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Copa America: Irres Paraguay will Uruguays Rekord verhindern

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Vogelwildes Paraguay will verrückte Copa krönen

23.07.2011, 13:31 Uhr | t-online.de

Copa America: Irres Paraguay will Uruguays Rekord verhindern. Edelfan Larissa Riquelme bejubelt den Finaleinzug Paraguays. (Foto: dpa)

Edelfan Larissa Riquelme bejubelt den Finaleinzug Paraguays. (Foto: dpa)

Eine Kolumne von Jonny Giovanni

Paraguay hat bei dieser Copa America viel zur Unterhaltung beigetragen. Die imposanten Oberweiten seiner weiblichen Fans zum Beispiel kennt mittlerweile die gesamte Internet-Welt, außer vielleicht in Nordkorea und Saudi-Arabien.  Auch die minutenlange, erst von eintreffender Polizei gestoppte Prügelei, die sich Spieler und Betreuer nach dem Ende des Halbfinals mit ihren venezolanischen Gegnern lieferten, hat alles Potenzial zu einem YouTube-Klassiker. Paraguay unterstrich damit seinen Ruf als beste "Thekenmannschaft" der Welt und überzeugte zudem als Staffage für die epochale Peinlichkeit der Brasilianer, im Elfmeterschießen des Viertelfinals keinen einzigen Strafstoß zu versenken. 

Es ließe sich vor dem Finale gegen Uruguay am Sonntag also sagen, dass diesem Paraguay eine Spektakelgarantie anhaftet. Wäre da nicht der Kern der Angelegenheit: der Fußball. Denn dass es auch ein Fußball-Spiel gewinnen kann, diesen Beweis ist Paraguay bislang schuldig geblieben.

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Statistiker stehen vor einem Rätsel

Seit dem frühen Donnerstagmorgen mitteleuropäischer Zeit fahnden die Statistiker dieser Welt nach einer Antwort auf die Frage, ob es so etwas schon einmal gegeben hat. Ob schon einmal eine Mannschaft in das Finale eines halbwegs prominenten Wettbewerbs eingezogen ist, ohne ein einziges Spiel zu gewinnen. Bislang haben die Statistiker nichts gefunden.

Fünfmal Paraguay gab es bislang bei dieser Copa, und fünfmal spielte Paraguay remis. Dreimal in der Gruppe, zweimal in der K.o.-Runde, dort jeweils 0:0 und mit anschließendem Erfolg im Elfmeterschießen. Von seinen 510 absolvierten Minuten hat dieses Paraguay nur 59 geführt. Mehr noch: Er war zumindest in der K.o.-Runde auch stets die klar schlechtere Mannschaft.  Gegen Brasilien brachte es in 120 Minuten nicht einen einzigen Schuss aufs Tor zustande, aber sonderlich gut gemauert hat es auch nicht, es hatte einfach nur Glück. Selbst gegen Südamerikas traditionellen Fußball-Zwerg Venezuela musste es einmal die Latte und zweimal den Pfosten in Anspruch nehmen, um nicht zu verlieren. Paraguay ist nicht nur ein siegloser, sondern, rein fußballerisch gesehen, auch ein äußert unverdienter Endspielteilnehmer.

Verrückte Copa

Man kann das, so ist ja oft der erste Reflex, als Beweis gebrauchen für ein vermeintlich schwaches Niveau des Turniers, in dem sich immerhin vier WM-Viertelfinalisten trafen. Man kann es aber auch einfach zur Kenntnis nehmen, kurz mit dem Kopf schütteln und in seiner Einzigartigkeit genießen. Denn so eine verrückte Copa, überhaupt so ein verrücktes Fußball-Turnier wird es so bald bestimmt nicht mehr geben.

Nach einer Vorrunde voller unerwarteter Ergebnisse folgte ein Viertelfinale, das alles auf die Spitze trieb. Alle Gruppenersten verließen den Platz als Verlierer, und in jedem Spiel verlor nicht nur der Favorit, sondern auch die Mannschaft mit den besseren Torgelegenheiten. Um zu siegen, benötigte Uruguay gegen Gastgeber Argentinien eine Jahrhundertparade von Keeper Muslera gegen einen abgefälschten Freistoß von Carlos Tévez; profitierte Peru gegen Kolumbien von einem verschossenen Elfmeter des bis dahin unfehlbaren Radamel Falcao; brauchten Venezuela gegen Chile mehrmals die Latte und Paraguay gegen Brasilien diverse wundersame Interventionen auf der Linie. Wenn nicht vom famosen Torwart Villar, dann von einem Verteidiger.

Uruguay haushoher Favorit

Da fiel schon enorm aus der Reihe, dass Uruguay sein Halbfinale gegen Peru gewann. Denn dieser Erfolg war so verdient wie unumstritten, und tatsächlich steht mit den Urus jene Mannschaft im Finale, die voriges Jahr bei der WM mit Rang vier am besten von allen Südamerikanern abschnitt. Den guten Eindruck vom Kap hat die Vertretung des 3,5-Millionen-Kleinstaats bei der Copa nach holprigem Start bestätigt. Gegen Argentinien verteidigte sie nicht nur, sondern war stets selbst gefährlich und überstand außerdem 50 Minuten Spielzeit in numerischer Unterlegenheit. Es war im übrigen ein sehr gutes Fußballspiel, so wie auch Brasilien gegen Paraguay nur das Toreschießen vergaß, ansonsten aber streckenweise schon wieder wie ein echtes, offensives, zauberndes Brasilien aussah.

Nun also das Finale. Paraguay kämpft um seinen dritten Sieg überhaupt beim ältesten Länderturnier der Welt nach 1953 und 1979, als man zuletzt das Endspiel erreichte. Uruguay dagegen spielt um eine Bestleistung, die zu den eindrucksvollsten des Sports zählt. Ausgerechnet das kleinste Land unter den Teilnehmern – mit nur einem Zwölftel der Einwohnerzahl von Argentinien, einem Fünfzigstel gar nur der von Brasilien – hat die Copa am öftesten gewonnen, 14 Mal. Noch muss es sich diesen Rekord mit Argentinien teilen; ein Sieg noch, dann hielte ihn die Truppe um das Sturmduo Diego Forlán und Luis Suárez sowie den taktisch versierten Trainerroutinier Óscar Washington Tabárez ganz allein.

Kleines Land kann große Geschichte schreiben

Welch’ besseren Ort für diese Krönung könnte es geben als das Monumental von Buenos Aires, das Nationalstadion der Argentinier? Dort entrissen die Urus dem großen Nachbarn am Río de la Plata schon 1987 bei dessen letzter Heim-Copa den Titel – ganz entsprechend ihrer Tradition als Partybreaker, die sie einst mit dem „Maracanazo“ etablierten, dem Sensationssieg bei der WM 1950 gegen Gastgeber Brasilien. Das 61. Jubiläum dieses mythischen Ereignisses fiel heuer just auf den Tag, an dem sie im Viertelfinale die Argentinier aus deren Turnier warfen. (In Uruguay muss man sich entscheiden: Nacional oder Peñarol?)

Dieses kleine Land hat vor nichts Angst und schon die unmöglichsten Siege zustande gebracht. Jetzt braucht es nur einen ganz normalen Erfolg. Geht es nach dem Fußball, dann spricht im Finale alles für Uruguay. Bedenkt man allerdings den bisherigen Verlauf dieser Copa, dann passiert sowieso das Gegenteil von dem, was passieren müsste. Außerdem kann bekanntlich jede Statistik auch andersherum gelesen werden. Paraguay hat bei diesem Turnier zwar noch kein Spiel gewonnen. Aber auch noch keines verloren.

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