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Kolumne: Evian GT sorgt für alpine Poesie in der Ligue 1

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Evian GT mischt die Ligue 1 auf

15.10.2011, 17:53 Uhr

Kolumne: Evian GT sorgt für alpine Poesie in der Ligue 1. Sidney Govou (re.) ist einer der namhaften Neuzugänge bei Evian GT.  (Quelle: imago)

Sidney Govou (re.) ist einer der namhaften Neuzugänge bei Evian GT. (Quelle: imago)

Von Jonny Giovanni

Den spektakulärsten Moment seiner noch jungen Geschichte erlebte der Evian Thonon Gaillard Football Club an einem Donnerstag im Juli. Da zog sich ein Weltmeister für ihn aus, und viel besser kann es ja wohl nicht werden. Bixente Lizarazu löste mit dem Striptease im Hotel Royal D’Evian eine Wette ein. Sollte der kleine französische Alpenklub den Aufstieg in die erste Liga schaffen, das hatte er zum Saisonstart vollmundig erklärt, dann werde er nackt durch die Straßen der Savoyen laufen. 

Lizarazu wählte dann die etwas abgeschwächte Variante, in den Bergen am Genfer See sind die Leute schließlich etwas konservativ. Insgesamt ist davon auszugehen, dass der kleine Baske liebend gern die Hüllen fallen ließ, denn von dem Aufstieg profitierte er ganz direkt. Wie seine Weltmeisterkollegen von 1998 Zinédine Zidane und Alain Boghossian besitzt er Anteile an dem Verein - was wiederum verdeutlicht, dass es sich zwar um einen kleinen Klub handelt. Aber nicht um einen gewöhnlichen Klub.

Wassermarke als Namensgeber  

Zum Beispiel hat er sich allein in diesem Jahrtausend schon dreimal umbenannt. Aus dem FC Gaillard wurde 2003 zunächst Football Croix-de-Savoie, 2007 dann Olympique Croix-de-Savoie und schließlich 2009 der heutige Evian Thonon Gaillard FC. Auf dem Weg dorthin wurden die meisten Klubs der Region unter dem Savoyenkreuz eingemeindet und ein mächtiger Gönner gewonnen. Danone-Chef Franck Riboud machte mit einer Kapitalerhöhung den Weg frei für Zidane, Boghossian, Lizarazu und sorgte auch für den jüngsten Namenswechsel. Der ursprüngliche FC Gaillard residiert dabei in Thonon. Das vorangestellte Evian bezieht sich nicht auf das gleichnamige Dorf, sondern auf die zum Danone-Konzern gehörende Wassermarke.

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Es ist alles ein bisschen konfus. So spielt Evian TG oder ETG auch nicht in Thonon, das dortige Stadion ist zu klein und ein neues erst 2014 fertig, sondern im 75 Kilometer entfernten Annecy. Lieber würden sie im 35 Kilometer entfernten Genf spielen, doch das liegt in der Schweiz, und da die Uefa bekanntlich noch konservativer ist als jeder Bergbewohner, untersagte sie den Ausflug ins Nachbarland. Alle anderen Beteiligten auf beiden Seiten der Grenze hatten dem Transfer zugestimmt.

Keine Mega-Transfers 

Das war im Sommer 2010, da war ETG, 2008 noch viertklassig, gerade in die zweite Liga aufgestiegen. Zumal ohne echte Heimspiele konnte kein Lizarazu und schon gar kein Außenstehender ahnen, dass der neuerliche Aufstieg folgen würde. Denn es ist nicht so, dass Riboud im großen Stile eines Papa Hopp die Taschen geöffnet hätte. Offiziell beträgt sein Sponsoring-Beitrag drei Millionen Euro pro Saison, man darf inoffiziell von etwas höheren Zuwendungen ausgehen, aber von nichts Vergleichbarem wie etwa den knapp 20 Millionen Euro, die Hoffenheim allein in seiner einen Zweitligasaison für neue Spieler ausgab. Evians teuerster Zukauf der Vereinsgeschichte hat eine Million Euro gekostet, es ist der ghanaische Mittelfeldmann Mohammed Rabiu.

Ein paar bekannte Namen finden sich im Kader dennoch, sie kamen ablösefrei aus dem Ausland, wo sich ihre Karrieren gen Ende neigten: Sidney Govou von Panathinaikos Athen, Christian Poulsen vom FC Liverpool, und ja, auch Fabrice Ehret vom 1. FC Köln. Jetzt sehen sie in ihren rosa Trikots mit blauen Alpengipfeln aus wie kickende Flaschen der Wassersorte, aber bisher schlagen sie sich ganz ordentlich. Nizza wurde besiegt, dem neureichen Tabellenführer Paris St. Germain ein Remis abgetrotzt – insgesamt steht man bei acht Punkten aus neun Spielen, Platz 15 und damit über dem Strich.

Alte Anhänger stören sich am Kommerz

Nur darauf kommt es an, etwas anderes als der Klassenerhalt wäre ein utopisches Ziel. "Wir wissen, dass unsere Saison nicht so rosa wird wie die schöne Farbe unseres Trikots", sagt Sportdirektor Pascal Dupraz und bringt damit schon mal etwas alpine Poesie in den Abstiegskampf. 32.000 Einwohner hat Thonon, vielleicht läuft es ja eines Tages so gut wie in Auxerre (37.000), das manchmal Champions League spielt, oder wie in dem unglaublichen Guingamp (7500), das 2009 den französischen Pokal gewann. Hauptsache, das hoffen die Verantwortlichen, es läuft nicht wie bei Arles-Avignon, das ebenfalls als Zusammenschluss durch die unteren Ligen gestürmt war, um dann vorige Saison in der Ligue 1 mit drei Siegen aus 38 Spielen brutal unterzugehen.

Zwischen 8000 und 15.000 Fans, je nach Gegner, haben die Erstligaspiele bislang nach Annecy gelockt, aber nicht alle sind zufrieden. Die alten Anhänger aus früheren Tagen stören sich an dem kommerziellen Vereinsnamen, immer mal wieder gibt es Gerüchte, dass bald die nächste Änderung ansteht. Es bleibt also in jeder Hinsicht spannend unter dem Savoyenkreuz, und wer weiß, wenn sie eines Tages wirklich mal einen Titel gewinnen, vielleicht läuft dann ja sogar Zidane nackt durch die Straßen.

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