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Miroslav Klose im Fußball-Irrenhaus: Roms neuer Fußball-Gladiator

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Roms neuer Fußball-Gladiator

14.06.2011, 13:24 Uhr | dpa, sid

Miroslav Klose im Fußball-Irrenhaus: Roms neuer Fußball-Gladiator. Klose: Heilsbringer einer untergehenden Fußball-Kultur? (Foto: imago)

Klose: Heilsbringer einer untergehenden Fußball-Kultur? (Foto: imago)

Von Jonny Giovanni

Miroslav Klose galt ja immer schon als etwas altmodischer Fußballer. Durchaus im besseren Sinne: einer, der sich nicht schert um Klamotten, Mädels und starke Sprüche, sondern nur um das, was auf dem Platz passiert. Einer von Elfen, der immer den Mitspieler im Blick hat. Ein Fighter, der sich reinhaut und keinem Zweikampf aus dem Weg geht. Ein Junge aus der Pfalz eben. (Klicken Sie sich durch die Foto-Show Deutsche Nationalspieler in der Serie A)

Wenn man so will, hat Klose auch jetzt eine altmodische Entscheidung getroffen. Er wechselt nicht nach England, dem an sich logischen Habitat für einen Stürmer wie ihn mit all seiner Leidenschaft. Er geht auch nicht nach Spanien, dem Mekka des zeitgenössischen Fußballs, den nicht zuletzt sein Chef bei der Nationalelf bevorzugt. Nein, Miro Klose geht nach Italien. So als wäre es immer noch 1990.

Um das Jahr des letzten deutschen WM-Titels, errungen in Italien, zogen die Bundesliga-Topkräfte in Kohorten über den Brenner. Matthäus, Berthold, Kohler, Brehme, Reuter, Häßler, Möller, Klinsmann, Riedle, Völler – und das waren nicht einmal alle. Die Serie A, damals mit Abstand die stärkste Liga der Welt, schätzte die deutsche Wertarbeit und umgekehrt hat Italien bei den Deutschen schon seit Goethes Zeiten immer besondere Sehnsüchte hervorgerufen. So verflossen also Geschichte und Gegenwart zum perfekten Kulturtransfer, Sat1 zeigte "ranissimo" und die Spieler lernten, wie man richtig lebt.

Klose auf dem Weg zum Weltmann

Ein paar Jahre später kamen sie zurück mit randloser Brille, neuer Freundin und verfeinerten Manieren. Sie waren jetzt: Weltmänner.

Was es mit Kohler und Völler hinbekommen hat, das sollte Italien doch auch mit Miro Klose schaffen. Vielleicht geht es dem bislang eher verhuschten und nicht gerade stilsicheren Pfälzer ja auch genau darum. Die ersten Berichte nach seiner Vertragunterzeichnung bei Lazio Rom in der Nacht zum Donnerstag lesen sich schon mal prächtig. In der Hostaria Natalino hat er mit seiner neuen Familie um Mitternacht auf seinen 33. Geburtstag angestoßen. Eine laue Frühsommernacht, die Kulisse der Ewigen Stadt und gutes Essen. In der Tat: La Dolce Vita.

Mit beim Ständchen war auch Igli Tare, einst Kloses Mitspieler in Kaiserslautern und heute Teammanager beim Hauptstadtklub. Und womöglich hat der blonde Albaner ihm auch seine ersten Worte souffliert, die er dem Vereinssender "Lazio Style Radio" ins Mikrofon sprach. Kernbotschaft: "Lazio hat eine große Mannschaft und sehr gute Spieler. Ich glaube, wir können um den ersten Platz kämpfen."

Hm, ja, vielleicht. Die Serie A hat in den letzten Jahren deutlich an Niveau verloren, aber ob das Lazio gleich zum Titelkandidaten macht? Im ersten Drittel der abgelaufenen Saison führten die Römer zwar tatsächlich die Tabelle an, aber das war eine große Überraschung. Am Ende wurde es Platz fünf; manche Beobachter hielten die Truppe um den brasilianischen Spielmacher Hernanes damit immer noch für überbewertet.

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Klose braucht Vertrauen

Und so muss Klose mit dem Verdacht leben, er sei zu einem eher schwächeren Klub gegangen, weil er sich einen stärkeren nicht mehr zugetraut hat – nach vier verlorenen Bayern-Jahren, in denen er in der Bundesliga seltener traf (24 Tore) als für die Nationalelf (25). Sollten Tottenham Hotspur (immerhin London) und der FC Valencia  (immerhin Champions League) tatsächlich interessiert gewesen sein, erklärt neben Italien-Nostalgie wohl nur eines den Wechsel nach Rom – die besseren Konditionen. Von Trainer Edoardo Reja soll der Stürmer einen Stammplatz zugesagt bekommen haben. Für Klose ist das extrem wichtig – zu großer Konkurrenzkampf macht ihn nicht besser, sondern schlechter, er ist kein guter Gelegenheitsspieler, er braucht Vertrauen.

Das bekommt er, dafür muss er anderswo Abstriche in Kauf nehmen: Die Serie A, in der Klose spielen wird, hat nicht mehr so viel zu tun mit dem Gelobten Land, in das einst die Briegels und Dolls auszogen. Damals waren die Stadien noch voll und die bengalischen Feuer noch unschuldig. Heute meiden viele Menschen den Weg in halbleere Arenen, wo Boshaftigkeit und Gewalt herrschen. Die strammrechte Lazio-Klientel gehört dabei eher zu den Beispielen als zu den Ausnahmen, die es selbstverständlich auch gibt.

Italienischer Charme soll wirken

Sportlich ist ebenso nicht mehr viel los mit dem "calcio", im Europapokal jagte zuletzt eine Peinlichkeit die nächste. Fast wie in der Politik also, wo das Land unter Lustmolch Silvio Berlusconi ächzt. Auch in Kunst und Kultur passiert derzeit nicht mehr so viel wie früher. Italien ist ganz schön auf den Hund gekommen.

Aber was heißt das schon. Selbst ein müdes Italien hat immer noch eine Menge Charme. Seine beiden Zwillingssöhne etwa wird Klose auf die Deutsche Schule in der Via Aurelia Antica schicken. Die wurde einst von den alten Römern erbaut und führte bis nach Gallien. In so einer Umgebung werden Weltmänner gemacht.

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