30.04.2012, 09:06 Uhr | sid, t-online.de, dpa
Die Insel ist im "Marin-Fieber": FC Chelseas Interimscoach Roberto Di Matteo hat lobende Worte für NeuzugangMarko Marin von Bundesligist Werder Bremen gefunden. "Er ist ein aufregender Spieler, ein junger deutscher Nationalspieler und er ist technisch sehr gut und begabt", sagte Di Matteo nach dem 6:1-Heimsieg des FC Chelsea im West-Londoner Derby gegen die Queens Park Rangers. "Er wird das Team mit einigen Qualitäten bereichern." Der Wechsel des Bremers zum Sommer war vom Champions-League-Finalisten Chelsea und Werder-Klubchef Klaus Allofs bekanntgegeben worden.
Übereinstimmenden Medienberichten zufolge wird der 23 Jahre alte Mittelfeldspieler einen Fünfjahresvertrag an der Stamford Bridge unterschreiben. Der "Observer" berichtete von einer Ablösesumme in Höhe von acht Millionen Pfund, also rund zehn Millionen Euro. In Fußball-England sind die Erwartungen hoch an den 16-fachen Nationalspieler. Der "Independent on Sunday" nannte ihn sogar "the German Messi".
Die Reaktionen zu dem Wechsel fielen allerdings durchaus widersprüchlich aus. Während in Deutschland Marins Verpflichtung durch die Blues mit Unverständnis und teils unverhohlenem Hohn kommentiert wurde, fiel die Bewertung im Ausland wesentlich positiver aus. "Mata, Torres, Marin. Es wird sinnlich", lautete ein Eintrag von "Morad" bei Twitter. "JonBloggs66" schrieb: "Er hat das Potenzial, fantastisch zu sein. Großartige Übersicht und Dribblings." Und für "Phaa_deel" stand fest, dass Marin in die erste Elf gehöre und Florent Malouda verdrängen wird: "Gott sei Dank haben wir ihn geholt. Malouda sollte sich nicht mehr als Chelsea-Spieler sehen."
In Bremen hatte Marin zuletzt eine schwere Zeit. Als er vor drei Jahren zu Werder kam, galt der 8,5-Millionen-Einkauf als weitere Investition in eine glorreiche Zukunft. Doch der Offensivspieler dribbelte sich zu oft fest, entwickelte sich nicht weiter und versank im Mittelmaß.
Doch bei Chelsea könnte er sogar Chancen auf einen Stammplatz haben. Denn auf einen Verbleib von Salomon Kalou (Vertrag bis 2012) und Florent Malouda (bis 2013) legen die Blues keinen allzu großen Wert, so dass Marin die zweite Flügelposition neben dem unumstrittenen Juan Mata gebührten könnte. Seine Konkurrenten sind der ebenfalls im Sommer kommende Kevin de Bruyne, 20-jähriger Belgier, der formschwache Daniel Sturridge und eventuell der umerzogene Ramires, der vom Wesen her aber viel mehr im defensiven Mittelfeld beheimatet ist.
Doch kann Marin einen Kalou oder Malouda gleichwertig ersetzen? Die Kritiker führen an, dass er sich zu sehr aufs Schinden von Fouls versteht, ein eindimensionaler Dribbler ist und zurecht von Bundestrainer Löw aussortiert wurde. In dessen Ranking fiel Marin deutlich hinter Mesut Özil, Mario Götze, Thomas Müller, Marco Reus, Lukas Podolski, Andre Schürrle und Kevin Großkreutz zurück. Selbst wenn sich Marin nicht so häufig verletzt hätte in diesem Jahr (Becken, Leiste, Hüfte, Oberschenkel), wäre eine Nominierung für den EM-Kader unrealistisch gewesen.
Die Befürworter wiederum führen laut "spox.com" an, dass die enttäuschende Saison nur eine Ausnahme und keine Regel ist. 2011/12 lautete seine Bilanz: Ein Tor und fünf Assists in 21 Spielen. In jeder den vier Spielzeiten zuvor aber erzielte Marin mindestens drei Tore und gab elf Assists. Ein Beweis seiner Klasse. Und eine Erklärung dafür, warum Chelsea so erpicht auf den 23-Jährigen war.
"Ich freue mich natürlich sehr auf die Aufgabe Premier League bei einem so etablierten Klub", ließ Marin mitteilen. Dass sich ein Verein fand, der so viel Geld für ihn zahlt, ist überraschend. Denn Marins sportliche Entwicklung stagniert. So absolvierte er sein bisher letztes Spiel im DFB-Trikot am 17. November 2010 beim 0:0 in Schweden. In den EM-Planungen spielt er keine Rolle. "Ich will das nicht so negativ sehen", kommentierte Allofs Marins Entwicklung. "Die Zeit des Umbruchs hat es für ihn nicht einfacher gemacht."
Quelle: sid, t-online.de, dpa
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