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AFC Wimbledon: Profis nur neun Jahre nach der Gründung

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Wider dem Kommerz

08.08.2011, 22:52 Uhr | ses, t-online.de

AFC Wimbledon: Profis nur neun Jahre nach der Gründung. Neun Jahre nach Gründung ist der AFC Wimbledon im Profi-Fußball angekommen. (Foto: imago)

Neun Jahre nach Gründung ist der AFC Wimbledon im Profi-Fußball angekommen. (Foto: imago)

Eine Schnapsidee. So nennen die Gründer des AFC Wimbledon ihren Plan aus dem Jahr 2002. Vielleicht war es auch eine Bieridee. Wie auch immer, auf jeden Fall beschlossen sie damals im Londoner Pub "Fox and Grapes", einen Fußballklub zu gründen. Am vergangenen Samstag, rund neun Jahre später, trat dieser Klub zum ersten Mal zu einem Spiel in einer Profiliga an, in der viertklassigen League Two gegen die Bristol Rovers.

Es ist ein Fußball-Märchen in einer Zeit, in der der Fußball von vorn bis hinten durchkommerzialisiert ist. Nicht nur, aber natürlich auch in England. Das Märchen begann Ende Mai 2002. Mit einem Ende. Mit dem beispiellosen Verkauf des FC Wimbledon, dem FA-Cup-Sieger von 1988. Des Klubs, der als "Crazy Gang" mit den Anführern Vinnie Jones, John Fashanu und Dennis Wise den englischen Fußball durcheinander gewirbelt hatte. Und dabei eine Spielweise favorisierte, die selbst im nicht für elegantes Passspiel bekannten England der 80er Jahre auf Ablehnung stieß. Anstoß, Rückpass in die eigene Defensive, gerne auch zum Torhüter, ein nach vorn gedroschener Ball und dann das Prinzip Hoffnung. Es trug den Namen des bulligen Stürmers Fashanu. Dieses Team, das vor allem auf – freundlich ausgedrückt – robustes Auftreten setzte, schaffte es sogar ins Sonderheft über die 80er des Magazins "11Freunde" und stand dort neben Texten zu Diego Maradona und Christoph Daums Verbal-Duell mit Uli Hoeneß im "Aktuellen Sportstudio".

"Eine der düstersten Tage des englischen Fußballs"

Der Zweitligist FC Wimbledon sollte nach dem Verkauf 2002 rund 100 Kilometer nordwestlich als MK Dons in Milton Keynes spielen. Einer Trabantenstadt, die für sich in Anspruch nehmen darf, über Europas größte Skihalle mit echtem Schnee zu verfügen. Die aber in Sachen Fußball nichts zu bieten hatte. Der große Aufstieg gelang jedoch nicht, inzwischen sind die MK nur noch Drittligist. Die damalige Entscheidung des Verbandes nennt die renommierte Zeitung "Guardian" "einen der düstersten Tage in der Historie des englischen Fußballs".

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Fans casten ersten Kader des AFC Wimbledon

Wer jedoch seinerzeit nicht mitzog, waren die Fans des FC Wimbledon. Sie trafen sich noch am Abend, an dem die Entscheidung fiel, im "Fox and Grapes". Nach einigen Getränken entstand der AFC Wimbledon. Es war ein Projekt, das – lange vor ähnlichen Initiativen in Salzburg oder Manchester – für viel Aufsehen sorgte: Eine Fangemeinde, die den Kommerz nicht mehr mitmacht, die ihrem alten Klub treu bleibt, ja ihn sogar neu gründet.

Jeder, der wollte, konnte für 25 Pfund pro Jahr Anteile am "Dons Trust" erwerben und hatte dafür Mitspracherecht. Die Spieler wurden regelrecht gecastet. 200 durften vorspielen, 20 schließlich blieben. Zum ersten Testspiel bei Sutton United kamen über 4500 Fans, fast alle vom AFC Wimbledon. Auf der Webseite heißt es, für viele sei "der Fußball an diesem Tag wieder auferstanden", die 0:4-Niederlage störte niemanden. Der Klub fand eine neue Heimat im Londoner Stadtteil Kingston upon Thames und startete in der Premier Division der Combined Counties League in der neunten Liga. Normales Zuschaueraufkommen: Rentner, ein paar Hunde und einige, die eben auch immer hingehen. Zuschauerzahl beim ersten Heimspiel von Wimbledon gegen Chipstead FC: 4142.

Rekord: 78 Spiele in Folge ohne Niederlage

Bei Auswärtsspielen gegen Gegner wie Chessington & Hook United, Farnham Town und Walton Casuals dienten mitunter Heuballen als improvisierte Tribünen. Ein Sponsor zahlte für drei Jahre 100.000 Pfund, viele Leute berappten acht Pfund Eintritt für die neunte Liga und kauften Trikots für 35 Pfund das Stück. Kurz: Die Anhänger waren bereit, die Strategie "Von Fans für Fans" mitzutragen.

Es ging ligentechnisch höher, immer höher. Zwischendurch hat Wimbledon einen Rekord im englischen Fußball aufgestellt: 78 Spiele ohne Niederlage zwischen dem 22. Februar 2003 und dem 4. Dezember 2004. Am 21. Mai 2011 siegten die Dons dann im Elfmeterschießen des Relegationsspiels gegen Luton Town und stiegen in die League Two auf. Es war der fünfte Aufstieg in neun Jahren.

Neun Jahre danach: Profi-Fußball

4700 Fans – natürlich ausverkauft – waren nun am Samstag zum Saisonauftakt dabei. Sie feierten eine riesige Party. Mit lauten Gesängen, in einem engen Stadion. So wie Fußball früher einmal war. Sie sahen, wie ihre Mannschaft gegen die Bristol Rovers schnell 0:2 zurücklag, zum 2:2 ausglich, aber am Ende doch 2:3 gegen den Aufstiegsanwärter verlor. Und vor allem sahen sie Profi-Fußball. Neun Jahre, nachdem Fans im Pub "Fox and Grapes" den Klub gegründet hatten.

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