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Alexander Merkel: "Ich lebe meinen Traum"

08.12.2011, 12:29 Uhr | t-online.de

Interview mit Alexander Merkel: "Ich lebe meinen Traum". Alexander Merkel ging im Alter von 16 Jahren nach Italien.  (Quelle: imago)

Alexander Merkel ging im Alter von 16 Jahren nach Italien. (Quelle: imago)

Das Interview führte Nils Tittizer

Alexander Merkel sorgt derzeit in Italien für Furore. Mit 16 Jahren wagte der deutsche Junioren-Nationalspieler den großen Schritt zum AC Mailand und wurde in der letzten Saison Meister der Serie A. Diesen Sommer wurde er zum FC Genua ausgeliehen, um dort als Stammspieler zu reifen. Mit Erfolg: Er wird derzeit für seine Leistungen mit Lob überhäuft.

Im Interview mit t-online.de spricht der inzwischen 19-Jährige über sein anfänglichen Probleme in Italien, das Gefühl in der Champions-League zu spielen und das lange Warten auf ein Tor.

t-online.de: Herr Merkel, was war schwieriger: Sich in Deutschland einzugewöhnen, als sie im Alter von sechs Jahren kamen oder 2008 in Italien?

Alexander Merkel: Als wir damals nach Deutschland zogen, da war ich noch sehr klein und habe von dem Umzug kaum etwas mitbekommen. Die Umgewöhnung ging damals sehr schnell. Vor drei Jahren, als ich nach Italien gegangen bin, war ich natürlich schon etwas reifer. Das war ein gewaltiger Unterschied, da ich alleine umgezogen bin.

Hier geht's zur Facebook-Seite von Alexander Merkel

Was war die größte Umstellung?

Ich kannte die Sprache nicht. Aber ich habe mich schnell zurechtgefunden und mittlerweile fühle ich mich sehr heimisch hier in Italien.

Was mögen Sie besonders?

Die Lebenseinstellung der Menschen. Sie sind alle viel lockerer als in Deutschland. Das gefällt mir. Ich genieße es hier zu leben. Man muss es einfach erleben.

Sie haben in Genua eine Wohnung mit Meerblick. Legen Sie viel Wert auf „schönes Wohnen“?

Ja, unbedingt. Man muss sich nach dem Training ja wohlfühlen. Und wenn nicht zuhause, wo dann? Deswegen habe ich bei der Wohnungssuche großen Wert auf eine schöne Umgebung gelegt. Und es war die richtige Entscheidung.

Ist Italien Ihr Traumland?

Ich lebe hier in Italien meinen Traum. Ich mache beruflich das, was ich liebe. Aber es gibt so viele schöne Länder auf der Welt, dass ich nicht sagen kann, ob Italien mein Traumland ist.

Wo ist Ihre Heimat?

Das ist schwer zu sagen. Ich bin dort zu Hause, wo meine Familie ist. Da fühle ich mich geborgen.

Sie wurden in Kasachstan geboren, lebten dann in Deutschland, jetzt in Italien. Wie viele Sprachen sprechen Sie eigentlich?

Mittlerweile beherrsche ich vier Sprachen. Deutsch, Englisch, Russisch und Italienisch.

Sind Sie ein Sprachtalent?

Na ja. Anfangs war es sehr schwierig, Italienisch zu lernen. Aber dann gewöhnt man sich daran. Und schließlich war es ein Muss, die Sprache zu beherrschen. Irgendwie muss man sich ja mit den Menschen verständigen können. Es hat mir sehr bei der Integration geholfen.

Wie wichtig ist die Verständigung im Spiel oder im Training wirklich?

Fußball spricht nur eine Sprache: Fußball zu spielen! Aber ich finde, dass es für die Verständigung mit dem Trainer und den Mitspielern sehr wichtig ist, dieselbe Sprache zu sprechen. Sowohl in der Mannschaft als auch im Privatleben läuft die Integration schneller ab. Sprichst du dieselbe Sprache, hast du auch mehr Spaß. Deswegen wollte ich so schnell wie möglich Italienisch lernen. Es erleichtert Vieles.

Gab es anfangs Probleme?

Ja klar. Am Anfang versteht man die Anweisungen des Trainers nicht, oder was die Mitspieler einem zurufen. Das ist schon ein komisches Gefühl.

2008 sind Sie von der Jugend des VfB Stuttgart zum Weltklasse-Verein AC Mailand gewechselt. Wie groß war damals der Schritt?

Das war bis jetzt der größte Schritt meines Lebens. Ich habe mich als 16-Jähriger nach Italien gewagt. Aber heute kann ich sagen, es war die richtige Entscheidung.

Ihren ersten Auftritt für die Profis hatten Sie gleich in der Champions-League-Partie gegen Ajax Amsterdam. War das ein besonderes Gefühl?

Ja klar. Die Champions League ist für mich das Größte.  Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen.

Wie hat es sich angefühlt, neben Superstars wie Pato, Ibrahimovic und Robinho zu spielen?

Sehr gut. Da gab es überhaupt keine Probleme mit der Integration. Die Mannschaft hat mich sehr herzlich aufgenommen.

Hatten Sie auch außerhalb des Vereins Kontakt zu Milans-Superstars?

Ich habe mich mit allen Spielern gut verstanden, aber nach dem Training bleibt nicht mehr wirklich viel Zeit. Die meisten versuchen sich auszuruhen oder die Freizeit mit der Familie zu verbringen. Aber ich habe mich sehr gut mit Mark van Bommel und Kevin-Prince Boateng verstanden.

Mit 19-Jahren sind Sie bereits italienischer Meister. Kommt der Erfolg vielleicht etwas zu früh?

Man kann nie genug Erfolg haben im Leben. Ich bin noch jung und will so viel wie möglich gewinnen. Deswegen bin ich sehr glücklich, in meinem ersten Profijahr direkt Meister geworden zu sein. Aber gerade weil ich noch jung bin, muss ich noch sehr viel lernen.

Diesen Sommer wurde Sie an den CFC Genua ausgeliehen. Was sind ihre persönlichen Ziele für diese Saison?

In erster Linie möchte ich mich weiterentwickeln und jeden Tag etwas dazulernen. Ich möchte jeden Tag meine Leistung bringen, damit ich so viele Spiele wie möglich machen kann. Wir haben eine sehr gute Mannschaft. Da ist ein Europa-League-Platz sicherlich drin.

Ist Genua als vergleichsweise kleinerer Klub für Ihre Entwicklung besser als Milan?

Das kann ich nicht sagen. Derzeit konzentriere ich mich nur auf Genua. Ich versuche mein Bestes zu geben und als Stammspieler zu reifen.

Nach der Partie gegen Juve wurden Sie von Italiens größter Sportzeitung, der „Gazzetta dello Sport“, mit Lobeshymnen überhäuft. Macht Sie das stolz?

Es freut mich sehr. Aber das ist kein Grund abzuheben. Ich versuche jetzt von Woche zu Woche meine Leistung zu bringen und den Zuschauern zu zeigen, was ich kann. Es war ein ordentliches Spiel, mehr auch nicht. Aber ich könnte ruhig mal das Tor treffen (lacht).

Da sprechen Sie sicherlich auch die letzte Partie gegen AS Rom an, bei der Sie erneut einen Treffer vorbereitet haben. Kurioserweise haben Sie Ihren Mitspieler Juraj Kucka ans Knie geköpft und der Ball landete im Tor…

Klar würde ich gerne selber das Tor schießen, denn langsam reicht es: Zweimal habe ich die Latte getroffen und jetzt der Kopfball gegen Kuckas Knie. Aber ich bin mir sicher: Wenn‘s kommt, dann kommt‘s. Doch ich bin glücklich über die drei Punkte. Für die Mannschaft zählt nur der Sieg.

Milan besitzt 50 Prozent Ihrer Transferrechte. Rechnen Sie mit einer Rückkehr nach Mailand oder ist Deutschland eine Option für Sie?

Im Moment konzentriere ich mich nur auf Genua und blicke nicht in die Zukunft. Aber sicher, die Bundesliga ist eine sehr interessante Liga.

Ihr ehemaliger Mailänder Mannschaftskollege Kevin-Prince Boateng spielt derzeit auch einen hervorragenden Fußball. Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Ja klar! Man schreibt sich gegenseitig. Zuletzt habe ich ihm zu seinem Dreierpack gegen Lecce gratuliert. Ich freue mich für ihn. Allerdings haben wir keine Zeit, uns neben dem Training und den Spielen zu treffen.

Seit der U15-Nationalmannschaft haben Sie jedes Junioren-Nationalteam in Deutschland durchlaufen. Hat sich Joachim Löw bereits bei Ihnen gemeldet?

Nein. Bei mir hat sich noch keiner gemeldet.

Sie wären für Ihr Geburtsland Kasachstan und auch für Russland spielberechtigt. Spielen Sie mit dem Gedanken, für eines dieser Länder aufzulaufen?

Ich spiele mit dem Gedanken, so gut es geht für Genua zu spielen. Alles Weitere wird man sehen. Ich habe noch Vieles vor mir.

Sind denn bereits Scouts des russischen oder kasachischen Verbands auf Sie zugekommen und haben Ihnen Angebote gemacht?

Nein.

Mit Kroos, Özil, Müller, Götze, Reus, Schürrle, Gündogan, Marin gibt es etliche Jungstars, die auf ihrer Position im Mittelfeld spielen. Schreckt Sie der Konkurrenzkampf im DFB-Team?

Das sind alles großartige Spieler. Aber damit beschäftige ich mich nicht. Ich konzentriere mich nur auf mich.

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