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Wie Newcastle United sein Gesicht verändert hat

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Wie Newcastle United sein Gesicht verändert hat

17.11.2011, 13:03 Uhr

. Newcastles Demba Ba, Cheik Tiote und Leon Best freuten sich  über den Sieg gegen Blackburn Rovers. (Quelle: imago)

Newcastles Demba Ba, Cheik Tiote und Leon Best freuten sich über den Sieg gegen Blackburn Rovers. (Quelle: imago)

Eine Kolumne von Jonny Giovanni

Newcastle United ist eine Art Schalke 04 der Insel: bedingungslos geliebt, Kulturgut einer stolzen Region, im entscheidenden Moment selten auf der Gewinnerseite und immer für einen Skandal gut. Seit 1927 jagen die schwarz-weißen Magpies (Elstern) aus dem Nordosten Englands einer Meisterschaft hinterher, in den 90er Jahren brachten sie es unter Trainer Kevin Keegan einmal fertig, einen Zwölf-Punkte-Vorsprung auf Manchester United zu verspielen. In der jüngeren Vergangenheit wurde es noch schlimmer: Profis prügelten sich untereinander während eines Spiels, Erfolg blieb sowieso aus, 2009 stieg man sogar ab, und auch nach dem direkten Wiederaufstieg erregte Newcastle bloß Mitleid und Gelächter. Wenn die Fans mal wieder gegen Eigentümer Mike Ashley protestierten oder irgendwer eine Keilerei angezettelt hatte.

Noch diesen Sommer lief alles nach Art des Hauses – daneben. Schlüsselspieler verließen den Verein im Zorn, Exzentriker Joey Barton stritt sich über Twitter mit dem Vorstand und die Saisoneröffnung gegen den AC Florenz musste wegen sintflutartigem Regen nach einer Stunde abgebrochen werden. Weder substanziell noch symbolisch schien irgendetwas auf eine halbwegs erfolgreiche Spielzeit hinzudeuten.

Magpies ungeschlagen in der Premier League

Doch nun ist Mitte November, und Newcastle hat noch kein Spiel verloren. Am Samstag kommt es bei Spitzenreiter Manchester City zum Duell mit dem einzig anderen ungeschlagenen Team der Premier League. Es folgen der Auftritt bei Manchester United und das Heimspiel gegen Chelsea – dann wird man wissen, ob der beste Saisonstart seit 16 Jahren womöglich sogar in eine ernsthafte Kandidatur um einen Champions-League-Platz münden kann.  Fürs erste rangieren die Magpies auf Platz drei. Nicht schlecht für eine Mannschaft, die kein Experte auch nur in der oberen Tabellenhälfte sah.

Mannschaftsstruktur verändert

Das Phänomen ist inzwischen untersucht, gewogen, seziert – und im Ergebnis steht fest: Sie waren endlich mal smart in Newcastle. Trainer Alan Pardew verfolgte eine Idee, als er im Winter den jungen Lokalmatadoren Andy Carroll für 35 Millionen Pfund zum FC Liverpool gehen ließ und den unzufriedenen Linksverteidiger José Enrique gleich hinterher, als er Kapitän Kevin Nolan abgab und schließlich auch Barton. Er wollte die DNA der Mannschaft verändern. Und es ist ihm gelungen.

Vereinfacht gesagt, hat er aus einer sehr britischen eine eher kontinentale Mannschaft gemacht. Die "box-to-box-player" Nolan und Barton im Mittelfeld plus der wuchtige Carroll im Sturm standen für den rast- aber eben auch etwas kopflosen Tempofußball alter englischer Prägung. Bisweilen genial, bisweilen katastrophal. Im Trainingsalltag waren taktische Feinheiten von eher nachrangiger Priorität, Hauptsache mal ein guter Spruch und ein paar Bier, das stärkt den Zusammenhalt. Es war eine Truppe, wie sie die Fans auf der Insel schätzen, gerade dieser alten Arbeiterregion, wie sie aber im modernen Fußball gewisse Erfolgsgrenzen hat.

Französische Ligue 1 als Beutewiese

Pardew hingegen ist Süd-Engländer, er bevorzugt einen sicheren Kombinationsfußball und feilt im Training mit dem Ehrgeiz und der Versessenheit südländischer Trainer wie José Mourinho oder Rafael Benítez an taktischen Details. Passenderweise hatte der Klub schon länger die französische Ligue 1 als ideale Beutewiese ausgemacht. Spieler aus Gallien sind technisch gut geschult und für einen Klub wie Newcastle finanzierbar, so die Kalkulation. Die Magpies starteten eine Charmeoffensive, in deren Rahmen etwa wichtige französische Spieleragenten in großen Stil nach Newcastle eingeladen wurden. Im Ergebnis gelangen so überraschende Transfers wie der von Nationalspieler Yohan Cabayé, der die vermeintliche Perspektivlosigkeit der Champions League mit OSC Lille vorzog. Cabayé zieht jetzt die Fäden bei Le Newcastle.

Demba Ba in Newcastle treffsicher

Acht französisch-sprachige Spieler stehen insgesamt im Kader, darunter auch der Senegalese Demba Ba, der seit seinem polemischen Abgang von Hoffenheim vorigen Winter einen glanzvollen Start in der Premier League hingelegt hat und mit 15 Ligatoren im laufenden Kalenderjahr nur von Wayne Rooney und Robin van Persie übertroffen wird. Pardew akquirierte ihn im Sommer gratis von Absteiger West Ham United. Seitdem hat Ba achtmal getroffen. Zuletzt schaffte er einen Hattrick beim 3:1 bei Stoke City – jenem Verein, zu dem er im Winter eigentlich wechseln wollte, ehe ihn die Klubärzte beim Medizincheck als Halbinvaliden abstempelten.

Team kassiert die wenigsten Gegentreffer

Der technisch starke Ba passt zu Newcastles neuem Spielstil, bei dem der Ball länger durch die eigenen Reihen zirkuliert und zumeist am Boden gehalten wird. Pardews Truppe ist äußerst kompakt, die Abwehr um den neuen Kapitän Fabricio Coloccini hat erst acht Gegentore zugelassen, weniger als jede andere in der momentan extrem torhungrigen Premier League. Mit der Verteidigung gewinnt man bekanntlich Titel, beziehungsweise: man erringt gute Tabellenplätze. Und so will Pardew den keimenden Enthusiasmus unter den Anhängern gar nicht erst bremsen: "Wenn sie von der Champions League träumen, lasst sie weiter träumen. Das ist fantastisch."

Trainer Alan Pardew anfangs ungeliebt

Der Vater des Aufschwungs ist kurioserweise einer, den die Fans nie haben wollten. Pardew kam nach einem Drittel der vorigen Saison für den populären Aufstiegstrainer Chris Hughton – es war eine überraschende Entscheidung, denn Newcastle schlug sich, wie Pardew selbst einräumte, "zu diesem Zeitpunkt eigentlich ganz gut." Die Antipathien gegenüber dem Neuen aus dem Süden wurden durch Gerüchte befördert, dass er den Job nur wegen seiner Freundschaft zu Geschäftsführer Derek Llambias erhalten habe; wofür nicht zuletzt die marktunübliche Vertragsdauer von fünfeinhalb Jahren sprach.

Verkauf der Stadionrechte sorgt für neue Unruhe

Mit seiner akribischen Arbeit und dem ungeahnten Erfolg hat Pardew die Anhänger inzwischen von sich überzeugt – was andererseits natürlich noch lange nicht heißt, dass die Dinge deshalb mal entspannt wären in Newcastle. Mitten hinein in den Jubel um Tabellenplatz drei platzte Eigentümer Ashley vorletzte Woche mit der Ankündigung, die Namensrechte am heimischen Stadion zu verkaufen.

Unternehmer Ashley, Chef des Sportartikelmultis Sports Direct und laut Forbes-Liste der 655. reichste Mann der Welt, sieht diese Maßnahme als wirtschaftlich nötig an, aber erstens traut ihm in Newcastle keiner über den Weg – auch er ist Süd-Engländer, hat einige haarsträubende Entscheidungen getroffen und wollte den 2007 erworbenen Verein schon mehrfach wieder abstoßen. Zweitens sind die Fans auf der Insel gegenüber der Kommerzialisierung von Stadionnamen kritischer eingestellt als in Deutschland – zumal wenn es um einen so stolzen Tempel geht wie den 1892 (!) eröffneten St. James’ Park.

Skandale stehen auf der Tagesordnung

Newcastle ist eben ein besonderer Fußball-Standort. Erfolg hin oder her, auch die Skandale bleiben dem Klub vorerst treu. An diesem Donnerstag muss sich Stürmer Nile Ranger vor Gericht verantworten. Er soll sich auf offener Straße betrunken geprügelt haben. Dabei war er sowieso nur auf Kaution frei – wegen des selben Vergehens. 

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