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Fußball-Abenteuer Weißrussland: Thomas Brdaric im Interview

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"Man darf die weißrussische Liga nicht schlechter machen als sie ist"

18.07.2011, 13:29 Uhr | t-online.de

Fußball-Abenteuer Weißrussland: Thomas Brdaric im Interview. Aufbruch ans andere Ende Europas: Thomas Brdaric ist neuer Sportdirektor von Dinamo Minsk. (Foto: imago)

Aufbruch ans andere Ende Europas: Thomas Brdaric ist neuer Sportdirektor von Dinamo Minsk. (Foto: imago)

Das Interview führte Mike Rakowski

Der ehemalige Nationalspieler und Champions-League-Finalist Thomas Brdaric startet seine Laufbahn als Sportdirektor im fernen Weißrussland. Mit der Erfahrung aus 204 Bundesliga-Spielen leitet er nun die Geschäfte des Traditionsvereins Dinamo Minsk. Im Interview mit t-online.de spricht der 36-Jährige über neue Herausforderungen als Fußball-Manager, die Sehnsucht nach seiner Familie und junge wilde Spieler.

t-online.de: Sie haben bei Bayer Leverkusen unter anderem als Jugendtrainer gearbeitet. Anfang des Jahres sagten Sie in einem Interview: „Meine Zukunft sehe ich als Trainer.“ Wie kam es nun dazu, dass Sie sich gegen eine Trainerlaufbahn und für das Management  entschieden haben?

Thomas Brdaric: Man kann sich nicht immer aussuchen wie die Dinge kommen. Ich denke das Fußballgeschäft hat unheimlich viel zu bieten. Natürlich sehe ich meine Zukunft auch als Trainer, aber der Managerjob ist eine tolle Herausforderung und die habe ich natürlich gerne angenommen.

Warum haben Sie sich entschieden ausgerechnet Manager einer Traditionsmannschaft in Weißrussland zu werden?

Ein Bekannter hat den Kontakt hergestellt.  Der Job bietet für mich eine perfekte Einstiegs-Chance, die ich unbedingt ergreifen möchte. Dinamo Minsk ist ein absoluter Traditionsverein und hat viele Fans. Ich möchte dem Verein bei seiner Entwicklung helfen und mich natürlich auch selbst weiterentwickeln.

Welche sportlichen Aufgaben kommen ganz konkret auf Sie zu?

Die sind breit gefächert. Das fängt mit dem Job in der Geschäftsstelle an, wo all das koordiniert und strukturiert wird, was in einem professionellen Verein so anfällt. Dann natürlich der Trainingsbetrieb. Als Manager will ich möglichst nah an der Mannschaft dran sein.

In Deutschland sind sie immer noch als „Wilde 13“ bekannt. Wie geht denn eigentlich der seriöse Manager Thomas Brdaric mit jungen wilden Spielern um?

Also man entwickelt sich auch als Person weiter (lacht). Bei mir muss nicht alles ruhig und konservativ laufen. Die jungen Spieler sollen auch ihren Charakter weiterentwickeln, dabei unterstütze ich sie und wer weiß das nicht besser als ich, der ja einiges auch schon mitgemacht hat.

Die letzte Meisterschaft liegt bereits Sieben Jahre zurück. Wie wollen Sie den Verein wieder Richtung Erfolg führen?

Wir haben mit Dinamo Minsk gute Möglichkeiten wieder oben ran zu kommen. Man hat hier drei bis vier Mannschaften, die um die Meisterschaft und die Europa-League mitspielen. Deshalb gilt momentan das Ziel, um die Europapokal-Plätze mitzuspielen. Außerdem planen wir schon für die neue Saison. Kaderplanung, Trainingsprozesse und Vorbereitungsphase. Wir sind in Weißrussland jetzt in der Mitte der Saison.

Haben Sie während Ihrer Profi-Laufbahn schonmal von Dinamo Minsk gehört oder sogar gegen Ihren jetzigen Klub gespielt?

Klar kannte man Minsk. Zu Zeiten der Sowjetunion war Dinamo ja ziemlich erfolgreich. Als ich dann Champions-League und Europapokal gespielt habe, wurde uns Dinamo Minsk nie zugelost. Ich musste den Verein wirklich komplett neu kennenlernen.

Sie haben in einem Champions-League-Finale gestanden und waren bei der EM 2004 dabei. Wie würden Sie das Niveau der weißrussischen Liga bewerten?

Man kann nicht sagen, dass das Niveau zweit- oder drittklassig wäre. Wenn sich eine Mannschaft für die Europa-League qualifiziert, halten die ja ganz gut mit. Man darf sich meiner Meinung nach nicht in solche Sphären runterschrauben, die uns dann am Ende zum Nachteil werden könnten. Es geht ja darum das eigene Leistungsniveau längerfristig zu verbessern. In Deutschland hat man Jugendleistungszentren, davon sind wir noch weit entfernt.

Wo sehen Sie sich in der Zukunft? Unterwegs als Weltenbummler oder wieder in Deutschland?

Oh, das ist eine gute Frage! Also ich freue mich jetzt erstmal auf diese neue Herausforderung. Es gibt unheimlich vieles was man aufarbeiten kann, muss und sollte. Ich mache mir noch keine Gedanken was in ein paar Monaten ist. Im Fußball kann so viel passieren, das sind laufende Prozesse. Weil ich jetzt im Ausland gelandet bin, heißt das aber nicht, dass ich immer im Ausland arbeiten möchte.

Was viele gar nicht wissen: Der weißrussische Nationaltrainer ist ebenfalls ein Deutscher. Hat Bernd Stange, der seit 2007 im Land beschäftigt ist, Ihnen schon den ein oder anderen Tipp geben können?

Ich habe engen Kontakt zu ihm. Er ist mein Ansprechpartner, der mir oft und intensiv unter die Arme greift. Es ist im Grunde genommen auch sein Verdienst, was in den letzten Jahren im Land passiert ist. Die U-21 hat sich qualifiziert für Olympia. Die weißrussische Nationalmannschaft ist von über dreistelligen Weltranglistenpositionen rauf auf 40 und zur Zeit Vierter in der EM-Qualifikation. Das kann sich sehen lassen.

Als Manager muss man den ligaweiten Spielermarkt doch gut kennen. Greift Ihnen dabei jemand unter die Arme?

Ich habe hier verschiedene Ansprechpartner, meine eigene Datenbank im Internet und bin natürlich jeden Tag damit beschäftigt den Markt zu sondieren, Spiele anzuschauen und Spieler unter die Lupe zu nehmen.

Wie läuft eigentlich das Russisch lernen?

(lacht) Also ich kann schon gewisse Dinge fragen und ich kann Zählen. So ein paar Floskeln habe auch schon drauf. Außerdem lerne ich ja nicht nur Russisch sondern vertiefe auch noch mein Englisch.

Wie kommen Sie mit der räumlichen Trennung zwischen Minsk und Ihrer Familie zurecht? Das sind ja mehr als 1500 Kilometer.

Wir sehen uns ab und an. Außerdem sind wir in täglichem Kontakt per Telefon, E-Mail, Skype und chatten viel. Heutzutage geht das besser als noch vor zehn Jahren. Leicht ist es trotzdem nicht.

Was wird eigentlich aus Ihrem eigenem Restaurant? Leitet ihre Familie das „Fährhaus Bislich“, während sie am anderen Ende Europas weilen?

Darum kümmert sich meine Frau Antje. Dann ist sie wenigstens beschäftig (lacht). Nein im Ernst, es gibt nichts Schlimmeres als wenn man jemanden vermisst und zu viel Zeit hat darüber nachzudenken. Wir sind beide beschäftigt und froh darüber. Das Einzige was mich stört, dass meine zwei Jungs so unglaublich weit weg sind. Die vermisse ich, genau wie meine Frau, natürlich schon sehr.

 

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