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Der spanische Fußball hat über sein Verhältnisse gelebt

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Der Streik offenbart den Größenwahn der Klubs

25.08.2011, 16:08 Uhr | t-online.de

Der spanische Fußball hat über sein Verhältnisse gelebt. Rudelbildung: Auch Abseits des Platzes halten Spaniens Kicker fest zusammen. (Foto: imago)

Rudelbildung: Auch Abseits des Platzes halten Spaniens Kicker fest zusammen. (Foto: imago)

Eine Kolumne von Jonny Giovanni

Zumindest den Fans der besten Mannschaft der Welt muss noch nicht langweilig werden. Gestern Abend spielte der FC Barcelona sein traditionelles Saison- eröffnungsmatch um die nach dem Vereinsgründer benannte Gamper-Trophäe, zu Gast war der SSC Neapel. Der Champions-League-Sieger gewann deutlich mit 5:0. Am Freitag geht es dann gegen den FC Porto im Finale um den europäischen Supercup. Außerdem gibt es ja immer noch den spanischen Supercup von letzter Woche aufzuarbeiten; der durchgeknallte Auftritt von Jose Mourinho sorgt seit Tagen für reichlich Gesprächsstoff in den Bars der Stadt.

Da war es für den Titelverteidiger, zumal noch nicht in Bestform, nicht weiter schlimm, dass der Saisonauftakt in der spanischen Liga am Wochenende einem Streik der Profis zum Opfer fiel. Rund 200 Spieler der ersten beiden Ligen werden nicht pünktlich bezahlt, mit insgesamt rund 50 Millionen Euro stehen die Klubs bei ihrem Kickerpersonal in der Kreide – bereits in den letzten Jahren hatte die Spielergewerkschaft AFE daher mehrfach mit Arbeitsniederlegung gedroht. Nun hat sie die Ankündigung wahr gemacht, es ist der erste Fußballerstreik seit 1984. Ob er, wie ursprünglich angekündigt, auch am nächsten Spieltag und womöglich sogar darüber hinaus andauert, hängt von den Verhandlungen ab, die AFE und Ligaverband LFP am Montag wieder aufnahmen. Vorerst weiter ohne Ergebnis. "Unsere Positionen liegen weit auseinander", sagt Liga-Präsident Jose Luis Astiazarán.

Spieler sind als Gläubiger die Dummen

Dessen Widerpart, der Chef der AFE, heißt Luis Manuel Rubiales und hat als Spieler von Klubs wie Xerez und Levante selbst jahrelang erlebt, wie ihm wenig oder gar kein Gehalt bezahlt wurde. Denn das Problem ist, wie gesagt, nicht neu. Schon 2003 warnte die LFP in einem offenen Brief an die spanische Regierung: "Unser Fußball steht vor dem Ruin." Passiert ist seitdem – nichts. Statt ihre Konten in Ordnung zu bringen, entdeckten die Vereine vielmehr die Vorteile einer 2002 verabschiedeten Novelle des Konkursrechts. Diese hatte zwar nicht den Fußball im Sinn, erleichtert aber die Folgen von Insolvenzen, was übertragen auf den Fußball bedeutet: Ein Klub kann Konkurs anmelden, ohne einen Zwangsabstieg oder auch nur einen Punktabzug in Kauf nehmen zu müssen. Nicht weniger als 21 Vereine haben diesen Weg in den letzten Jahren beschritten – und die Spieler gehören als Gläubiger zu den Dummen.

Betroffen sind dabei nicht Real Madrid (Schulden: rund 700 Millionen Euro) oder der FC Barcelona (350 Mio.), auch nicht Valencia (300 Mio.) oder Atletico Madrid (200 Mio.), die über genügend Umsatz und Gegenwert (Spieler, Immobilien, etc.) verfügen, um immer wieder neue Kredite bewilligt zu bekommen. Von aktuell 13 Klubs im Insolvenzverfahren spielen nur Racing Santander, Real Saragossa und Aufsteiger Rayo Vallecano in der ersten Liga. Dass Rayo zur ersten Liga zugelassen wurde, obwohl der Verein pleite ist, illustriert den Irrsinn des geltenden Rechts. Die Regierung will den fraglichen Gesetzespassus daher ändern und Zwangsabstiege ermöglichen.

Mehr als ein "Streik der Fußball-Millionäre"

Die Streikenden fordern Strafen für Vereine, die mit Gehaltszahlungen in Rückstand sind – so wie es der Praxis in den anderen großen Ligen entspricht. Da vor allem Spieler von kleineren Erstligaklubs oder aus der zweiten Liga betroffen sind, geht es um durchaus existentielle Probleme und nicht um einen "Streik der Fußball-Millionäre", wie bisweilen sensationalistisch getitelt wird. Allerdings haben sich die Millionäre wie Real Madrids Kapitän Iker Casillas oder Barcelonas Spielführer Carles Puyol auch nicht aus reinem Altruismus mit dem Streikaufruf solidarisiert. Denn neben der Gehaltsfrage gibt es weitere Streitpunkte. So wehrt sich die AFE etwa gegen neue Bestimmungen der Liga, wonach die Spieler ihre Persönlichkeitsrechte an die Vereine abtreten und Tage bei der Nationalmannschaft als Urlaub behandelt werden sollen.

Diese sind auf der anderen Seite auch nicht mehr als verzweifelte Versuche der Klubs, ihre Einnahmesituation zu verbessern. Der spanische Fußball, verschuldet mit rund vier Milliarden Euro, befindet sich in einem Teufelskreis – jedenfalls, so lange er nicht die wahren Ursachen der Malaise angeht. Als da in erster Linie die Verteilung der Fernsehgelder wäre. Dank Einzelvermarktung kassieren Real Madrid und der FC Barcelona fast die Hälfte der insgesamt rund 600 Millionen Euro an TV-Einnahmen, oder, anders ausgedrückt, je 20 Mal mehr als die kleinsten Klubs der Primera Division. Real und Barca finanzieren so ihre weltweit unerreichten Luxuskader. Aber ein derartiges Einkommensgefälle kann auf die Dauer kein Wettbewerb vertragen.

Der letzte Star verlässt Valencia

Selbst ein so renommierter Verein wie der FC Valencia hat nicht mehr die geringste Chance auf den Titel. Zwar belegte man in den beiden vergangenen Saisons jeweils den dritten Platz, dies indes 25 bzw. 21 Punkte hinter dem Zweiten Real Madrid. Um selbst einmal am Ruhm zu schnuppern, mussten die Valencianos in den Jahren zuvor erhebliches Risiko gehen. So gewann man zwar 2002 und 2004 die Meisterschaft. Dauerhaft war die Attacke auf Barcelona und Madrid aber nicht finanzierbar. Nachdem die Finanz- und Immobilienkrise auch noch den geplanten Verkauf des Stadiongeländes durchkreuzte, bleiben nur noch Spielerverkäufe. Nach David Villa und David Silva im vorigen Sommer musste nun mit Juan Manuel Mata (für 30 Millionen Euro zum FC Chelsea) auch der letzte verbliebene Star abgegeben werden.

Wie Valencia hat der gesamte spanische Fußball lange über seine Verhältnisse gelebt. Der Streik erinnert ihn daran, dass es höchste Zeit ist, sie zurecht zu rücken.

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