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Fußball: Die MLS dient als Auffangbecken für Altstars

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Wo ein Leitwolf noch ein Leitwolf sein darf

20.03.2012, 09:12 Uhr | Eine Kolumne von Jonny Giovanni , t-online.de

Fußball: Die MLS dient als Auffangbecken für Altstars. Weggefährten: Einst Teamkameraden in Bremen trafen Torsten Frings und Frank Rost (re.) in der MLS aus Gegner aufeinander. (Quelle: imago)

Weggefährten: Einst Teamkameraden in Bremen trafen Torsten Frings und Frank Rost (re.) in der MLS aus Gegner aufeinander. (Quelle: imago)

Es kommen immer mal wieder Neuigkeiten aus der MLS, der Major League Soccer. Major League: das klingt erst mal nach großem Sport, nach den Besten der Besten, aber typisch sind eher Meldungen wie diese der Nachrichtenagentur dapd: "Ehemaliger St.-Pauli-Profi Lechner in die USA".  Wer noch nie von Florian Lechner gehört hat, muss sich nicht schämen. Der Rechtsverteidiger absolvierte in seiner Karriere 14 Bundesligapartien für St. Pauli, zuletzt saß er beim Zweitliga-Abstiegskandidaten Karlsruher SC auf der Ersatzbank. In der soeben begonnenen MLS-Saison darf er hoffentlich wieder spielen: für New England Revolution aus Boston.

So weit also zum Alltag der Major League, deren Personal aus Fahrensmänner der zweiten Reihe und US-Talenten geprägt ist. Die besten US-Spieler kicken zumeist in Europa. Entsprechend überschaubar ist die Qualität des Fußballs in den USA. Die MLS wurde vor zwei Jahrzehnten als Zugeständnis an die Fifa ins Leben gerufen, um die WM 1994 ausrichten zu dürfen. Seitdem wartet die Welt auf den Durchbruch des Soccers, auf die Besetzung des letzten weißen Flecks auf der Landkarte des globalen Lieblingssports. Bislang vergeblich, trotz der dritten Kategorie von MLS-Spieler: dem Altstar.

Internationale Stars dienen der MLS als Zugpferde

Diese seltene Spezies kam zuletzt immer häufiger aus der Bundesliga. Aber ob das den Durchbruch bringt? Selbst David Beckham, seit fünf Jahren bei LA Galaxy oder Thierry Henry, seit zwei Jahren bei Red Bull New York, ist es nicht gelungen, das Fußball-Interesse der Amerikaner auch nur annähernd an das der restlichen Welt zu wecken. Da ist vom ehemaligen Bremer Torsten Frings wohl erst recht nicht zu erwarten, dass er die Kanadier massenweise aus der Eishockey-Halle ins Stadion seines Vereins Toronto FC lockt. Die Spieler in der MLS fristen in Nordamerika ein Mauerblümchen-Dasein im Schatten der großen und beliebten Sportarten in den USA und Kanada. Ein Blick hinter die Kulissen des Ballyhoos der MLS aber lohnt sich - fördert er doch interessante für den modernen Fußball interessante Erkenntnisse zu Tage.

In Toronto darf Frings noch Leitwolf sein

Frings kam im vorigen Sommer nach Toronto, und seitdem hört man nur das Beste. Er ist Kapitän des Klubs, der von Jürgen Klinsmanns Firma "SoccerSolutions" beraten und vom niederländischen Ex-Nationalspieler Aron Winter  trainiert wird. Winter lobt: "Torsten ist ein geborener Anführer", und lässt ihm als eine Art Libero vor der Abwehr alle Freiheiten. Die Presse feiert ihn als "outstanding", "very influential" oder "brain and heart" seines Teams. Derweil Frings erklärt, warum es bei ihm manchmal etwas lauter zugeht, wenn er seine Mitspieler kommandiert: "In der Hitze des Gefechts müssen die Dinge schnell gesagt werden, vielleicht kommt das dann manchmal ein bisschen harsch rüber. Aber nichts ist persönlich. Die Dinge müssen eben gesagt werden." Kurzum: In Toronto darf Frings noch Leitwolf sein, und kein Nörgler oder Bundestrainer fragt, ob das jetzt modern ist oder nicht.

Frings mit Toronto im Champions-League-Halbfinale der CONCACAF

Neulich wehte sogar der Duft von großem Fußball durch die Stadt: Vor 48.000 Zuschauern im ausverkauften Rodgers Centre - normalerweise Kultstätte von Baseball und Football - traf Frings mit Toronto in amerikanischen Champions League auf L.A. Galaxy mit Fußball-Ikone Beckham. Toronto gewann und erreichte als erster kanadischer Klub das Halbfinale, was den größten Erfolg der sechsjährigen Vereinsgeschichte bedeutet. Leider sind außer Toronto jetzt nur noch mexikanische Klubs im Wettbewerb. Meistens ist dann für die MLS-Vertreter Schluss. Sollten die Kanadier jedoch die Sensation schaffen, bekäme Frings noch mal den ganz großen Leitwolf-Auftritt – im Dezember bei der Klub-WM.

Frings sieht sich als Entwicklungshelfer in Sachen Fußball

Aber um die Befriedigung von persönlichem Ehrgeiz geht es im Herbst so einer Karriere ja gar nicht mehr. Frings hat betont, er sehe sich mehr als Entwicklungshelfer. Kanada hilft außerdem dem eigenen Curriculum, es ist eine "Win-win"-Situation. So soll der 35-Jährige mittlerweile schon so gut Englisch verstehen, dass er bei Interviews den Dolmetscher nur noch für seine Antworten braucht.

Ansehnliches Einkommen im Vorruhestand

Auch die Bezahlung ist zumindest okay. Um das Schicksal der bankrott gegangen Vorläufers North American Soccer League - ja, die mit Cosmos New York, Beckenbauer und Pelé - zu vermeiden, gibt es in der MLS eine "salary cap" von rund 2,8 Millionen US-Dollar für das komplette Team. Allerdings kann jeder Klub bis zu drei Spieler davon ausnehmen. Frings kassierte so für das halbe Jahr 2011 den offiziellen Statistiken zufolge ein Garantiegehalt von gut 1,1 Millionen Dollar.

Namhafter Neuzugang aus der Bundesliga

Dagegen wollte oder konnte sich Red Bull New York den für eine komplette Saison nur halb so teuren Torwart Frank Rost nicht mehr leisten. Frings’ ehemaliger Bremer Kollege hat seine Karriere deshalb beendet. Dafür gewann Frings einen ehemaligen Nationalmannschafts-Buddy dazu. Als Chicago Fire vorige Woche seine Zugänge für die neue Saison verkündete - neben einem jungen Verteidigertalent namens, kein Witz, Hunter Jumper - fiel der Name einer ungleich berühmteren Abwehrkraft aus Deutschland: Arne Friedrich: Mittlerweile ist er körperlich aber nicht mehr in der Lage, den ungleich höheren athletischen und spielerischen Anforderungen der Bundesliga und der Nationalelf zu genügen. Aber vielleicht reicht es ja wenigstens noch für ein Jährchen MLS.

Ballack angeblich in der Wartesschleife für die MLS

Doch der absolute Spitzen-Import Made in Germany kommt vielleicht erst. Um es mit Amerikaexperte Klinsmann zu sagen: "Die kennen unseren Capitano noch nicht!" Michael Ballack soll einem Wechsel in die MLS sehr zugeneigt sein. Ist es so weit, wird man bestimmt wieder zu lesen bekommen, jetzt lege der Fußball in Amerika richtig los. Aber mal ehrlich: Das glaubt doch keiner. Ballacks alter Lieblingskumpel Torsten Frings jedenfalls sagt, mit das Schönste am Vorruhestand in der Major League sei die Anonymität, die er auf der Straße genießt: "Niemand kennt einen."

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