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Wettskandal in Italien: Ministerpräsident Monti stellt Profi-Fußball in Frage

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Ministerpräsident Monti stellt Profi-Fußball in Frage

30.05.2012, 08:05 Uhr | dpa, sid

Wettskandal in Italien: Ministerpräsident Monti stellt Profi-Fußball in Frage. In Schieflage: Der italienische Fußball wird durch den Wettskandal aufgewirbelt. (Quelle: imago)

In Schieflage: Der italienische Fußball wird durch den Wettskandal aufgewirbelt. (Quelle: imago)

Der Wettskandal hat die höchste politische Ebene in Italien erreicht. Italiens Ministerpräsident Mario Monti stellt wegen der bis ins Nationalteam vorgedrungenen Affäre den gesamten Profi-Fußball im Land in Frage. "Würde es den Italienern nicht gut tun, wenn wir dieses Spiel für zwei bis drei Jahre komplett stoppen würden?", fragte der Regierungschef in Rom und sorgte damit kurz vor der EM in Polen und der Ukraine für noch mehr Wirbel.

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Prandelli findet nach dem Skandal deutliche Worte

Italiens Coach äußert sich nach der Razzia im EM-Lager. Video

Es sei zutiefst enttäuschend, wenn sich der Sport als unfair und manipuliert erweise, meinte Monti. Die Situation im italienischen Fußball bezeichnete Monti als "schauderhaft". Es sei traurig, dass im Sport Illegalität und unloyales Verhalten dominierten.

Nationalcoach versucht, zu beruhigen

Bevor der Regierungschef mit seinen Gedankenspielen für Aufregung sorgte, hatte Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli versucht, die Lage zu beruhigen. Obwohl nach italienischen Medienberichten auch gegen Leonardo Bonucci wegen des Verdachts von Spielmanipulationen ermittelt wird, berief der Coach der geschockten Squadra Azzurra den Verteidiger von Juventus Turin in sein EM-Aufgebot.

"Bonucci hat keinerlei Bescheid von der Staatsanwaltschaft erhalten. Deshalb kommt er mit uns zur EM", erklärte Prandelli im italienischen Fernsehen. Ob Bonucci nach Hause geschickt wird, wenn der Ermittlungsbescheid der federführenden Staatsanwaltschaften aus Cremona oder Bari doch noch eintrifft, ließ der Trainer offen.

"Schlimmer als 2006"

Italienische Medien berichteten, dass die Vorwürfe gegen Bonucci nicht so schwerwiegend sein sollen wie gegen den Abwehrspieler Domenico Criscito von Zenit St. Petersburg. Bonucci fühlt sich indes für die EM stark genug. "Alles okay", versicherte der 25-Jährige. Azzurri-Regisseur Daniele De Rossi fürchtet dennoch schon jetzt die Ausmaße des vergangenen Wettskandals. "Das ist schlimmer als 2006", sagte der Mittelfeldspieler.

Vor der WM 2006 waren nur Funktionäre in den Liga-Manipulationsskandal verstrickt. "Diesmal sind es Freunde und Teamkollegen der Nationalelf", klagte De Rossi.

Furcht vor großer Unruhe

"Das ist traurig und bitter. Jetzt muss gut und schnell aufgeklärt werden", forderte Italiens Verbandspräsident Giancarlo Abete. "Schnell" heißt für ihn aber nach der EM. "Die Staatsanwaltschaft hat danach alle Zeit", sagte er. Der Verbandsboss fürchtet, dass die immer größer werdende Unruhe dem Team in den Gruppenspielen gegen Spanien, Kroatien und Irland zum Verhängnis werden könnte.

"So einen Sturm gab es noch nie. Was für ein Chaos bei der Nationalelf", titelte der "Corriere dello Sport". "Ein Alptraum", meinte die "Gazzetta dello Sport".

"Schlechtes bringt Schlechtes"

Der Zeitpunkt für die landesweite Razzia mit 19 Festnahmen und dem spektakulären Polizeieinsatz im Morgengrauen im Trainingszentrum Coverciano ist Gift für die Nationalelf. Prandelli und De Rossi machten der Justiz dennoch keine Vorwürfe. "Sie haben es gemacht, wann es gemacht werden musste. Solche Ermittlungen sind wichtiger als eine EM", erklärte De Rossi.

Prandelli lässt sich unterdessen auf eine positive Umdeutung des Wettskandals nicht ein. Skandale seinen "keine Glücksbringer" für die Azzurri. "Schlechtes bringt immer nur Schlechtes", betonte er. Neben den Nationalspielern sind schließlich auch frühere Stars wie Juventus Turins aktueller Trainer Antonio Conte im Visier.

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