Assistenztrainer Ally McCoist.

Das ist für mich ein Ausnahmefall, seitdem ich hier bin. Ich habe ja schon über zehn Old Firm gespielt, so etwas hatte ich bislang noch nicht erlebt. Das war vielleicht ein Auszug aus der Vergangenheit. Wie es in der Geschichte beider Vereine öfter vorkam. Die Stimmung auf dem Platz schlägt dann auf die Tribüne über, und nach dem Spiel kommt es zu den Ausschreitungen. So etwas darf man nicht dulden. Daraufhin kam die Polizei zu uns, vor dem League-Cup-Finale, und hat uns einen Sechs-Punkte-Plan an die Hand geben.

Wie sieht denn dieser Plan aus?

Er sagt uns, wie wir uns auf dem Platz zu verhalten haben. Beispielsweise sollten wir keine gegnerischen Fans provozieren, auf dem Platz bleiben und nicht auf die Tribüne steigen. Oder keinesfalls den Schiedsrichter angehen. Dass es bei so einem Derby Foulspiele gibt, die Gelbe oder Rote Karten mit sich bringen, weiß die Polizei auch, aber sie wollte uns darauf hinweisen, dass wir die Stimmung nicht zusätzlich anstacheln sollten. Das war für mich auch neu. Zumal es - seitdem ich in Glasgow bin - keine derartigen Ausschreitungen gab. Jetzt war auf einmal auch die Politik involviert. Daran sieht man, welche Ausmaße diese Ausschreitungen hatten.

Vor ein paar Tagen ging der "Fußballkrieg" zwischen den Anhängern sogar soweit, dass an Neil Lennon ein Sprengsatz geschickt wurde – der von der Post abgefangen werden konnte. Zuvor erhielt er Morddrohungen. Hat das noch etwas mit Sport zu tun?

Nein, natürlich nicht! Ich habe das ja auch mitbekommen. Zumal er letztes Jahr auch schon Patronen zugeschickt bekommen hatte. Jetzt die Briefbombe. Das ist Terrorismus, das muss man ganz klar sagen. Er wird dadurch regelrecht terrorisiert. Das hat etwas mit Politik zu tun. Die Leute, die dafür verantwortlich sind, tragen das in den Sport hinein. Unser Trainer ist Nordire. Er hat auch seine Länderspielkarriere beendet, weil er Morddrohungen erhalte hatte. Er soll angeblich auch einen sogenannten "Panic button" von der Polizei bekommen haben, mit dem er in Gefahrensituationen unmittelbar einen Notruf absenden kann. So weit ist es schon gekommen…

Mitspieler von Ihnen sind bereits von Rangers-Anhängern gejagt worden.

Die Fans kümmern sich nicht darum, ob du Spieler oder Fan bist. Die gehen auf Spieler genauso los, wenn sie betrunken sind. Klar muss man schauen, wo man hingeht. Tagsüber ist das gar kein Problem, aber nachts sollte man nicht in jede Gegend gehen. Insgesamt fühle ich mich sicher, aber einen Vorfall hab ich selbst auch erlebt.

Was ist passiert?

Ich bin damals noch ohne Kinder mit meiner Frau in der Stadt gewesen. Dort hat mich ein Fan erkannt. Zuerst wusste ich gar nicht, ob es ein Anhänger unseres Teams war oder der Rangers. Doch dann hat er mich mit "Bastard" beschimpft und mir war klar: Jetzt musst du abhauen. Also sind wir schnell zu meinem Auto gerannt und weggefahren.

Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Nach über drei Jahren in Glasgow der richtige Zeitpunkt, wieder in die Bundesliga zurückzukehren?

Es gibt diverse Anfragen aus Europa und auch aus der Bundesliga. Doch jetzt beschäftige ich mich erst einmal mit meinem Comeback. Und mit Celtic haben wir noch zwei Titel im Visier.

Oder träumen Sie von einer anderen Karriere? Stichwort: Nutella-Werbespot mit den Nationalmannschaftskollegen und dem Countrysong "Arizona, Arizona". (Hier geht`s zur Facebook-Seite von Andy Hinkel)

(lacht.) Gesang oder Schauspielerei ist definitiv keine Option für mich. Und wie im Spot dargestellt – ich sollte besser beim Fußball bleiben.

Wissen Ihre Kollegen von Ihren Schauspielqualitäten?

Ja. Auch in Spanien beim FC Sevilla kannten sie es.

Mussten Sie für Ihre Kollegen eigentlich schon einmal singen?

Zum Glück nicht.

Sie waren 14 Jahre beim VfB Stuttgart. Den Abstiegskampf kennen Sie selbst nur zu gut – in Ihrem ersten Profijahr ging es um den Klassenerhalt. Worauf kommt es in einer solchen Situation an?

Man muss sich unbedingt damit auseinandersetzen. Man darf nicht verkrampfen. Abstiegskampf ist immer eine mentale Geschichte – denn Fußballspielen können sie alle. Ich glaube, dass der VfB das schon lange verinnerlicht hat. Ich finde es gut, dass sie das auch kommunizieren. So kommt es in den Köpfen der Spieler an.

Wie sehr verfolgen Sie den VfB noch?

Eigentlich jeden Spieltag. Ich kann natürlich nicht die ganzen 90 Minuten sehen, aber die Highlights oder Spielberichte schaue ich mir immer an.

Haben Sie noch Kontakt zu ehemaligen Mitspielern?

Ja, zu Matthieu Delpierre, Cacau, Serdar Tasci und Christian Träsch. Aber nicht wirklich regelmäßig. Man trifft sich zum Essen.

Und zu Bundestrainer Joachim Löw?

Im Moment nicht. Aber das ist doch nicht verwunderlich nach der langen Verletzungspause. Ich denke im Moment gar nicht an die Nationalmannschaft. Das ist zu weit weg. Ich will erst mal bei Celtic schnell wieder Fuß fassen.

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