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Die Premier League spielt verrückt

02.01.2012, 10:37 Uhr | t-online.de

Premier League spielt verrückt. Die Manchester-Klubs United (li, Rio Ferdinand) und City (Mario Balotelli) bilden die Spitze der Premier League. (Quelle: imago)

Die Manchester-Klubs United (li, Rio Ferdinand) und City (Mario Balotelli) bilden die Spitze der Premier League. (Quelle: imago)

Eine Kolumne von Jonny Giovanni

Es gibt ja manchmal ein bisschen Verwirrung, wenn es um die Eliteklasse des englischen Fußballs geht. Zum Beispiel heißt es im Zusammenhang mit Rekorden oft: das beste, meiste, größte oder was auch immer der Premier-League-Geschichte. Der unbedarfte Zuhörer mag dann leicht an die weit über 100-jährigen Annalen des mutterländischen Fußballsports denken, was die Zahlen natürlich umso beeindruckender macht. Tatsächlich aber sind oft nur die letzten 20 Jahre gemeint – seit 1992 die Premier League die First Division ablöste.

Es ging damals um Geld – die Erstligisten wollten sich unabhängig von Verband und den unteren drei Profiklassen organisieren und verkaufen. Und was anfangs nur wie ein neues Gewand für denselben Inhalt klingen mochte, hat tatsächlich einen Epochenwechsel eingeleitet. Durch einen Kommerzialisierungsschub, die parallele Einführung der Champions League und die beginnende Auslandsvermarktung wuchs die Einkommensschere zwischen den Klubs, was zu einem stabilen Nukleus an der Spitze führte. In den letzten 20 Jahren der First Division hatten sieben verschiedene Klubs den Titel gewonnen. In den ersten 20 Jahren der Premier League waren es nur vier.

Die üblich verdächtigen Titelkandidaten

Manchester United oder Arsenal, seit 2004 Manchester United oder Chelsea – das war fortan die Titelfrage. Seit 1997 brach überhaupt nur noch der FC Liverpool mit zwei Vize-Meisterschaften (2002, 2009) in die jeweiligen Duopole ein. Der Meister von 1995, die Blackburn Rovers, stellte sich dagegen als One-Hit-Wonder heraus; ihn hievten nur die vorübergehenden Millionenspritzen von Mäzen Jack Walker nach oben.

Was damals noch ein lokaler Stahlmagnat war, sind jetzt die Scheichs aus Abu Dhabi – ihretwegen führt erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit ein anderer Klub die Tabelle an, Manchester City. Die Himmelblauen waren zuletzt 1968 Meister und verbrachten die Dekaden danach tendenziell eher im Abstiegskampf als an der Spitze. Ihre erkaufte Renaissance wird auch deshalb in England weniger kritisch gesehen als etwa in Deutschland, weil so wenigstens mal wieder jemand anders vorne mitspielt.

City und United patzen im Gleichschritt

Seit Saisonbeginn liegt City vorn. Nach 53 Toren (Rekord!) in den ersten 17 Spielen folgten jedoch ein 0:0 bei West Brom und jetzt an Neujahr ein 0:1 in Sunderland. Am verrücktesten Spieltag der Saison unterlag außerdem der punktgleiche Verfolger Manchester United zuhause gegen den – so sind die Zeiten inzwischen –Tabellenletzten Blackburn. Damit war der Dritte Tottenham Hotspur trotz eines dünnen 1:1 bei Aufsteiger Swansea der Gewinner der Runde.

Auf diese drei Teams läuft es nämlich hinaus im Meisterschaftskampf, was die ganze Sache noch viel besser macht für all jene, die von der United-Chelsea-Monotonie (kein anderer Meister seit 2004) genervt waren. Nun spielt nicht nur das aufgepimpte City um den Titel, sondern auch noch die guten, alten Spurs (letzte Meisterschaft: 1961). Sie liegen sechs Punkte zurück, haben aber ein Spiel weniger absolviert.

Ferguson adelt Tottenham

Ohne edlen Mäzen, nur mit kluger Einkaufspolitik haben die Nordlondoner in den letzten Jahren eine Truppe zusammengebastelt, die mit Luka Modric, Scott Parker, Rafael van der Vaart, Aaron Lennon und dem spektakulären Linksaußen Gareth Bale über ein exquisites Mittelfeld und mit Emmanuel Adebayor seit dieser Saison zudem auch einen Spitzenstürmer verfügt. Nach zwei Auftaktpleiten gegen United und City präsentierte sich das Gebilde verlässlich formstark. "Tottenham ist momentan das beste Team", sagt Alex Ferguson, der seit Silvester 70-jährige Manager von Manchester United.

Ob es da mit dem 13. Meistertitel seiner 25-jährigen Amtszeit etwas wird? Das allzeit kompetitive United hält trotz umfangreicher Verletztenliste (Vidic, Ferdinand, Fletcher, Anderson, Cleverley) immerhin vorn mit; was man von den anderen Dauerbrennern nicht behaupten kann. Chelsea und Arsenal sind bereits elf bzw. neun Punkte zurück, sie werden wohl mit Liverpool und vielleicht Newcastle den vierten Platz ausfechten. Maximal zwei der ehemals so unantastbaren "Big Four" werden sich also für die Champions League qualifizieren. 2007, 2008 und 2009 stellte dieses Quartett (United, Chelsea, Arsenal, Liverpool) noch jeweils drei Semifinalisten in der Königsklasse.

Chelsea im freien Fall

Insbesondere Chelseas Verfall ist frappierend. Während Liverpool seine miserable Vorsaison und Arsenal seinen traumatischen Saisonstart inzwischen verarbeitet haben, der Trend also jeweils wieder nach oben zeigt, ist bei Chelsea völlig offen, ob der Scheitelpunkt der Krise schon erreicht ist – oder es noch weiter bergab geht. Die eloquenten Ausführungen des als großer Hoffnungsträger angetretenen André Villas-Boas klingen zunehmend nach Durchhalteparolen; der 34-jährige schafft es bislang nicht, den gewünschten Generations- und Stilwechsel zu moderieren. Ob mit dem degradierten Platzhirschen Frank Lampard oder ohne, ob mit Drogba oder Torres im Sturm – von den letzten vier Spielen hat Chelsea keines gewonnen.

An Silvester komplettierten die Londoner den karnevalesken Spieltag durch eine tölpelhafte Heimniederlage gegen Aston Villa. Insgesamt brachte die 19. und letzte Runde der Hinserie alle neuen Vorzüge der Premier League auf den Punkt. Wie Sunderland den Tabellenführer City in einem frenetischen Match niederkämpfte, durch ein Siegtor in der letzten Minute der Nachspielzeit, wie Aufsteiger Swansea mit technisch gutem Fußball die Spurs über weite Strecken dominierte – das waren Ausweise einer sehr vitalen Liga. Da stört es kaum einen, dass in der Champions League eine Dominanz dahin ist, die selbst viele Engländer langweilte. Im einmalig dichten Rhythmus des Inselfußballs geht das Spektakel bereits am Montag weiter. Und angesichts einer Saison, in der City schon 6:1 bei United gewann, das wiederum Arsenal mit 8:2 besiegte, geschieht das in dem Wissen: Alles ist möglich. Die alten Gesetze gelten nicht mehr.

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