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Serie A: Juventus Turin strebt nach Rekord und Titel

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Juve steht vor historischer Saison

04.05.2012, 09:37 Uhr | t-online.de

Serie A: Juventus Turin strebt nach Rekord und Titel. Werden Arturo Vidal und Mirko Vucinic auch am Ende der Saison jubeln? (Quelle: imago)

Werden Arturo Vidal und Mirko Vucinic auch am Ende der Saison jubeln? (Quelle: imago)

Eine Kolumne von Johnny Giovanni

Der Streit ist vielleicht nicht ganz untypisch für den italienischen Fußball, angesiedelt irgendwo zwischen Debattenkunst und Pedanterie. Im Mittelpunkt steht folgende Frage: Wenn ein Pokalspiel nach 90 Minuten 1:2 steht, nach 120 Minuten aber 2:2 – gilt es dann als Niederlage oder als Remis? Von der Beantwortung dieser Frage hängt ab, als wie historisch diese Saison von Juventus Turin in die Annalen eingehen könnte.

Über den Calcio fegt momentan der Wind der Geschichte. Konkret geht es bei dem Zwist um das Pokal-Halbfinal-Rückspiel zwischen Juventus und dem AC Mailand. Die Fußball-Bibel "Gazzetta dello Sport" wertete die Partie als Unentschieden, woraufhin Milan-Geschäftsführer Adriano Galliani persönlich einen Leserbrief an das Blatt schrieb, in dem er unter Hinweis auf das Regelwerk des Fußballverbandes widersprach. Galliani musste quasi handeln: Milan und Juventus zanken schon die ganze Saison lang um den Titel und um die Wahrheit. Wie soll der glatzköpfige Berlusconi-Intimus da tatenlos mit ansehen, dass Juventus einen Uralt-Rekord der Mailänder übertrifft?

Es geht um die Ehre  - und um Titel

Wertet man jenes Spiel nämlich als Unentschieden, fehlen Juventus nur noch drei nicht verlorene Spiele, zwei in der Liga plus das Pokalfinale am 20. Mai gegen Neapel, um als erste italienische Mannschaft eine Saison ohne Niederlage auf heimischem Boden bestritten zu haben. Wertet man es hingegen als verloren, so würde Juventus "nur" dem kleinen Zirkel von Teams beitreten, die eine Spielzeit ohne Ligapleite blieben. Er besteht aus dem AC Perugia (1978/79) sowie eben dem AC Milan (1991/92). Das große Meisterteam um Gullit und van Basten verlor seine wettbewerbsübergreifend weiße Weste damals just im Pokalhalbfinale und just gegen ... Juventus.

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Die Turiner allerdings wollen dieser Tage von der Historie auch nicht allzu viel wissen, denn nach dem mageren 1:1 gegen Abstiegskandidat Lecce steht dasselbe Szenario in Aussicht, das den AC Perugia in seiner geschichtsträchtigen Saison ereilte. Die Umbrier blieben zwar in allen 30 Ligaspielen ungeschlagen, wurden aber trotzdem nicht Meister, da sie gleich 19 Unentschieden in ihren Lauf einbauten. Das reichte nicht mal bei der damaligen Zwei-Punkte-Regel. Der Titel ging stattdessen an ... Milan.

Buffon patzt gegen Lecce

2011/2012 kommt Juventus in bislang 36 Spielen auf 21 Siege und 15 Unentschieden. Die Unbezwingbarkeit reicht vor den letzten beiden Spielen (Cagliari auswärts, Atalanta zuhause) gerade mal zu einem Punkt Vorsprung auf Milan (noch gegen Inter und Novara). Vor wenigen Wochen lagen die Turiner sogar nur auf Rang zwei und hatten öfter remis gespielt als gewonnen. Dann aber fabrizierten sie endlich Siege, acht am Stück sogar, bis gegen Lecce wenige Minuten vor Schluss ausgerechnet die sonst so unfehlbare Torwartikone Gigi Buffon einen kapitalen Bock schoss. Nach einem Rückpass misslang ihm die Ballannahme, Lecces Bertolacci spritzte dazwischen und musste zum späten Ausgleich bloß noch ins leere Tor einschieben.

Wieder mal ein Unentschieden also, entsprechend bedient war Trainer Antonio Conte: "Ein chaotisches Spiel und nicht das erste Mal, dass so etwas passiert." Tatsächlich kam regelmäßigen Beobachtern des Tabellenführers der Spielverlauf – Juventus hatte nach früher Führung unzählige Gelegenheiten zu erhöhen – durchaus bekannt vor. Turins Remis-Flut nämlich schuldet sich nämlich weniger einem landestraditionellem Spekulationsfußball, als man vielleicht vermuten würde – und als ein Blick ins Geschichtsbuch des Calcio nahe legt, in dem ein 0:0 noch immer als gutes Ergebnis galt: Perugia beispielsweise schoss in seiner ungeschlagenen Saison gerade mal 34 Tore.

Dass in Italien schon zweimal glückte, was in Europas großen Ligen sonst nur Arsenal schaffte, mit seinen "Invincibles" um Vieira, Henry und Bergkamp (2003/2004), mag bei so viel Sicherheitsdenken nicht überraschen. Jetzt also auch Juventus, diese alte Ergebnismaschine, die doch nie ein Problem mit dem Zynismus hatte, die sogar das Schiedsrichterwesen bestach, wenn es bloß der eigenen Glorie diente. So weit die Klischees, aber sie stimmen nicht mehr ohne weiteres.

Die Zeit des Verwaltens ist vorbei

Im italienischen Fußball hat sich etwas getan, und bei Juve ganz besonders. Das soll jetzt nicht unbedingt heißen, dass im neuen Stadion der Turiner – der ersten modernen Fußball-Arena Italiens – der Ball barcaesk über den Rasen kreiseln würde. Doch immerhin ist unter Conte der abwartende Verwaltungsfußball abgeschafft worden. Der Kapitän der letzten großen Juve-Mannschaft (zu Beginn dieses Jahrtausends) predigt Intensität und ein 4-3-3-System, heraus kommt eine Mannschaft, in der es spielerisch bisweilen zwar rumpelt, die aber ehrliche Maloche anbietet – und sich damit bewusst von der unseligen Tradition absetzen will, die den Klub 2006 im Zuge des Manipulationsskandals zum Abstieg in die zweite Liga verdammte.

Nachdem damals direkt der Wiederaufstieg und im Jahr darauf sogar gleich der Einzug in die Champions League gelang, stagnierte Juventus in den vergangenen beiden Spielzeiten mit zwei siebten Plätzen. Vor diesem Hintergrund stellt Conte die mögliche Meisterschaft für sein Team schon in eine Reihe mit der größten Überraschung in der Geschichte der Serie A. "Wenn wir wirklich den Titel gewinnen sollten, wäre das vergleichbar mit dem von Verona – super-außergewöhnlich." Hellas Verona hatte 1985, angeführt von einem überragenden Hans-Peter Briegel, sensationell alle Favoriten düpiert (was lakonische Betrachter im übrigen darauf zurückführen, dass es das einzige Jahr war, in dem die Schiedsrichteransetzung nach dem Zufallsprinzip bestimmt worden und so dem Einfluss der mächtigen Vereine entzogen gewesen sei).

Juve ein benachteiligter Underdog?

Conte spielte mit seinem Vergleich mal wieder eine Karte, die er häufiger gebraucht – die des Unterprivilegierten. Neutrale Beobachter können darüber nur herzhaft lachen, angesichts von Transferausgaben von rund 90 Millionen Euro allein vor dieser Saison und einer Mega-Gehaltsofferte, die Andrea Pirlo, immer noch Italiens bester Fußballer, vom AC Mailand weglocken konnte. Doch der juvenile Trainer schafft es mit seinem Diskurs bislang hervorragend, den Druck von seiner Mannschaft zu nehmen. Im weiteren Sinne hat er mit seinem Underdog-Thema außerdem Öffentlichkeit und Schiedsrichter im Sinn. Letztere nämlich, findet er, würden Juventus benachteiligen, um ja nicht den Verdächtigungen der Vergangenheit ausgesetzt zu werden.

Zufall oder Kalkül?

Seine diesbezügliche These ("Wir werden anders behandelt als die 19 anderen Klubs") elaborierte der Trainer Ende Februar, pünktlich zum Liga-Gipfel bei Milan. Ob Zufall oder nicht – im Spiel (1:1) wurde den Mailändern dann ein klares Tor aberkannt. Danach fielen böse Worte, und das neue Juve wurde vorübergehend doch wieder als das alte Juve wahrgenommen. Die Polemik jener Partie begleitet das Titelrennen bis heute. In Mailand jedenfalls betonen sie häufig, dass sie eigentlich zwei Punkte mehr auf dem Konto haben müssten. Und dass Juventus, würde alles mit rechten Dingen zugehen, schon zwei Spiele verloren hätte – im Pokal und in der Liga.

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