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Xamax Neuchatel meldet Insolvenz an

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Neuchatel ist am Ende

27.01.2012, 08:51 Uhr | dpa, sid, dapd

Xamax Neuchatel meldet Insolvenz an. Der zwielichtige Eigner Bulat Tschagajew richtet Xamax Neuchatel zu Grunde. (Quelle: Reuters)

Der zwielichtige Eigner Bulat Tschagajew richtet Xamax Neuchatel zu Grunde. (Quelle: Reuters)

Der in die Schlagzeilen geratene Schweizer Fußball-Erstligist Xamax Neuchatel meldet Insolvenz an. Das verkündete der Verein auf seiner Webseite. Dem zweimaligen Meister wurde aufgrund finanzieller Unregelmäßigkeiten in der vergangenen Woche die Lizenz zur Teilnahme am Spielbetrieb in der Liga entzogen, nachdem anscheinend gefälschte Bankdokumente aufgetaucht waren, die die finanzielle Sicherheit des Klubs bisher garantierten.

Einem Einspruch des Traditionsklubs gegen die Entscheidung Schweizer Fußball Liga (SFL) wurde von Gerichtsseite nicht stattgegeben. Mittlerweile hat der Verein alle Spieler von ihren laufenden Verträgen entbunden. Außerdem wurde Besitzer Bulat Tschagajew wenig später nach Angaben der Nachrichtenagentur SDA verhaftet. Dem Tschetschenen wird "ungetreue Geschäftsbesorgung" vorgeworfen. Zuvor waren Neuchatel bereits acht Punkte aufgrund von Unregelmäßigkeiten bei der Überweisung von Gehältern sowie Sozialversicherungsbeiträgen abgezogen worden.

Maradona als Trainer versprochen

Der Verein war im Mai vergangenen Jahres von Tschagajew gekauft worden. Der Tschetschene hatte verkündet, er wolle Diego Maradona als Trainer nach Neuchatel holen und versprach dem Klub viel Geld. Der Milliardär gilt als Vertrauter des umstrittenen tschetschenischen Republikchefs Ramsan Kadyrow.

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Heute steht der Klub allerdings vor einem Scherbenhaufen. Die Lizenz ist weg und 120 Gläubiger mit offenen Forderungen von rund 6,5 Millionen Euro können nicht bedient werden.

Torwart und Spieler grundlos entlassen

Tschagajew juckte das bislang scheinbar wenig. Oder ist er einfach nur ein guter Schauspieler? Bühnenreif sind die Auftritte des Tschetschenen allemal. Legendär seine spektakuläre Kabinen-Show in der Halbzeit des Pokalfinals. 0:2 lag sein "Spielzeug" hinten. Tschagajew stürmte in die Kabine und bedrohte die Spieler ("I will kill you all"). Das Finale ging trotz dieser Motivationsrede verloren. In nur acht Monaten entließ Tschagajew vier Trainer.

Überhaupt sind die Personalentscheidungen des Xamax-Chefs wild. So verloren die Schweizer das erste Saisonspiel mit 0:3. Schuld war nach Meinung des Tschetschenen Neu-Keeper Rodrigo Galatto. Er wurde gefeuert. Vor wenigen Tagen wurden Kapitän Besle sowie seine Mitspieler Seferovic, Arizmendi und Bakana entlassen. Fristlos und grundlos.

Tschagajew bezeichnet sich selbst als Unternehmer. Wie genau er seine angeblichen Milliarden verdient hat, darüber gibt er keine Auskunft. Und die Zweifel mehren sich, ob er überhaupt Geld hat. So musste der Tschetschene auf Druck des Gerichts und der SFL Banknachweise über sein Vermögen vorlegen. Die Bank of America bescheinigte Tschagajew ein Konto mit 35 Millionen Dollar - scheinbar. Denn schnell wurden die Nachweise als billige Fälschungen entlarvt. Eine Garantie wurde von "Thomas Milller" unterzeichnet, geschrieben mit drei L. In den Kantonen Genf und Neuenburg wird nun gegen Tschagajew wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung, versuchten Betrug und Geldwäscherei ermittelt.

Warnung vor Tschagajews rechter Hand

Der Xamax-Eigner hatte eine logische Erklärung: eine Verschwörung. "Dieses Dokument wurde mir untergejubelt", sagte er der russischen Tageszeitung "Sport Den za Dnem". Tschagajew besitzt in der Schweiz keine gültige Arbeitserlaubnis, der eingesetzte Präsident Islam Satujew auch nur eine beschränkte Aufenthaltsgenehmigung. Vor der rechten Hand von Tschagajew wird gewarnt. Dieser sei gefährlicher als sein Boss, erklärte Gilbert Facchinetti, Ex-Präsident: "Er hat keine Ahnung davon, was er tut. Er will zwar befehlen, doch er versteht nichts. Das ist ganz schlecht."

Auch gegenüber den Medien wurde der Ton rauer. So stauchte Satujew die Journalisten vor einem Spiel ordentlich zusammen: "Tschagajew möchte euch etwas mitteilen: Fuck you!". Die Zeitung "Matin" und das Magazin "L'illustre" wurden auf jeweils eine Millionen Franken verklagt. Von der "SNP" will Tschagajew 500.000 Franken wegen mehrfacher Ehrverletzung.

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