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El Clásico: Giganten-Duell wird zur Zitterpartie

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Bei Real und Barca geht die Angst um

20.04.2012, 11:19 Uhr | t-online.de

El Clásico: Giganten-Duell wird zur Zitterpartie. Barcelonas Daniel Alves (li.) klärt rustikal gegen Fabio Coentrao. (Quelle: imago)

Barcelonas Daniel Alves (li.) klärt rustikal gegen Fabio Coentrao. (Quelle: imago)

Eine Kolumne von Jonny Giovanni

Die spanische Sportpresse gilt nicht zu Unrecht als äußerst kreativ. Jeden Tag 20 Seiten mit dem Herzensklub zu füllen, sei es Real Madrid oder der FC Barcelona, ist ja auch keine leichte Aufgabe. Vor dem Clásico immerhin schreiben sich die Geschichten in der Regel wie von selbst – das Duell der beiden Titanen des Fußballs spielt auf so vielen Ebenen, das es Bücher füllen kann. Oder einen nie dagewesenen Fernsehmarathon. "Punto pelota" die populärste Fußballdebatte im TV, sendet vor dem Spiel am Samstag in Barcelona nicht weniger als 24 Stunden – und zwar am Stück.

Dabei gilt es auch Fragen zu behandeln, die so nicht zu erwarten waren und die je nach Vereinspräferenz natürlich völlig gegensätzlich beantwortet werden. Sie lauten: Wer ist schlechter drauf? Wem schlottern mehr die Knie?

Selbstsicherheit nach CL-Niederlagen dahin

"Barça ist stärker angeschlagen", findet "AS" (Madrid). "Madrid bringt aus München viele Probleme mit", findet "El Mundo Deportivo" (Barcelona).  Dabei dürfte es diese Fragen eigentlich gar nicht geben, folgte man dem monatelangen Hype insbesondere der Madrider Presse, wonach beide Mannschaften deutlich über dem Rest der Welt stünden (was so nur für den FC Barcelona stimmt, weshalb die Behauptung in Katalonien auch bloß im Singular vorgetragen wird). Jetzt haben beide plötzlich ihre Champions-League-Hinspiele verloren, keineswegs irreparabel, aber doch verloren, womit ein Stück der gewohnten Selbstsicherheit verflogen ist. Auf einmal scheint es nicht mehr ganz so zwangsläufig, dass das Europapokalfinale in München auch der nächste Clásico wird.

Kommt es doch soweit, wäre es die Krönung der wohl berühmtesten wie lebendigsten Sportrivalität der Welt. Im Finale des Europapokals haben sich Barcelona und Madrid noch nie duelliert, sonst war schon so ziemlich alles dabei in 110 Jahren und 218 Partien (je 86 Siege, 46 Unentschieden). Zuletzt erlebte der Clásico einen nie dagewesenen Reigen. Voriges Jahr kreuzte man im Frühjahr viermal binnen zweieinhalb Wochen die Klingen (Liga, Pokalfinale, Champions-League-Halbfinale), diese Saison trifft man sich nach Ligahinspiel, Supercup und Pokal-Viertelfinale schon zum sechsten Mal.

Giganten-Duell auf das Maximale ausgedehnt

Die Inflation hat ihre Ursache in Launen von Los und Kalender – aber auch darin, dass mit der Ankunft von José Mourinhos in Madrid vor zwei Jahren die Kampfzone zwischen den Klubs auf das Maximale ausgedehnt wurde; den Pokal beispielsweise hatten die beiden Giganten zuvor oft nicht sonderlich ernst genommen. Ob die Vervielfachung dem Duell gut getan hat, darf indes stark bezweifelt werden.

Natürlich sorgt sie für seifenopergleiches Spektakel, aber sie nimmt den anderen spanischen Klubs fast jede Chance auf Rampenlicht (Ausnahme Europa League) und sie hat zu einer Anspannung geführt, die schon fast einer Anstiftung zur Gewalt gleich kommt – etwa wenn, wie beim Supercup-Rückspiel geschehen, Mourinho Barcelonas Assistenztrainer Tito Vilanova seinen Finger ins Auge bohrt und danach rundum jede Entschuldigung verweigert. Wäre das Fanverhalten in Spanien nicht traditionell friedlich, würden die Antipathien des Fußballs nicht traditionell bloß mit deftiger Sprache ausgetragen – wer weiß, wohin das alles schon geführt hätte.

Mourinho schießt Giftpfeile in Richtung Barcelona

So droht am Samstag wohl nicht mehr als das übliche Gemisch aus atemberaubendem Fußball einerseits, bösen Fouls, aufgekratzter Atmosphäre und Mou’schen Verschwörungstheorien andererseits. Der Trainer hat schon wieder da angefangen, wo er nach dem Pokalviertelfinale im Januar aufhörte, als er den Schiedsrichter bis ins Parkhaus des Camp Nou beschimpfte. Seit Wochen lässt er kaum einen seiner seltenen öffentlichen Auftritte verstreichen (zumeist vertritt ihn sein Assistent Aitor Karanka), ohne Giftpfeile in Richtung Barcelona zu verschicken. Zuletzt kurz nach Abpfiff des 1:2 bei Bayern München, als er nach seinem Gegenüber Pep Guardiola gefragt wurde: "Er ist ein intelligenter Junge, er weiß schon, warum er so viele Spiele gewonnen hat, er weiß es ganz genau". Sollte natürlich wieder auf den großen Komplott von Uefa, Unicef, Unilever und wem sonst noch zugunsten des FC Barcelona anspielen.

So obsessiv hat sich Mourinho in den Gegner verstrickt, bei dem er früher selbst als Assistent und Übersetzer arbeitete, dass eine halbwegs gelassene Herangehensweise an die Partie kaum vorstellbar erscheint. Dabei könnte sich Madrid die theoretisch sogar leisten: bei vier Punkten Vorsprung auf Barcelona und danach noch vier ausstehenden Spielen wäre sogar eine Niederlage tolerierbar.

FC Bayern nimmt genüsslich die Zuschauerrolle ein

Holt Real allerdings zumindest einen Punkt, hätte es in der Festung des Gegners die Meisterschaft für sich entscheiden – eine verführerische Aussicht in jeder Rivalität, eine unwiderstehliche, wenn es um den Clásico und José Mourinho geht. Es wird erwartet, dass er sein Team wieder mit dem Messer zwischen den Zähnen auf den Platz schickt, ohne Rücksicht auf Verluste, auf welcher Seite auch immer.

Bei den Champions-League-Gegnern in München und London werden sie das Spektakel genüsslich verfolgen. Und sich in den Rückspielen nächste Woche dann damit beschäftigen, was nach dem Clásico noch übrig ist.


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