Startseite
Sie sind hier: Home > Sport > Fussball > Fußball international >

FC Bayern: Champions-League-Gegner SSC Neapel im Porträt

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Neapel, Laboratorium eines besseren Calcio

18.10.2011, 11:05 Uhr | t-online.de

FC Bayern: Champions-League-Gegner SSC Neapel im Porträt. Edinson Cavani (li.) und Gökhan Inler beim Torjubel. (Quelle: imago)

Edinson Cavani (li.) und Gökhan Inler beim Torjubel. (Quelle: imago)

Eine Kolumne von Johnny Giovanni

Im Leben erwarten die Italiener nichts Gutes aus Neapel. Auch wenn der neue Bürgermeister Luigi de Magistris den Übeln der Stadt den Kampf angesagt hat – ihr Image liegt irgendwo in der Kategorie zwischen Iran und FDP. Müll, Camorra, Arbeitslosigkeit. Neapel, idyllisch gelegen am gleichnamigen Golf, hat seine großen Zeiten um Jahrhunderte hinter sich.

Heute gilt die Kapitale des Mezzogiorno, des südlichen Italien, auch als Hauptstadt von dessen Hoffnungslosigkeit. Nur im Fußball sieht es etwas anders aus. Aber was heißt hier nur.

Maradona führte Neapel in vesuvianische Höhen

Der Fußball ist das Lebenselixier der Stadt, und er hat ihr schon einmal Triumphe von hohem symbolischen Wert beschert: von 1984 bis 1991 spielte Diego Armando Maradona in Neapel, der beste Fußballer seiner Zeit. Seine bloße Anwesenheit katapultierte den Stolz der Stadt in vesuvianische Höhen, dazu gab es Titel: Zwei Meisterschaften 1987 und 1990, die ersten der Vereinsgeschichte, einen Pokal und den UEFA-Cup 1989 durch einen Finalsieg gegen den VfB Stuttgart. Diego Maradona brachte viele Neapolitaner dazu, im WM-Halbfinale 1990 seine Argentinier und nicht Italien anzufeuern, er wird in der Stadt bis heute wie ein Heiliger verehrt. Wenn er sich nur als Tribünengast ankündigt, ist das Stadion San Paolo sofort ausverkauft.

Im Herbst 1990 spielte Neapel sein für 21 Jahre letztes Match im Europapokal der Landesmeister. Im März 1991 wurde Maradona positiv auf Kokain getestet. Seine Sucht und seine Beziehungen zur Neapolitaner Unterwelt kamen ans Licht. Drogen, Kriminalität,  Betrug – da waren sie wieder, die ewigen Themen Neapels. Maradona verließ die Stadt, der Norden Italiens sah sich in seinen Klischees bestätigt, und der SSC Neapel begann seinen Absturz in die Bedeutungslosigkeit.

Aurelio de Laurentiis erweckt Neapel

Als Aurelio de Laurentiis den Verein 2004 übernahm, war er in der dritten Liga angekommen und mit über 70 Millionen Euro verschuldet. De Laurentiis ist Produzent von eher trashigen, wenngleich kommerziell durchaus erfolgreichen Filmen wie "Die römische Kanone" oder "Weihnachten in Beverly Hills". Er ist gebürtiger Römer, aber Rom ist ja oft genauso durchgeknallt wie Neapel. Alles schien bereitet für eine Operette ohne sonderliche Substanz. Eingetreten jedoch ist das genaue Gegenteil.

De Laurentiis hat ein Musterbeispiel dafür geschaffen, wie man mit moderatem Investment einen schlafenden Riesen wieder erwecken kann. Er traf die richtigen Personalentscheidungen, Sportdirektor Pierpaolo Marino, die Trainer Edoardo Reja, später Walter Mazzari. 2006 stieg Neapel wieder in die zweite Liga auf, 2007 gleich in die erste. Für jeweils 5,5 Millionen Euro wurden junge Spieler wie Ezequiel Lavezzi oder Marek Hamsik gekauft, die heute jeweils das Vier- bis Fünffache wert sind.

"Drei Tenöre" patzen gegen Parma

Zusammen mit dem unersättlichen Mittelstürmer Edinson Cavani (26 Tore in der Vorsaison) firmieren sie als die "drei Tenöre". Neapels Offensivtrio ist so ziemlich das Gegenteil von Ibrahimovic, Pato und Robinho beim AC Mailand – die Namen sind nicht ganz so groß, die Egozentrik aber auch nicht. Vorigen Monat wurde der AC dank eines Hattrick von Cavani zuhause 3:1 abgefertigt, wenig später Inter auswärts 3:0 besiegt. Bloß gegen die Laufkundschaft der Serie A tut man sich diese Saison bislang schwer. Am Samstag wurde durch ein 1:2 gegen Parma der Sprung an die Tabellenspitze verpasst.

Die Champions League ist ein größerer Teich, und in dem plantscht Neapel bislang mit einer überraschenden Selbstverständlichkeit. Bei Manchester City gab es ein verdientes 1:1, Villarreal wurde routiniert 2:0 abgefertigt. So routiniert, dass nichts auf dem Spielfeld verriet, dass hier gerade ein Klub zum ersten Mal seit 21 Jahren ein Heimspiel in Europas größten Wettbewerb austrug. Das war dafür auf den Tribünen des San Paolo, eine Betonschüssel der alten Schule, zu sehen. Neapels Comeback im kontinentalen Hauptprogramm wurde zu einem Festtag, wie es ihn so beim Fußball nur in wenigen Städten der Welt zu bestaunen gibt. Schon mittags nahmen die ersten Fans ihre Plätze ein, sie sangen, feierten und choreographierten mit dieser ganz speziellen neapolitanischen Intensität. Die Bayern erwartet am Dienstag (ab 20.30 Uhr im t-online.de Live-Ticker) kein kleineres Spektakel.

Neapels unorthodoxes 3-4-2-1-System

Der Fußball, er bringt das Beste aus dieser Stadt zum Vorschein, ihre Lebensfreude, ihr Temperament, ihre Kreativität. Walter Mazzaris SSC ist nicht nur erfolgreich, sondern auch der Beweis gegen die auf dem restlichen Kontinent gängige Meinung, dass der italienische Fußball seinen Esprit und seine taktische Innovationskraft verloren habe. Das unorthodoxe 3-4-2-1-System des Trainers und die pfeilschnellen Angriffe seiner Elf gehören zum Interessantesten, was Europa momentan zu bieten hat.

Die hoffnungslose Stadt, der rückständige Süden präsentiert sich zumindest in einem Bereich als die Avantgarde des Landes. Neapel, Laboratorium eines besseren Calcio: Es passt ins Bild, dass man als einer der wenigen italienischen Spitzenklubs zuletzt stets schwarze Zahlen schrieb in keinen der jüngsten Manipulationsskandale verwickelt war.

Gökhan Inler und die Löwenmaske

Was natürlich auf der anderen Seite nicht heißen soll, dass Präsident De Laurentiis gänzlich auf Special Effects verzichtet. Die Präsentation seines wichtigsten Sommer-Neuzugangs inszenierte er nach allen Regeln der Kunst. Auf einem Kreuzfahrtschiff des Hauptsponsors begleitete ihn beim Gang vor die Journalisten ein Napoli-Spieler mit Löwenmaske auf dem Gesicht – der sich dann schließlich als der Schweizer Nationalmannschaftskapitän Gökhan Inler herausstellte. Der Erfolg ist wieder da, die Exzentrik auch. Neapel war schon lange nicht mehr so mit sich im Reinen.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Wahnsinn 
Cleverer Hund überwindet Gartenzaun mit Trick

Kaum zu glauben, wie der Hund es schafft zu seinen Freunden zu gelangen. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Jetzt EntertainTV Plus bestellen und 1 Jahr sparen!

EntertainTV Plus 1 Jahr statt 14,95 € für 4,95 €* mtl. sichern. www.telekom.de Shopping

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de
Sport von A bis Z

Anzeige
shopping-portal